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Schleswiger Nachrichten

02. Dezember 2016 | 21:07 Uhr

Schleswig-FLensburg : Dörfer nehmen kein Grüngut mehr an

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit die Biotonne Pflicht ist, herrscht an den Grüngut-Annahmestellen weniger Betrieb. Erste Gemeinden ziehen Konsequenzen.

Des einen Freud, des anderen Leid: Wer einen kleinen Garten hat und nur hin und wieder ein wenig organischen Abfall zu entsorgen hat, frohlockt – Biotonne auf, Grünzeug rein, Deckel zu – und fertig. Mit großem Garten verhält es sich anders. Denn seit vor eineinhalb Jahren im Kreis verbindlich die braune Biotonne eingeführt wurde, schließen nach und nach die Grüngut-Annahmestellen in den Dörfern. Grüngut mal eben mit der Schubkarre im Ort abfahren – das geht nicht mehr. Statt dessen muss der Rasenschnitt oder das Geäst mit dem Auto zum nächsten Recyclinghof transportiert werden – und davon gibt es im Kreis nur vier.

Die Umstellung ging nicht überall geräuschlos über die Bühne, sagt Gabriele Dunker-Ulbrich, Bereichsleiterin Kundenservice bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises (ASF). „Zu Beginn wurden unsere Mitarbeiter auf dem Schleswiger Recyclinghof von einigen Kunden übel beschimpft“, sagt sie, dabei könnten die überhaupt nichts dafür. „Wir sind ja nicht verantwortlich für die Entscheidungen der Gemeinden, ihre Grünannahmen zu schließen.“

Tatsächlich reagieren die Gemeinden mit der Schließung nicht nur auf ihre angespannte Finanzlage, sondern auch auf den Rückgang der Resonanz, darauf, dass die braune Tonne dem Gemeindeangebot zunehmend Konkurrenz macht. In Fahrdorf und Busdorf beispielsweise hat die Gemeindevertretung aus diesem Grund schon im Februar entschieden, in diesem Jahr kein Grüngut mehr anzunehmen. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei nicht mehr möglich gewesen, hieß es unisono. „Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis mehr zueinander“, sagte damals auch Bollingstedts Bürgermeister Bernd Nissen. Auch dort wurde der Betrieb weitgehend eingestellt.

Während verärgerte Bürger auf den Recyclinghöfen offenbar ihrem Unmut freien Lauf lassen, verlief die Umstellungen in den Gemeinden selbst bislang problemlos. Fahrdorfs Bürgermeister Frank Ameis: „Zwei, drei Bürger haben ihr Unverständnis geäußert, ansonsten wird das angenommen.“ Für die Gemeinde rechnet sich die Schließung. „Pro Jahr haben wir für die Grüngutannahmestelle 8000 Euro zugezahlt“, erklärt Ameis.

Die Einführung der Biotonne durch den Kreis war alternativlos. Die EU-Abfallrahmenrichtlinie und das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreiben die Getrenntsammlung organischer Abfälle aus Haus und Garten vor. Stichtag war der 1. Januar 2015. Ausnahmen wie die Eigenkompostierung sind nur noch eingeschränkt möglich. Stichproben der ASF hatten 2014 ergeben, dass sich in den Restmülltonnen im Kreisgebiet 30 bis 50 Prozent „biogene Abfälle“ befanden.

Verwertet werden die Bioabfälle aus dem Kreis durch die AWR BioEnergie GmbH in Borgstedtfelde (Rendsburg-Eckernförde). Bis 2018 gibt die ASF das Ziel aus, mehr als 11  000 Tonnen Bioabfall im Kreisgebiet zu sammeln und zu verwerten, 2011 waren es 7900 Tonnen. Die ASF wirbt auf ihrer Homepage übrigens damit, „dass eine Biotonne voller Rasenschnitt soviel Strom gibt, um damit neun Waschmaschinen laufen zu lassen“.  

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erstellt am 07.Jul.2016 | 07:34 Uhr

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