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Schleswiger Nachrichten

28. August 2016 | 00:13 Uhr

VHS Schleswig : Eine Meisterin mit Nadel und Faden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Nähkurse von Gabi Hartmann-Meiburg sind seit Jahren absolute Renner.

Wenn man sie so sieht, könne man meinen, nähen macht glücklich. Fast täglich gibt Gabi Hartmann-Meiburg Nähkurse an der Volkshochschule, und freut sich „auf jeden einzelnen Termin“, wie sie sagt. Insgesamt macht sie dies nun schon seit rund 40 Jahren. Die meiste Zeit war sie in Solingen aktiv. Von dort stammt sie nämlich. In Schleswig bietet sie inzwischen aber auch schon seit 2007 Kurse an. Mit viele Erfolg: Denn die Lehrgänge sind längst hoffnungslos überlaufen. Wer einen freien Platz ergattern möchte, muss Glück und vor allem Geduld haben.

Nach der Ausbildung zur Schnitt-Technikerin an einer Modeschule in Düsseldorf zeigt Gabi Hartmann-Meiburg nahezu ausschließlich Frauen, was man mit Nadel und Faden alles machen kann, außer Knöpfe anzunähen. Mittlerweile ist sie über 60 Jahre alt und kann voller Stolz behaupten, was wohl sonst kaum jemand sagen kann: „Mein Konfirmationskleid ist das letzte Kleid, das ich fertig bekommen habe.“ Noch nie habe sie Kleidung in einem Katalog bestellt. Kostüme, Blusen, Röcke: Alles entsteht bei ihr zu Hause, wo sie sich ein kleines Nähstudio eingerichtet hat. „Ich verarbeite jeden Stoff, außer Fell und Pelz, denn das ist speziell und dafür braucht man besondere Nadeln und Nähmaschinen“, sagt sie.

Sehr viel seltener als andere sortiert sie auch Kleidung aus. Sollte etwas mal nicht mehr passen, kann es ja umgenäht werden. Und sollte etwas aus der Mode sein, schneidert sie es um. „Wenn aber doch mal ein Stück aus dem Kleiderschrank fliegt, dann schneide ich Knöpfe oder Stoffteile ab. Gute Knöpfe und gute Stoffe sind heutzutage wirklich nicht mehr leicht zu finden. Es wird zunehmend in erster Linie billig produziert“, weiß Gabi Hartmann-Meiburg aus Erfahrung.

Auftragsarbeiten nimmt sie nicht an. Sie schneidert für sich und ab und an auch für ihre zwei Kinder und das 14-jährige Enkelkind. Eine Kundin würde sie allerdings nicht abweisen: „Angela Merkel würde ich gerne einmal anziehen. Ihr würde ich Sachen schneidern, die ihr passen und auch stehen.“ Zweifellos kann man sich in dieser Hinsicht Gabi Hartmann-Meiburg anvertrauen, die immer und ausnahmslos top gestylt und häufig mit passendem Hut zum selbst genähten Kostüm ihre Kursteilnehmer begrüßt.

Doch sie kann nicht nur gut aussehen. Seit vielen Jahren greift sie nähbegeisterten Frauen hilfsbereit und geschickt unter die Arme. Seit über sieben Jahren kommt zum Beispiel ein Kurs in der gleichen Besetzung jeden Mittwochabend zwei Stunden in die VHS, wo man dann gemeinsam näht. So auch Ulrike Schreier aus Havetoftloit: „Zu Hause hab ich nicht die Ruhe zum Nähen. Außerdem bekommt man hier viele Anregungen und hat die Möglichkeit, Kleidung anzuprobieren und abzustecken.“ Auch der Spaß, den Gabi Hartmann-Meiburg an der Arbeit hat, übertrage sich auf die Teilnehmer.

Bisher wurde jedes Teil, war das Schnittmuster auch noch so kompliziert, am Ende mit Hilfe der Kursleiterin fertig gestellt. Doch liebloses Zusammennähen der einzelnen Stoffteile sieht sie gar nicht gern. Einige Regeln können alle Kursteilnehmer deshalb im Chor aufsagen: Reißverschlüsse werden mit der Hand eingenäht, Nahttrenner sollen nicht benutzt werden, da sie dem Stoff schaden, Hosen, Röcke und enge Jacken müssen gefüttert werden, weil der Stoff dann schöner fällt, und unerlässlich vor jedem Arbeitsschritt ist bügeln, bügeln, bügeln.




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