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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 05:47 Uhr

90 Jahre Doris Rüstig-Ladewig : Ein Leben für die Kunst

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zu ihrem 90. Geburtstag zeigt Doris Rüstig-Ladewig ab morgen in den Räumen ihrer Stiftung Arbeiten aus den vergangenen vier Jahren.

Wir treffen Doris Rüstig-Ladewig mitten bei der Arbeit. Im Haus der von ihr gegründeten und nach ihr benannten Stiftung ist sie gerade damit beschäftigt, ihre neuesten Bilder aufzuhängen. Morgen Abend soll die Ausstellung zu ihrem 90. Geburtstag eröffnet werden. Auf Stühlen aufgereiht stehen Gemälde von Fußballstars in Aktion. Lionel Messi mit der Rückennummer 10 im charakteristischen rot-blauen Trikot des FC Barcelona fällt sofort ins Auge. Nicht gerade die Art von Kunst, die man von einer älteren Dame erwartet. Doris Rüstig-Ladewig lacht. „Eine ältere Dame? Na, da falle ich wohl etwas aus dem Rahmen.“ Bald erzählt sie, wie wichtig es ihr ist, dass die neue Ausstellung keine Retrospektive ist, sondern dass sie einen Querschnitt ihrer Arbeiten aus den vergangenen vier Jahren zeigt. An Ruhestand denkt die gebürtige Berlinerin noch lange nicht. Drei bis vier Stunden am Tag arbeitet sie zu Hause in Norderbrarup an neuen Bildern.

Ein bisschen kürzer getreten ist sie inzwischen aber doch. Das Tagesgeschäft in ihrer Stiftung hat sie vor fünf Jahren an Mechthild Wichmann-Kramp und Helmut R. Klein aus Stexwig übergeben. Klein ist es auch, der ihr beim Aufbau der Ausstellung zur Hand geht.

2003 hatte sie die Kunststiftung in den Räumen einer ehemaligen Spielhalle am Gallberg 30 gegründet. Das nötige Geld hatte sie, nachdem sie ihr Elternhaus verkauft hatte – ein Anwesen am See am Rande von Berlin. Ihre Eltern hatten dort – im Ostteil der Stadt – bis kurz nach dem Mauerbau gelebt, während die Tochter in West-Berlin nach einem Studium bei Karl Schmidt-Rottluff an der Hochschule der Künste als Modegrafikerin arbeitete. Nach dem Mauerbau gelang es den Eltern, im Rahmen der Familienzusammenführung in den Westen überzusiedeln. Ihr Haus mussten sie aufgeben. Nach der Wende dauerte es sechs Jahre, bis Doris Rüstig-Ladewig es zurückbekam. Zwischenzeitig hatten ehemalige Stasi-Mitarbeiter es als Sommerdomizil genutzt. „Ich musste 75000 Mark bezahlen, um diese Mieter loszuwerden“, erinnert sich die Künstlerin. Sie selbst hatte ihren Lebensmittelpunkt nach dem Tod ihres Mannes nach Angeln verlegt. Sie engagierte einen Makler aus Süderbrarup, um das Haus in Berlin zu veräußern. Er fand einen prominenten Käufer: Heute wohnt der ZDF-„Landarzt“-Darsteller Walter Plathe in Doris Rüstig-Ladewigs Berliner Elternhaus.

Mit dem Geld, das der Schauspieler ihr zahlte, gründete sie ihre Kunststiftung. In Workshops, Wochenendseminaren und Vorträgen vermitteln hier Künstler und Fachleute interessierten und talentierten Menschen künstlerische Fertigkeiten und Kulturwissen. „Hier ist jeder willkommen, der Kunst lernen möchte“, sagt die Gründerin. Gefragt, ob die Stiftung sich so entwickelt hat, wie es ihr am Anfang vorschwebte, zögert sie kurz. Ja, sagt sie – aber schränkt es ein. Sie würde sich wünschen, dass noch mehr Menschen die Angebote der Stiftung nutzen. „Aber es gibt in Schleswig und Umgebung eben sehr viele Freizeit-Angebote, da ist es nicht immer leicht, sich durchzusetzen.“

Zu ihrem 90. Geburtstag aber ist der Stifterin Aufmerksamkeit und Anerkennung gewiss. Zur Ausstellungseröffnung morgen um 18.30 Uhr wird Bürgermeister Arthur Christiansen ein Grußwort sprechen. Die Laudatio hält die Kieler Kunsthistorikerin Imke Lüders. Die Ausstellung ist bis zum 18. September zu den Öffnungszeiten der Galerie sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Die Fußball-Bilder sind dabei nur ein kleiner Teil von Rüstig-Ladewigs jüngstem Schaffen. Sie probiert immer wieder Neues aus. Zuletzt Collagen oder Décalcomanien – Farbabklatsche von einer Glasplatte.

Und die Fußballspieler – mit denen hat sie eigentlich nicht viel am Hut. Der Name Lionel Messi sagt ihr noch immer nicht viel. „Aber mich faszinieren die Bewegungsabläufe beim Fußball, die so natürlich wirken. Mir scheint, die Spieler denken überhaupt nicht darüber nach, was sie tun. Sie laufen und springen einfach.“ Und vielleicht, schmunzelt sie, locken die Bilder ja den einen oder anderen neuen Gast an den Gallberg. „Wenn jemand das Bild von einem Spieler im Trikot seiner Lieblingsmannschaft kaufen möchte, habe ich nichts dagegen.“

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erstellt am 25.Aug.2016 | 07:20 Uhr

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