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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 03:09 Uhr

St. Petri in Schleswig : Ein außergewöhnliches Dom-Erlebnis

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Lichtreise“: Im Herbst wird das Gotteshaus zur Kulisse eines vierwöchigen Festivals. Alle Bänke werden dazu rausgeräumt.

Der St.-Petri-Dom ganz ohne Bänke – so haben die Menschen Schleswigs prächtiges Gotteshaus noch nie erlebt. Im Herbst werden die Besucher vier Wochen lang die Möglichkeit zu diesem ganz besonderen „Raumerlebnis“ haben. „Das ist ein echtes Novum“, sagt Dompastor Joachim Thieme-Hachmann. „Es ist die Einladung an jeden Interessierten, den Dom neu zu erleben.“

Die leere Kirche bildet die Kulisse eines ungewöhnlichen Festivals, das die Veranstalter um Bischof Gothart Magaard „Lichtreise“ getauft haben und das den Auftakt bildet zum Reformations-Jubiläumsjahr. Entsprechend beginnt das Festival mit dem Untertitel „Von der Reformation bis zur Gegenwart“ am 31. Oktober, dem Tag des Gedenkens an Luthers Thesenanschlag. Es endet am 26. November. In diesen vier Wochen erstrahlt der Dom im Licht vergangener Epochen und ist Spielstätte für Theater, Konzerte, Workshops und Vorträge, aber auch ein Ort für Meditation und Ruhe.

„Wir nennen es Festival, weil es kein akademisches Projekt ist, sondern es sich um einen bunten Strauß an Veranstaltungen handelt“, sagt Michael Jordan, Referent in der Bischofskanzlei. „Wir wollen die unterschiedlichsten Leute ansprechen.“ Und das, was in den vier Wochen geschieht, wird vor allem mit Licht inszeniert. Dazu arbeiten die Organisatoren mit der Hamburger Lichtdesignerin Katrin Bethge zusammen, die den Dom vor zehn Tagen innen und außen schon einmal probeweise illuminiert hat.

Das Festvialkonzept sieht vor, dass jede der vier Wochen unter ein bestimmtes Thema gestellt wird:

1. „Zurück zum Ursprung“ – Übergang vom Mittelalter zur Reformation im 16. Jahrhundert;

2. „Krieg und Frieden – Tod und Vergänglichkeit“ – Blüte Schloss Gottorfs im 17. Jahrhundert;

3. „Suche nach Identität. Wo verorten wir uns uns: religiös, baugeschichtlich, politisch?“ – Blick ins 19. Jahrhundert;

4. „Der Dom ist für Dich da!“ – die Bedeutung des Doms für unsere Gegenwart.

„Die Besucherinnen und Besucher des Festivals werden hinein genommen in Geschichten, sie erfahren Atmosphären und spirituelle Impulse, sie erleben in dieser Kirche Licht und Dunkel auch ihrer eigenen Existenz“, verspricht Pastor Thieme-Hachmann.

Während an den Montagen (außer am 31. Oktober) Ruhe- und Umbautag ist, soll dienstags bis donnerstags von 18 bis 21.30 Uhr Ruhe herrschen im mit Kerzen nur spärlich beleuchteten Dom. Lediglich einige, zum Wochenthema passende Orte und Gegenstände werden dann illuminiert. Die Veranstaltungen an den Wochenende sollen hingegen von der Lichtkünstlerin Bethge besonders in Szene gesetzt werden. Jede Woche endet am Sonntagnachmittag mit einem Konzert. Den Abschluss der „Lichtreise“ bildet eine ökumenische Feier mit Bischof Magaard und dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße.

Die Jugendlichen werden insbesondere an den Dienstagabenden in das Festival eingebunden. Dabei sind die Veranstalter für weitere Anregungen dankbar. Michael Jordan: „Wir denken jetzt nicht an eine Disco-Veranstaltung. Aber solange das im Rahmen bleibt, ist ganz viel denkbar.“ Auch für Schulklassen bestehe die Möglichkeit, die „Wandelkirche“ – also den Dom ohne Bänke und Chorgestühl – zu erleben.

Leere Kirchen seien bis zur Reformation übrigens gang und gäbe gewesen, erläutert Jordan. Erst danach seien Bänke aufgestellt worden. Während der „Lichtreise“ werden nun auch die heutigen Schleswiger beim Gottesdienst stehen. Für diejenigen, die sich setzen wollen oder müssen, stünden aber Stühle und Papphocker bereit, so Jordan.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 07:24 Uhr

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