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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:07 Uhr

Deutschlands Bester Bestatter : Ein Job, vor dem sich andere gruseln

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Thilo Bernoteit aus Schleswig hat seine Bestatter-Ausbildung abgeschlossen - als bester in ganz Deutschland.

Schleswig | Der Tod gehört zum Leben unweigerlich dazu. Fast alle Menschen machen sich im Laufe der Zeit irgendwann Gedanken über ihr eigenes Lebensende. Die einen haben Angst vor dem Tod, andere lassen die Dinge auf sich zu kommen. Feuerwehrkräfte, Polizisten oder Rettungssanitäter haben in ihrem Beruf fast täglich mit dem Thema Tod zu tun. Thilo Bernoteit auch.

Der 26-Jährige ist Bestattungsfachkraft. Nach dem Ende seiner zweieinhalbjährigen Ausbildung in Lüneburg Ende Februar arbeitet er mittlerweile im Betrieb seines Stiefvaters in Schleswig – im Bestattungshaus Beck. Bernoteit machte während seines Studiums in Kiel ein Praktikum in einem Bestattungsinstitut und fasste dort den Entschluss, den Beruf zu lernen. Das machte er so gut, dass er am Wochenende sogar Bundessieger geworden ist. Als einer von sechs Landessiegern setzte er sich in einer Zusatzprüfung gegen seine Konkurrenten durch.

<p>„Im Praktikum hieß es, wer drei Tage lang keine Albträume habe, der sei gefestigt genug“, sagt Thilo Bernoteit  über seinen Beruf.</p>

„Im Praktikum hieß es, wer drei Tage lang keine Albträume habe, der sei gefestigt genug“, sagt Thilo Bernoteit  über seinen Beruf.

Foto: Gerrit Hencke
 

„Die Aufgabe war es, einen Tag der offenen Tür in einem Bestattungsinstitut zu planen und dabei auf das Thema Trauerbewältigung bei Kindern und Jugendlichen einzugehen“, sagt der 26-Jährige. Seit 2003 ist der Ausbildungsberuf staatlich anerkannt. Das Ziel: Standards und Qualität der Bestattung aufrechtzuerhalten und Billigbestattungen vorzubeugen.

„Ich möchte für Angehörige da sein, die gerade jemanden verloren haben“

Das Berufsbild, vor dem sich viele gruseln, ist für den gebürtigen Kappelner etwas völlig normales. Ein Bestatter zu sein, bedeute weit mehr als das Klischee vom schwarz gekleideten Mann, der nie lache. „Ich möchte für Angehörige da sein, die gerade jemanden verloren haben. Ich kann sie entlasten, kann helfen und alles organisieren, sodass sie mehr Zeit haben, das Geschehene zu verarbeiten.“ Es sei eine abwechslungsreiche Arbeit. Man sei viel unterwegs und habe mit Menschen zu tun. Der soziale Gedanke sei es, der ihn den Beruf gerne machen lasse.

Viele reagierten jedoch ängstlich oder abwartend. „In der Schule waren die Reaktionen immer anders als bei ,normalen’ Berufen wenn ich gesagt habe: ,Meine Eltern sind Bestatter’. Für die meisten war es aber okay.“ Als er Freunden erzählte er wolle Bestatter werden, fanden die meisten es aber gut und passend. Auch seine Freundin habe kein Problem mit seiner Berufswahl gehabt. „Ich konnte schon immer gut mit Menschen und bin irgendwo ein Allrounder“, sagt der ehemalige Domschüler, der natürlich anfänglich auch Berührungsängste hatte.

„Im Praktikum hieß es, wer drei Tage lang keine Albträume habe, der sei gefestigt genug.“ Was bleibe, das sei sein großer Respekt vor dem Tod. Es könne halt sehr schnell gehen. „Für uns Bestatter ist es ein Geschenk, das mitzubekommen. Wir werden täglich daran erinnert, jeden Tag den man hat zu genießen und sich über die kleinen Dinge zu freuen.“

Die Geschichten nicht mit nach Hause nehmen

Der Job sei natürlich auch ein kaufmännischer, doch gerade bei bewegenden Geschichten sei man immer noch Mensch, sagt Bernoteit, der bei Trauerfeiern auch schon mal mitgeweint hat. „Wenn es passiert, dann passiert es.“ Besonders tragisch sei es, wenn Kinder sterben. „Das ist das Schlimmste.“ Wichtig sei, die Geschichten nicht mit nach Hause zu nehmen. In anderen Fällen bekomme er mit, dass Menschen noch auf Ziele hinarbeiten. „Da wird noch der 85. Geburtstag oder die Goldene Hochzeit gefeiert und danach geht es dann schnell.“

Bestatter sind heute mehr als nur Sargverkäufer. Sie sind Dienstleister. Der Zwiespalt zwischen dem Verlust, den Angehörige verspüren und dem Organisatorischen, das trotz der Trauer unweigerlich wartet, muss der Bestatter überwinden. „Es gibt Gespräche mit den Angehörigen, bei denen es um die Trauerbewältigung geht und gleichzeitig viele formelle Dinge geklärt werden müssen. Wir sind da und behalten den klaren Kopf, wenn es die Angehörigen in dem Moment verständlicherweise nicht können.“

Von der Überführung der Verstorbenen über die Versorgung bis zum Einbetten in den Sarg und die Frage nach Erd- oder Feuerbestattung: Thilo Bernoteit hat in seiner Ausbildung gelernt, wie man würdevoll mit Verstorbenen umgeht. Auch über sein eigenes Ende hat der 26-Jährige schon nachgedacht. „Ich weiß, was ich will und was nicht. Das sind Überlegungen, die sich jeder früher oder später machen sollte.“

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erstellt am 18.Okt.2016 | 12:47 Uhr

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