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Schleswiger Nachrichten

26. Mai 2016 | 16:30 Uhr

Mutmaßlicher Meteoriten-Fund : Ein galaktisch guter Fang in der Schlei

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Beim Angeln in der Schlei fand der Schleswiger Marco Jessen einen auffällig schimmernden Stein – möglicherweise ein seltener und wertvoller Meteorit.

Man weiß nicht, ob es einfach nur Faszination ist, übermäßiger Schlafmangel oder doch eher ein Dollar-Zeichen, was da in den Augen von Marco Jessen aufblitzt. Fest steht aber, „dass mich dieses komische Ding total fertig macht“, wie der 27-Jährige sagt. Denn wenn er Glück hat – und die Anzeichen dafür stehen gut –, ist dem Schleswiger jetzt beim Angeln in der Schlei ein ganz dicker Fisch ins Netz gegangen. Und damit sind gewiss nicht die drei Aale gemeint, die er in dieser Nacht fangen konnte. Vielmehr ist Jessen, während er so seine Angelrute in der Hand hielt, plötzlich ein Stein aufgefallen, der sich nun – nach viel Grübelei, langer Recherche und Meinung eines Archäologen – durchaus als echter Meteorit (siehe Infokasten) entpuppen könnte. Und damit als galaktischen Jackpot. Denn weltweit zahlen Sammler für diese seltenen Fundstücke mehrere Hunderttausend Euro, wenn nicht gar mehr.

Wo genau der junge Mann das „komisches Ding“ gefunden hat, möchte er auch deshalb nicht sagen. „Könnte ja sein, dass da noch mehr von rumliegen.“ Aber so viel verrät er dann doch: In Schleswig sei es gewesen. Am Ufer der Schlei. Dort habe dieser eigenartige Stein gelegen, der sich von den drumherum liegenden schon allein optisch stark unterschieden habe. Rostfarben, mit Schleifspuren. „Erst dachte ich, das wäre ein altes Stück Metall“, erzählt Jessen. Ein Eindruck, der sich bestätigt habe, als er das Stück schließlich aufhob. Denn es war deutlich schwerer als ein Stein derselben Größe. „Ich habe es dann erst einmal versteckt, die ganze Nacht weitergeangelt und bin dann nach Hause gefahren, um zu pennen.“

Aber gut schlafen konnte er nicht. Im Gegenteil: „Irgendwie ging mir die Sache nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß nicht. Das Teil hat, auch wenn es sich komisch anhört, eine Art Anziehungskraft, die einen nicht mehr loslässt.“ Das geht Jessen spätestens so, seit in seinem Kopf nach und nach die Idee gereift ist, dass es sich bei dem Fundstück um einen Meteoriten handeln könnte. Schon öfter hatte er Dokumentationen im Fernsehen darüber gesehen. „Ich war mir aber nicht sicher, deswegen habe ich meinen Kumpel Christian angerufen. Der ist schließlich Metallbauer.“

Nachdem die beiden sich kurz darauf getroffen hatten, ging es per Fahrrad an die Schlei und mit dem etwa 15 Zentimeter langen und über ein Kilogramm schweren Gepäckstück zurück in Jessens Wohnung. Dort folgte dann eine zweite Nacht ohne Schlaf. „Denn wir haben stundenlang gegoogelt, Bilder im Internet angeschaut und Foren durchforstet“, erzählt Jessen. Am Ende waren sie sich sicher: Es muss ein Meteorit sein. „Alles andere wäre eine Überraschung“, sagt auch Christian Otto (23).

Am nächsten Morgen sind die beiden jungen Männer auf die Schlossinsel gefahren, um sich Rat von einem Experten zu holen. „Als wir an der Kasse unser Anliegen vorgetragen haben, hat die Frau erst gegrinst. Die dachte wir spinnen. Dann kam aber ein Mitarbeiter, und der meinte auch gleich, dass das ein Meteorit ist, als er ihn in der Hand hielt.“

Dieser Mitarbeiter war Dr. Sönke Hartz. „Ich bin zwar Archäologe. Aber ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Jungs Recht haben. Gewicht und Brandspuren sprechen dafür. Ebenso, dass ein Magnet daran haften bleibt“, sagt Hartz auf sh:z-Nachfrage, fügt aber auch an: „Am Ende muss es ein Experte beurteilen.“

Das wiederum weiß auch Marco Jessen. Allerdings muss er sich nun erst einmal sechs Wochen gedulden, bis er einen Fachmann aufsuchen kann. Denn so lange ist der Hochseefischer jetzt auf der Nordsee unterwegs, um Seelachs zu fangen. „Am liebsten würde ich hier bleiben. Aber ich kann ja nicht einfach meinen Job schmeißen“, sagt er. Und was macht er, wenn sich am Ende herausstellt, dass es sich bei seinem Fund tatsächlich um einen Meteoriten handelt? „Das ist ja genau mein Problem. Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es Leute gibt, die schon für einen kleinen Splitter einen Haufen Schotter bezahlen. Dieses Ding wiegt aber über ein Kilo. Wenn sich das auch in Euro niederschlägt, kaufe ich das Gelände, wo ich den Meteoriten gefunden habe. Das wird dann meine private Angelstelle.“

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erstellt am 28.Jul.2014 | 15:00 Uhr

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