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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:05 Uhr

Günstiger Stichtag für Schlüsselzuweisung : Eggebek: Nach den Flüchtlingen kommt nun Geld

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Gemeinde Eggebek kann mit knapp 200 000 Euro Extra-Einnahmen rechnen.

Mit übermäßig viel Geld ist die Gemeinde Eggebek nicht gesegnet. In der letzten Gemeindevertretersitzung 2015 zeichnete sich ein Fehlbetrag von 35  000 Euro im Verwaltungshaushalt ab, der aber aus der Rücklage noch ausgeglichen werden konnte. Jetzt gibt es aber Hoffnung auf bessere Zeiten. Denn der Gemeinde werden in den kommenden drei Jahren voraussichtlich knapp 200  000 Euro zusätzlich in die Kassen gespült. Grund dafür ist die relativ kurze Geschichte der Landesunterkunft – hier wurden zwischen Mitte Februar und Ende Juli Flüchtlinge untergebracht und betreut.

Eine besondere Rolle bei dem erwarteten Geldsegen spielt der 31. März, der Stichtag für die Berechnung der Schlüsselzuweisung durch das Land Schleswig-Holstein zur Gemeindefinanzierung. Eine der Grundlagen ist dafür die Einwohnerzahl. Zu deren Ermittlung werden auch die rund 300 Flüchtlinge herangezogen, die an genau diesem Tag in der Eggebeker Einrichtung untergebracht waren. Was das nun finanziell bedeutet, erklärt Klaus-Dieter Rauhut, der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Eggebek: „Pro Einwohner bekommt die Gemeinde 750 Euro – das macht bei 300 zusätzlichen Bürgern 225  000 Euro.“ Dass die Einrichtung inzwischen leer steht, spielt bei dieser Rechnung keine Rolle, entscheidend ist allein der Stichtag. Allerdings weist Rauhut darauf hin, dass die Gemeinde nicht über die volle Summe als zusätzliche Einnahme verfügen kann. „Nach Abzug von Umlagen bleiben etwa 40 Prozent übrig.“

Der Stichtag wirkt über insgesamt drei Jahre, wobei sich die Summe nach und nach reduziert. Unter dem Strich bleiben insgesamt knapp 200  000 Euro. „Das ist für eine kleine Gemeinde wie Eggebek mit 2300 Einwohnern schon eine Menge Geld“, sagt Rauhut.

Bürgermeister Willy Toft gibt sich angesichts des erwarteten Geldsegens relativ gelassen: „Ich bin da nicht böse drum. Das können wir gut gebrauchen.“ Die finanzielle Situation im Dorf sei nicht gerade rosig, berichtet der Bürgermeister, bisher sei es aber immer noch gelungen, den Verwaltungshaushalt in letzter Minute „glattzuziehen.“ Das könnte in naher Zukunft ein wenig leichter gelingen.

So sehr Eggebek von dem willkürlich festgesetzten Stichtag profitierte, so viel Pech hat die 600-Einwohner-Gemeinde Seeth (Kreis Nordfriesland). Zeitweise waren dort in der ehemaligen Stapelholmer Kaserne knapp 1000 Flüchtlinge untergebracht – am 31. März aber standen die Gebäude bereits komplett leer. Pech gehabt, Seeth geht bei der zusätzlichen Schlüsselzuweisung leer aus. An einem anderen Stichtags sah es anders aus. Anhand der Einwohnerzahl am 31. Dezember wird nämlich festgelegt, wie groß der Gemeinderat sein soll. Ende des vergangenen Jahres gab es in Seeth 600 „Ureinwohner“ und 800 Flüchtlinge. Deshalb soll die nächste Gemeindevertretung, die im Frühjahr 2018 gewählt wird, nicht mehr aus neun, sondern aus 13 Mitgliedern bestehen. Und so muss man sich in Seeth keine Gedanken darüber machen, wofür man Extra-Einnahmen verwendet – sondern wie man genügend Freiwillige für die Aufgabe findet.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 07:43 Uhr

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