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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 07:02 Uhr

Scheggerott : Ein Häuptlingsschwert kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Fundstück entstammt einem 3600 Jahre alten Hügelgrab in Brarupholz und lagerte seit 1882 vergessen im Hamburger Völkerkundemuseum.

Es ist nur 70 Zentimeter lang, gefertigt in der „Nordischen Bronzezeit“ und ursprünglich ausgestattet mit einem von Goldblechen verzierten Griff: das prächtige „Schwert von Brarupholz“. Es stammt als wichtigste Beigabe aus dem Hügelgrab eines Häuptlings, der in einem Waldstück im heutigen Ortsteil Brarupholz der Gemeinde Scheggerott bestattet wurde, und zwar vor rund 3600 Jahren. Die Archäologen sprechen bei dieser Art der bronzezeitlichen Stichwaffe von einem „Griffangelschwert“, das über einen durch den Griff gehenden „Erl“ (Klinge) verfügt, der am Griffende vernietet ist.

Jetzt kehrte dieses wertvolle Exponat aus dem Archäologischen Museum Hamburg an seinen Fundort zurück – zumindest für eine informative Abendveranstaltung. Bürgermeister Hartwig Callsen kam aus dem Staunen kaum heraus: Der Saal im Gasthof Pfefferkorn war überfüllt wie selten zuvor. Die letzten Besucher fanden nur noch einen Stehplatz im Flur.

Professor Rainer-Maria Weiss, Hamburger Landesarchäologe und Museumsdirektor, analysierte zwar auch private Fundstücke, die Besucher zur Begutachtung auf der Bühne ausgelegt hatten – vor allem Zeugnisse aus der Steinzeit, die im Laufe der Jahrzehnte in der Region gesammelt worden waren.

Im Mittelpunkt des Interesses stand jedoch die kostbare Stichwaffe. Denn von der Existenz des „Schwertes von Brarupholz“ wusste hierzulande so gut wie niemand mehr. Um so überraschter war Bürgermeister Callsen, als er vor zehn Jahren die ersten Hinweise erhielt und sich selbst auf Spurensuche begab. Zeitgleich begannen auch Hamburger Wissenschaftler mit ihren Recherchen. Und siehe da: In einem Museumsarchiv entdeckten sie eine Kladde mit einem Dokument unter dem Aktenzeichen „1882 – 46a“. Das war der Schlüssel, mit dem man sozusagen eine geheimnisvolle Tür öffnen konnte.

Professor Weiss projizierte Kopien von Schriftzügen aus dem Heft an die Wand, darunter wissenschaftliche Vermerke und die Aussage eines damaligen Zeitzeugen in schwer entzifferbarer Sütterlinschrift. „Die Geschichte rund um das Bronzeschwert von Brarupholz ist spannend und zugleich verworren“, sagte er. Fakt ist, dass ein Hufner namens Drews im Jahre 1879 das Bronzeschwert aus einem Brarupholzer Hügelgrab (in der Nähe eines legendären „Königsmoores“ gelegen) ausgrub – vielleicht auch zu Tage pflügte – und es drei Jahre später an das Hamburger Museum für Völkerkunde verkaufte. Sein Erlös: 75 Mark, also ein Schnäppchen für die Wissenschaft.

Der Schwertgriff aus organischer Substanz ist im Grab vergangen. Durch eine um 1978 erfolgte Rekonstruktion des Griffes aus Polyestergießharz entstand eine Umgestaltung zu einem typologischen Vollgriffschwert. Das allerdings wird inzwischen nicht mehr als der Weisheit letzter Schluss bewertet.

Bis heute wird die im Ursprung her prägnante Stichwaffe von den Archäologen wegen der hohen kunsthandwerklichen Präzision geschätzt, ganz abgesehen davon, dass der Fundort dieses Unikats in der skandinavisch geprägten „Nordischen Bronzezeit“ als Eckpunkt eine wichtige Position einnimmt. Die um 1600 v. Chr. hier Ansässigen mussten laut Weiss die benötigte Bronze unter anderem aus dem heutigen Ungarn einführen – und das Gold aus Irland.

Zur Sprache kam auch, dass es noch im 19. Jahrhundert Gang und Gäbe für Hobbyforscher war, auf eigene Faust in Hügelgräbern zu buddeln. Auf diese Weise verschwanden viele bedeutsame Schätze im Dunkeln. Die Frage aus dem Publikum an den Museumschef, ob eventuell auch in der Gegenwart in der Hügelgruppe von Brarupholz noch etwas urgeschichtlich Wertvolles verborgen sein könnte, beantwortete dieser mit einem vorsichtigen „Ja“. Das heißt aber keineswegs, dass sich die Scheggerotter Einwohner unverzüglich im nächsten Baumarkt mit neuen Spaten und Schaufeln eindecken wollen.

 

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