zur Navigation springen

Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 19:30 Uhr

Süderbrarup : Ein Mann – viele Baustellen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rolf Heppelmann saniert seit fünf Jahren sein 200 Jahres altes Fachwerkhaus.

Wenn man vom Süderbraruper Kreisel über den Holm in Richtung Nottfeld fährt, entdeckt man kurz hinter der Eisenbahnlinie auf der rechten Seite eine außergewöhnliche Hausfassade. Es handelt sich um ein Fachwerkhaus, dessen Ausfachung – die Füllung zwischen den Balken – aus einem ungewöhnlichen Muster von gelben Ziegeln besteht. Die Steine stehen senk- und waagerecht aufeinander. Und betrachtet man mehrere Fächer im Verbund, ergeben sich über die Hauptlinien des Musters diagonale, fischgrätartige Andreaskreuze.

Schöpfer dieses handwerklich und optisch ansprechenden Werks ist Rolf Heppelmann. „Mein Ziel ist es, dieses etwa 200 Jahre alte Haus denkmalgerecht wiederherzustellen und bewohnbar zu machen“, verrät der 60-Jährige seine Absicht. Vor sechs Jahren hat er das Grundstück mit zwei Gebäuden gekauft und zuerst das kleine so hergerichtet, dass er es als Werkstatt und Wohnung für das Wochenende nutzen kann. Seitdem hat er jedes Wochenende der vergangenen fünf Jahre am Fachwerkhaus gearbeitet. Zuerst unterfütterte er das Haus mit einem Fundament aus Beton, auf das er große Granitsteine als Basis für das Ständerwerk aufsetzte. Die Eichenbalken im Erdgeschoss waren fast bis zur Unkenntlichkeit verrottet. Deshalb konstruierte er erst das gesamte Ständerwerk liegend auf dem Boden, kennzeichnete die Verbindungen und lagerte es ein, bis die einzelnen Balken benötigt wurden. Dann fachte er die Zwischenräume mit Ziegeln aus einem Abbruchhaus aus. Das Originalmaterial bestand nur noch aus Bruchstücken, die nicht mehr verarbeitet werden konnten. Außerdem deckte er ein Viertel des Daches bereits mit Reet.

Das ganze Haus besteht aus vielen Baustellen, die zeitweise brachliegen und als Lücken zu erkennen sind. Denn teilweise müssen noch andere Arbeiten vorher erledigt werden – doch entweder ist das Baumaterial dafür noch nicht vorhanden, oder das Wetter macht ihm einen Strich durch die Planung. Außerdem kann ein Mann nur an einer Stelle zur Zeit arbeiten. Denn Heppelmann macht alles selbst. Und dieses „Alles“ ist wörtlich zu nehmen. So hat er zum Beispiel die Balken aus Eichenstämmen mit Kettensäge und Hobel herausgearbeitet. Die Holznägel, die die Balken miteinander verbinden, wurden ebenfalls von ihm gefertigt. Und selbst das Reet für das Dach wird im Winter selbst geschnitten und im Frühjahr sortiert und gebündelt. Und wenn es im Winter zu kalt draußen ist, konstruiert er Rahmen für seine acht- oder sechsfach geteilten Fenster. „Ich bin halt handwerklich begabt und ,Kann ich nicht’ gibt es bei mir nicht“, erklärt der gelernte Elektroinstallateur, der heute in der Werbebranche arbeitet.

Er rechnet damit, noch etwa fünf Jahre am Haus arbeiten zu müssen, bevor er dort einziehen kann. Dazu gehört auch noch der gesamte Innenausbau. Die Original-Herdstelle ist bereits fertig. Doch sie wird nie genutzt werden können, da sie nicht den Feuerschutzbestimmungen entspricht. Weitere Projekte sind die Ziegelböden, der Milchkeller und die Diele, in die das Originaltor wieder eingesetzt werden soll.

Heppelmann hat die nächsten Jahre noch genug zu tun. Aber er hat auch noch ein anspruchsvolles Hobby. Denn im Winter, wenn es so kalt ist, dass man weder draußen noch in der Werkstatt arbeiten kann, bastelt er originalgetreue Modelleisenbahnen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen