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Schleswiger Nachrichten

31. Juli 2016 | 02:15 Uhr

Junge aus Angola im Schleswiger Krankenhaus : Dominik kann wieder gehen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der achtjährige Dominik aus Angola kam über den Verein „Friedensdorf“ ins Helios-Klinikum. Nach monatelanger Behandlung wird er jetzt entlassen.

Heute wird Dominik entlassen. Es ist ein ganz besonderer Tag für den achtjährigen Jungen aus Angola, der nach mehrmonatiger Behandlung im Schleswiger Krankenhaus nun die Heimreise antritt. Denn seine schlimmen Schmerzen im rechten Bein sind endlich weg: er kann wieder gehen.

Und wie er gehen kann – darüber freut er sich so, dass er auf der Kinderstation im Helios-Klinikum, wo wir ihn gestern besuchten, fast wieselflink hin und her läuft. Dabei zeigt er uns sein neues Spielzeug, das er zuvor nicht kannte, jetzt aber einfach nur toll findet: Lego-Bausteine. Dominik ist während seiner langen Krankenhaus-Zeit, in der er insgesamt sieben OPs zu überstehen hatte, zu einem Experten auf diesem Gebiet geworden, meint sein Arzt Dr. Volker Stein. Kinderkrankenschwester Britt Pieplau betreut den Jungen liebevoll. Ihr Eindruck über ihn: „Er ist hochintelligent. Allein, wie er das Feuerwehrauto eigenständig zusammengebaut hat und wie schnell er deutsche Wörter lernt.“

Sprachbarrieren wurden schnell überwunden, sagt sie. Dominik spricht Portugiesisch, versteht aber inzwischen fast jeden deutschen Satz. Er ist das vierte Kind, dessen schweres Leiden im Schleswiger Krankenhaus behandelt wurde.

Die behandlungsbedürftigen Kinder kommen vom Verein „Internationales Friedensdorf“ in Oberhausen, das ähnlich aufgebaut ist wie ein SOS-Kinderdorf. Internationale Ärzte engagieren sich für diesen Verein und sorgen dafür, dass Kinder aus Ländern, in denen kriegsähnliche Zustände herrschen oder in denen es kaum medizinische Versorgung gibt, nach Deutschland kommen können. Zwischenstation ist immer das Friedensdorf, dort leben die Kinder vor und nach ihrer Behandlung in deutschen Kliniken. Anschließend werden sie mit dem Flieger wieder zu ihren Familien zurückgebracht.

Im Helios-Klinikum übernimmt man pro Jahr für zwei dieser Kinder die komplette Behandlung und trägt die Kosten für den Krankenhaus-Aufenthalt, sagt Stein. Er ist Chefarzt im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie.

Was genau mit Dominik passiert war, dass er so schwer erkrankte, könne er nicht sagen, berichtet er. „Die Kinder kommen zu uns, ohne dass wir deren Krankengeschichte kennen. Wir helfen, damit ein krankes Kind gesund wird.“

Bei Dominik vermutet der Arzt, dass er einen schweren Unfall gehabt haben muss und Schmutz in die Wunde am Oberschenkel gelangte. Durch ein Staphylokokken-Bakterium war das Bein irgendwann völlig vereitert. „Es war eine massive Infektion, die unbehandelt zum Tod geführt hätte“, sagt Stein. Auch seine rechte Hüfte war, offenbar durch einen starken Aufprall, gebrochen. „Wir wissen, dass Dominik bereits ein halbes Jahr lang überhaupt nicht mehr gehen konnte, bevor er zu uns kam.“ Bei der Behandlung mussten die vereiterten Wunden in mehreren Operationen unter Vollnarkose „bis an den Knochen gesäubert werden“, zusätzlich wurden hohe Dosen Antibiotika verabreicht.

Jetzt ist Dominik schmerzfrei und kann sein Bein wieder einsetzen. Auch beim Treppensteigen im Krankenhaus. „Was gibt es Schöneres“, sagt Krankenschwester Britt Pieplau, „als mitzuerleben, dass der Junge laufen kann und das Leben genießt.“ Er selbst sagt, er freue sich sehr darauf, zu Hause in Angola wieder zur Schule gehen zu können. Die liegt eine Stunde Fußmarsch entfernt. Eine hin und eine zurück.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 12:29 Uhr

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