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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 07:44 Uhr

Grundhof / Selk : Eine Flachsspinnerei geht auf Reisen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ex-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Börnsen löst sein Dorfmuseum auf. Eine komplette Waschküche und Werkzeuge sind bald in Selk zu sehen.

Vor dem kleinen Dorfmuseum von Wolfgang Börnsen in Bönstrup ist an diesem Morgen schon viel zu tun. Ehrenamtler tragen eine komplette Waschküche und Utensilien zur Flachsspinnerei auf den Vorplatz. Wäschemangel, Waschbretter und Eimer landen auf der Ladefläche der zwei bereitgestellten Anhänger. Die teilweise über 100 Jahre alten Exponate bekommen eine neue Heimat.

Von Bönstrup geht es nach Selk zum Haddebyer Museumshof. „40 Jahre lang habe ich das Museum betreut, jetzt löse ich es nach und nach auf“, erklärt Wolfgang Börnsen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete freut sich, dass die Stücke weiterhin ausgestellt werden. Neben Hans-Dieter Oehlert und seinen Helfern vom Haddebyer Museum packt auch Börnsens Enkelin Ida kräftig mit an. Stolz präsentiert sie einen alten Wäschestampfer und demonstriert gleich, wie der früher einmal benutzt wurde.

„Diese Ausstellungsstücke stammen alle aus Angeln. Sie wurden uns gespendet, oder wir haben sie auf Flohmärkten gekauft“, sagt Wolfgang Börnsen. Er ist ein bisschen wehmütig, dass er das kleine Museum, das in einer Scheune neben seinem Wohnhaus untergebracht ist, auflösen muss. Gerne erinnert er sich an andere Zeiten: „In 40 Jahren kamen rund 100  000 Besucher. Sie wurden persönlich durch die Ausstellung geführt und das ohne feste Öffnungszeiten“, sagt der 74-Jährige. Sein Konzept klingt einfach: „Die Besucher bekamen hier Geschichte zum Anfassen, das war ausdrücklich erlaubt“, sagt Börnsen.

Mit der Eröffnung des Museumsdorfs in Unewatt sei seine kleinere Sammlung in den Windschatten des wenige Kilometer entfernten Dorfs geraten. Er legte das Museum still. Seine Leidenschaft blieb. Daher setzt er sich bis heute für den Erhalt anderer kleiner volkskundlicher Sammlungen ein. Im Kreis Schleswig-Flensburg gebe es davon rund 33. „Das ist die höchste Dichte in ganz Deutschland“, sagt Börnsen. Viele Exponate aus früheren Zeiten haben im Kreis die Jahre unbeschadet überstanden. Zudem sei das Interesse an der Aufarbeitung der eigenen Dorfgeschichte in der Region überdurchschnittlich groß. „Viele Bewohner wollen, dass die Dörfer ihr ursprüngliches Gesicht behalten oder dieses zumindest erinnert wird“, sagt Börnsen.

Doch die Museen können sich nur mit Schwierigkeiten über Wasser halten. Das bestätigt auch Hans-Dieter Oehlert vom Haddebyer Museumshof: „Ohne das große Engagement der ehrenamtlichen Helfer und der Trägerschaft durch die Gemeinden des Amtes Haddeby könnten wir nicht überleben“, sagt er. Dies sei ein Modell, das auch für andere Sammlungen in Frage kommen könnte, findet er. Allein der Unterhalt betrage meist 2000 bis 3000 Euro im Jahr. „Für einige der ehrenamtlich geführten Museen ist es fünf vor zwölf“, sagt Börnsen.

Neben der Deckung der laufenden Kosten fehle es vor allem an Nachwuchs, der bereit ist Arbeit in die Pflege so einer Sammlung zu stecken. „Dafür muss man viel Zeit investieren und handwerkliche Fähigkeiten besitzen“, berichtet Oehlert.

Er und seine Mitstreiter können die Ausstellung der Stücke aus Börnsens Fundus kaum erwarten: Peu à peu werden sie in Haddeby aufgearbeitet und ausgestellt. „Wir freuen uns sehr über die schönen Dinge und danken für die Spende“, sagt Oehlert.

In den nächsten Tagen erwartet Wolfgang Börnsen wieder Besuch. Weitere Museen haben sich angesagt, um einen Blick auf seine Sammlung zu werfen.

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erstellt am 10.Mai.2016 | 12:01 Uhr

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