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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:53 Uhr

Eine Menge Kohle oder halbherzig?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sylter Gemeindevertretung will das Inselmarketing mit 1,25 Millionen Euro ausstatten

Wie viel Tourismus ist gut für Sylt? Und wie viel Geld sollte Sylt ins Marketing stecken, um auch in Zukunft Urlauber auf die Insel zu locken? Der Verein der Sylter Unternehmer (SU) hat im Juni vorgeschlagen, das Image der Marke Sylt nächstes Jahr mit 2,5 Millionen Euro zu fördern. Die Politik geht nur den halben Weg mit: 1,25 Millionen Euro sollen erstmal reichen.

2,5 Millionen Euro für die Sylt Marketing GmbH – das war eine der Handlungsempfehlungen aus den „Leitlinien Tourismus-Zukunft Sylt“. Das Positionspapier hatten Vertreter aus der Sylter Wirtschaft gemeinsam mit den Tourismusdirektoren entwickelt. Die Entscheidung, nur die Hälfte aufzubringen, haben sich die Kommunalpolitiker nicht leicht gemacht – das wurde in der Gemeindevertretersitzung deutlich. Mehrfach hatten der Finanzausschuss und die Fraktionen über das Thema beraten, um eine gemeinsame Linie zu finden. Die Kämmerei hatte vier Varianten durchgerechnet – mit Marketingaufwendungen von 1,0, 1,25, 1,5 und 2,5 Millionen Euro. Bei der Variante 4 mit 1,25 Millionen Euro, auf die sich alle Gemeindevertreter am Ende einigten, steigt der Gemeindeanteil von bisher 690  528 Euro auf 955  718 Euro – das wären gut 265  000 Euro mehr aus der Gemeindekasse.

Die Stellungnahmen der Fraktionssprecher ließen durchblicken, dass sich die Kommunalpolitiker in den Vorgesprächen längst nicht einig waren. Für die Sylter Wählergemeinschaft erklärte Sönke Hansen, dass die SWG die volle Summe von zweieinhalb Millionen Euro unterstützt hätte, sofern auch die anderen Inselgemeinden diesen Weg beschritten hätten. Die Mehrausgaben würden langfristig die Gewerbesteuereinnahmen stärken. „Aber wenn heute eine Mehrheit sagt, wir wollen mit der Hälfte anfangen, können wir damit leben.“ „Schade, dass die SWG dann nicht den Mut hat, einen eigenen Antrag zu stellen“, äußerte Carsten Kerkamm seinen Unmut.

„Das Papier ist sehr stark geprägt von der Unternehmerschaft, von den Großvermietern, von den großen Hotels“, kritisierte SPD-Fraktionsvorsitzender Gerd Nielsen – „die Politik wurde überhaupt nicht einbezogen.“ So laute eine Kernaussage, dass durch die Verkürzung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer pro Gast „eine Steigerung der Gästefrequenz“ notwendig wird, „um ein Absinken der Übernachtungszahlen und damit der touristischen Umsätze und Wertschöpfung zu verhindern.“ Die durchschnittliche Verweildauer sei von 8,5 Tagen (2004) auf 7,5 Tage (2014) zurückgegangen. „Man kann sich gut vorstellen, was passiert, wenn man diese Lücke ausbügeln will – nämlich noch mehr Autoverkehr, Zugverkehr, Flugverkehr. „Man sollte das Ganze auch mal kritisch sehen und den Versuch starten, eigene Leitlinien der Gemeinde für den Tourismus“ zu erarbeiten. Trotzdem trage die SPD Variante 4 mit.

„Nicht nur wegen der knappen Kassen“ bevorzuge auch der SSW diesen Beschlussvorschlag. „Wir sollten erstmal das Geld reinstecken und gucken, welche Wirksamkeit man erzielt,“ meinte ihr Fraktionssprecher Andreas Eck. „Schade, dass das Konzept nicht darauf abzielt, die Aufenthaltsdauer wieder zu steigern“, bedauerte der SSW-Vertreter. So könnte man „die gute alte Badekur“ wiederbeleben. Letztlich profitierten alle Sylter finanziell vom Tourismus.

„Zweieinhalb Millionen sind eine Menge Kohle,“ meinte Maria Andresen von der Grünen-Fraktion. „Wir sollten mit der Hälfte anfangen und sehen, in welche Richtung es geht.“ Ihre Fraktion lege größten Wert auf naturverträglichen Tourismus und „nicht immer mehr Quantität und weniger Qualität“. Auch sie zog es vor, die vorhandenen Gäste zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen, statt „immer nur noch mehr Leute ranzuholen.“

„Ich vertraue auf die Fachleute“, erklärte Hicham Lemssiah von den Insulaner/Piraten. Dass die Verweildauer sinkt, sei kaum zu vermeiden – eine Folge der Flexibilisierung der Arbeitswelt. Auch Lars Schmidt (Insel-Liste Zukunft Sylt) stimmte Variante 4 zu, forderte aber einen nachhaltigen Tourismus.

Wolfgang Jensen (CDU) widersprach Nielsens Behauptung, die Politik sei in die Leitlinien nicht eingebunden worden. Seine Fazit: „Die Zusammenarbeit beim Tourismus ist wesentlich weiter als die Einheit der Gemeinden auf der Insel.“

Am Ende stimmte das Kommunalparlament geschlossen für den Kompromiss der Variante 4, also 1,25 Millionen Euro für das Marketing.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 19:27 Uhr

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