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Schleswiger Nachrichten

28. September 2016 | 17:22 Uhr

Barkasse „Atlas“ : Ein letztes Mal klar Schiff machen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kapitän Wolf Mehl will seine „Atlas“ nach dieser Saison in jüngere Hände abgeben.

Dass dieser Mann ans Aufhören denkt, ist kaum zu glauben. Denn sobald Wolf Mehl über seine Barkasse, die „Atlas“, die Schifffahrt auf der Schlei, die Schleswiger Stadtgeschichte oder die Fachsimpelei mit seinen Fahrgästen spricht, fangen seine blauen Augen an zu leuchten. „Das alles war immer mein Ding“, sagt er dann auch voller Überzeugung – und dennoch soll bald Schluss sein. Nach fast 35 Jahren will der 76-Jährige seine Karriere als schwimmender Stadtführer an den Nagel hängen. „Es wird Zeit, dass ich in den Sommermonaten auch mal etwas anderes sehe als Schleswig und die Schlei. Das hat auch meine Frau verdient.“

1982 fing alles an. Damals kaufte sich der passionierte Seefahrer ein ausrangiertes sogenanntes V-Boot der Bundeswehr und bot vom Schleswiger Stadthafen aus erstmals Touren auf der Inneren Schlei an. „Das Schiff war aber zu klein, weil da keine ganze Busbesatzung reinpasste“, sagt Mehl. Also hielt er jahrelang Ausschau nach einem größeren Nachfolger und wurde schließlich 1999 in Lübeck fündig. Dort stand eine alte Barkasse zum Verkauf, Baujahr 1921. Mehl war gleich begeistert und schlug zu. Seitdem hat er, wie er mit einem Augenzwinkern betont, zwei Frauen: seine Edelgardt und die „Atlas“.

Edelgardt hatte Wolf Mehl allerdings deutlich früher kennen gelernt als das Schiff. Beim Tanzen im Theatercafé funkte es zwischen den beiden. Seitdem gehen sie gemeinsam durchs Leben. „Sie hat mir all die Jahre den Rücken frei gehalten, ist mit mir mitgefahren und hat sich um die Buchhaltung oder Bestellungen gekümmert“, erzählt er. Ohne eine solche Unterstützung könne man die Arbeit mit und auf der „Atlas“ nicht bewältigen. Denn es bleibt ja nicht bei den einstündigen Fahrten. „So ein altes Schiff muss ständig betreut werden. Da ist immer was zu tun.“

Das wird ganz besonders wieder in diesen Tagen deutlich. Kurz vor dem Saisonstart heißt es Schrubben, Schrauben, Malen und Basteln. Außerdem geht Mehl, den man ohne zu übertreiben als wandelndes Schleswig-Lexikon bezeichnen kann, immer auch zu Seminaren und Fortbildungen. Und zwar immer dann, wenn es um die Geschichte Schleswigs und der Umgebung geht. Bei Vorträgen auf Schloss Gottorf oder in Haithabu ist er deshalb regelmäßig aufmerksamer Zuhörer. „Den Leuten diese Stadt und seine Historie näher zu bringen, empfinde ich als eine tolle Aufgabe. Und es ehrt mich besonders, dass auch viele Schleswiger bei mir mitfahren und hinterher sagen, dass sie ganz neue Dinge über ihre Stadt erfahren haben“, sagt Mehl, der schon als junger Mann als Deckmann bei der Schleischifffahrt Anton Bischoff aushalf und später als Jungmann auf Containerschiffen den Suezkanal oder das Mittelmeer durchquerte.

„Natürlich ist es ein schwerer Entschluss, die ,Atlas’ jetzt abzugeben. Ich habe sie und die Schifffahrt im Herzen. Aber es bleibt dabei“, sagt Mehl mit etwas Wehmut in der Stimme. Er wolle das Schiff und seinen Betrieb aber ausschließlich in gute Hände abgeben. Also an jemanden, der seine Stadttouren weiter anbietet und den Leuten Schleswigs interessante Geschichte näher bringt. „Deshalb würde ich meinen Nachfolger auch gerne noch anleiten, also eine Saison mitfahren.“ Auch könne er sich vorstellen, immer mal wieder als Ersatz einzuspringen. „Mein Kapitänspatent werde ich jedenfalls weiter behalten“, sagt er.

Diese Saison geht Mehl nun erst einmal an wie alle 33 vorherigen. Wenn die „Atlas“ rausgeputzt ist, geht es Mitte April mit den Hafenrundfahrten los. Ab ab 19. Mai bietet er zusätzlich immer dienstags von 18 bis 22 Uhr Abendfahrten nach Missunde an.

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erstellt am 27.Mär.2016 | 07:32 Uhr

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