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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 19:45 Uhr

Premiere bei der Schleswiger Speeldeel : Ein Sarg und zwei ungleiche Mitbewohner

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Komödie „Ünnermeder söcht“ ist noch bis Ende November zu sehen.

Als sich der Vorhang im voll besetzten Slesvighus öffnete, sah das Publikum auf der Bühne nur einen schwarzen Sarg. Es regte sich nichts. Es verstrichen Minuten, bis die Darsteller auf der Bühne erscheinen. Auf diese ungewöhnliche Weise hat die Schleswiger Speeldeel am Sonnabend mit der Komödie „Ünnermeder söcht“ ihre neue Saison eröffnet. Im hochdeutschen Original von Markus Köbell trägt das Stück den Titel „Zimmer frei“. Speeldeel-Mitglied Felix Borchert, der in dem Stück auch Regie führt, hat es ins Plattdeutsche übersetzt.

Der Inhalt: Der alleinstehende Rentner Hans Müller, pensionierter Steuerbeamter, will ins Altersheim. Bis dort ein Platz frei wird, sucht er übergangsweise eine Unterkunft und findet sie bei der ausgeflippten Jolanda Sollberger, dargestellt von Johanna Jensen. Das Stück kommt mit wenig Handlung aus. Umso wichtiger sind hier Mimik, Gestik und Sprachkultur der Darsteller. Claus Schimmer, der den pensionierte Steuerbeamten verkörpert, löst diese Aufgabe hervorragend. Er spricht klar und deutlich, macht logische Pausen, hebt und senkt die Stimme je nach Bedeutung und ist immer voll präsent. Schimmer bekam viele Szenenbeifall.

Dass Johanna Jensen aber ihre an sich hohe Stimme oft so stark senkt, dass nicht jeder im Publikum alles versteht, lässt sich sicherlich noch korrigieren. Sie stellt eine ausgeflippte, hypochondrische Person dar, die ohne Geld lebt, also auf die Miete des Rentners angewiesen ist, die Visionen hat – und sich zum Meditieren in den Sarg legt. Auch Gott spielt bei ihr eine Rolle, er wird durch eine Glocke dargestellt. Und als diese einmal von selbst läutete, war Gottes Gegenwart klar

Als Vertreterin des Altersheimes tritt Frau Gertrud Butendöscher auf, dargestellt von Birgit Panten. Sie macht ihre Sache sehr gut und fügt sich nahtlos in das Geschehen ein. Der kurze Auftritt von Jolandas Kollegen Andy (Finn Halvar Möller) wirkte dagegen etwas gekünstelt und fremd.

Die Bühneneinrichtung stammt von Hauke Hoffman-Timm. Die Technik liegt bei Bernd Iwers in guten Händen. Eine sichere Souffleuse ist Waltraut Heutmann, und den „Lüttkram“ besorgt Anne Meyer. Sie alle bekamen reichen Beifall und einen Blumengruß. Vor der Vorstellung stellte der Speeldeel-Vorsitzende Lutz Schnoor Kay Boysen als seinen neuen Stellvertreter vor. Er ist der Nachfolger des verstorbenen Volker Schwarz. Elke Meifort wurde für 50 Jahre aktive Mitarbeit im plattdeutschen Theater ausgezeichnet. Sie erhielt eine Ehren-Urkunde, eine Verdienstnadel, einen großen Blumenstrauß und viel Beifall.


> 23 weitere Vorstellungen bis Ende November im „Uns Lütt Theoter“ in der Friedrichstraße. Termine auf www.schleswiger-speeldeel.de

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