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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Kropp : Ein Wetterfrosch mit 20 Mitarbeitern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Meteorologe Meeno Schrader war zu Gast bei den Kropper Herbstgesprächen.

Angesichts der Rekordbeteiligung von 200 Gästen bei den 16. Kropper Herbstgesprächen „stoßen wir langsam an unsere Grenzen“, meinte Werner Seeling, zweiter Vorsitzender vom veranstaltenden Handel-, Handwerk- und Gewerbeverein (HHG). Statt PS-starker VW-Modelle standen im Ausstellungsraum vom Autohaus Thomsen runde Tische dicht an dicht. Und während draußen Tief „Mirja“ Regen brachte, legte der HHG-Vorsitzende Carsten Saß, zugleich Geschäftsführer vom Mitveranstalter Regionalmarketing Kropp-Stapelholm, drinnen 299 Euro auf den Tisch, um für „Wohlfühlstimmung“ zu sorgen – so teuer sind Namenspatenschaften für Hochdruckgebiete. Damit stimmte er ebenso wie Dutzende Regenschirme unter der Decke auf den diesjährigen Gast ein: „Wetterfrosch“ Meeno Schrader.

Ob er diese Bezeichnung eigentlich als Beleidigung auffassen würde, lautete die erste Frage von Moderator Carsten Kock. Unverschämt fände er sie zwar nicht, so die Antwort, „aber sie wird meiner Firma mit 20 Mitarbeitern nicht richtig gerecht“. Der Frosch sei zwar anfällig für schwankenden Luftdruck und Feuchtigkeit, ob er im Weckglas jedoch das Wetter vorhersagen könne, „kann ich nicht sagen, weil ich mit diesem Instrument nicht arbeite“. Mit dieser Antwort hatte Meeno Schrader die Lacher auf seiner Seite.

Der kurzweilige Abend zeigte, dass das Thema Wetter nicht nur spannend ist, sondern auch unterhaltsam vermittelt werden kann. Das sollte bei dem 55-Jährigen, der in Kiel Meteorologie studiert hat, nicht überraschen, schließlich ist der eingebürgerte Schleswig-Holsteiner gebürtiger Ostfriese. Es ging aber auch ernst zu. Schrader bezeichnete 90 Prozent der Bauernregeln als ungültig für „hier oben“, da die meisten aus Süddeutschland aus Zeiten vor dem Klimawandel stammen würden.

Auf Kocks Frage, wie schwer Wetterprognosen für Schleswig-Holstein seien, sagte der Experte, dass es hier mindestens elf Wetterzonen gebe. „Husum und Schleswig sind meteorologisch betrachtet zwei Welten.“ Dass das im Wetterbericht oft anders rüberkäme, liege an der kurzen Zeit, die dort bleibe. Jeder Tag sei eine Herausforderung, Spaß sein Antriebsmittel. „Dann ist auch die Qualität der Arbeit gut.“ Diese Ansicht bedachten die Kropper mit Applaus.

Hart fiel seine Kritik in Richtung unseriöser Wetterdienste und Apps aus. Man könne 14 Tage in die Zukunft gucken. „Aber das ist nur ein Trend. Darauf kann man keine Hochzeit planen“, vertröste er Heiratswillige, die lange vor ihrem großen Tag bei ihm anriefen. „Eine Woche vorher wird es genauer.“ Auf Nachfrage äußerte er sich zu Wettermann Jörg Kachelmann, in dessen Firma er ein Jahr lang gearbeitet hat. Dieser habe seine Verdienste, was die Wetterpräsentation in Deutschland angehe, betonte Schrader. „Ich habe viel gelernt – wie man Dinge nicht tun sollte“, ergänze er aber, ohne ins Detail zu gehen.

Wenn Meeno Schrader nicht von Deich oder Bungsberg über das Wetter berichtet, ist er in Peking, London oder Rio de Janeiro. Seit 1988 berät der Meteorologe Segelteams bei den Olympischen Spielen. Das bedeutete in Brasilien zwar Shorts und T-Shirt, dennoch war es harte Arbeit. „Wir fingen drei Jahre vorher an, das Revier zu erkunden“, erklärte er. Das Segelrevier vor Rio verstehe er inzwischen, ein anderes Gewässer sei ihm in seinem Einfluss auf das Wetter nach wie vor ein Rätsel: der Nord-Ostsee-Kanal. Daher gab es keine Antwort für Bürgervorsteher Klaus Lorenzen, der als einer der Fragesteller aus dem Publikum wissen wollte, warum Gewitter auf dem Weg nach Norden am Kanal „hängen bleiben“.

Nach einer kurzen Pause ergriff Jens Wagner das Mikrofon. „Trotz Vogelgrippe“ war der Komiker aus Kiebitzreihe angereist, um mit derbem plattdeutschen Humor für Lacher zu sorgen – bei manchem hinter vorgehaltener Hand. Kein Wunder, erinnerten ihn Begegnungen mit dem im knappen Slip bekleideten Schwiegersohn in spe daran, die Eier aus dem Hühnerstall zu holen. Und in der Rolle als „Alma Hoppe“ besorgte er sich zitronenfarbene Reizwäsche für die ältere Dame – doch auf der kleinen Bühne präsentierte er sich lieber mit Mantel und Perücke.

Am Ende dankten Werner Seeling und Adolf Deeke, Geschäftsführer vom Regionalmarketing Kropp-Stapelholm, den Sponsoren. „Mit diesem Format sind wir gut davor“, meinte Seeling. Das war als Anspielung auf die Schwierigkeiten der Kropper Informations-Sschau (KIS) zu verstehen, auf die Carsten Saß zu Beginn bereits eingegangen war. Wegen mangelnder Resonanz könne sie zu einem „Tief“ werden, blieb er beim Wetterjargon. „Die Tsunamiwarnung ist ausgesprochen.“ Doch die HHG werde Ruhe bewahren und über ein neues Profil für die KIS nachdenken, schloss er.

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