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Schleswiger Nachrichten

23. Januar 2017 | 01:39 Uhr

Schleswig : Doch kein Theater in der Lagerhalle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Generalintendant Grisebach lehnt Ausweich-Spielstätte ab – und darf wohl erst einmal im Slesvighus bleiben.

Das war ein kurzes Gastspiel, das die alte Fahrzeug- und Lagerhalle, die auf der Freiheit die Nummer 89 trägt, als künftige Spielstätte von Landestheater und „Heimat“-Varieté hatte. Nur eine Woche, nachdem die Stadtverwaltung den Plan öffentlich gemacht hatte, ist er offenbar schon wieder vom Tisch. Eigentlich sollte der Kulturausschuss morgen (17 Uhr im Rathaus) über einen Vorschlag der Stadtverwaltung abstimmen, die Halle von einem Schleswiger Unternehmer anzumieten und umzubauen zu einem Saal, in dem Theater und „Heimat“ spielen können, während wenige Meter weiter das ehemalige Mannschaftsheim umgebaut wird zum neuen Schleswiger Kulturhaus.

Nun läuft alles darauf hinaus, dass das Landestheater erst einmal im Slesvighus bleibt und die „Heimat“ weiter im früheren Bundeswehr-Mannschaftsheim spielt. Dort hätten die Umbauarbeiten eigentlich im nächsten Jahr beginnen sollen. Es zeichnet sich aber ab, dass die Planungen bis dahin nicht abgeschlossen sind. Es ist völlig offen, welche Wünsche der Beteiligten erfüllt werden können. Bekommt das Landestheater einen Bühnenturm? Wird Platz geschaffen für bis zu 1000 Besucher, wie es sich „Heimat“-Macher Mario Hoff erhofft?

„Wir hatten uns das sehr viel einfacher vorgestellt, als wir Ende letzten Jahres das Mannschaftsheim gekauft haben“, gibt Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs zu, zu dessen Unternehmensverbund die Immobilie jetzt gehört. In den Gesprächen mit den Ratsfraktionen habe er festgestellt, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon gebe, wie viel Theater sich Schleswig in Zukunft leisten soll. So ist zum Beispiel ungeklärt, ob es auf der Freiheit auch Ballett- und Opernvorstellungen geben soll, wie es im Stadttheater der Fall war. Im Slesvighus findet dagegen ausschließlich Schauspiel statt.

„Es gibt noch eine ganze Menge Gesprächsbedarf“, sagt der Bauausschuss-Vorsitzende und stellvertretende SPD-Fraktionschef Klaus Bosholm. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Holger Ley spricht von vielen offenen Fragen, die noch zu klären seien. Landestheater-Generalintendant Peter Grisebach hatte bei den Fraktionen vorgesprochen und klar gemacht, dass er auf keinen Fall bereit ist, in der Lagerhalle zu spielen. „Ich bin keine Diva. Es geht mir um mein Publikum und um den Theaterstandort Schleswig“, sagt er. Seit das alte Stadttheater erst gesperrt und dann abgerissen wurde, habe das Theater in Schleswig schon 495 seiner ehedem 1300 Abonnenten verloren. Grisebach pocht auf den Gesellschaftervertrag für das Landestheater, in dem sich die Stadt Schleswig verpflichtet hat, eine bühnenfertige Spielstätte zur Verfügung zu stellen. „Aus meiner Sicht gibt es eine solche Spielstätte nur im Slesvighus“, meint der Intendant und sagt: „Erst sollen wir in einem Zelt spielen, dann in einer Halle, die einmal gebaut wurde, um in ihr Panzer zu reparieren. Sowas mache ich nicht mehr mit. Das Ende der Leidensfähigkeit ist erreicht.“

Bürgermeister Arthur Christiansen hat sich mit dem dänischen Kulturverband SSF bereits auf eine Verlängerung des Mietvertrags für das Slesvighus bis 2019 geeinigt. Dem müsste die Ratsversammlung noch zustimmen. Der SSF verlangt pro Jahr 210  000 Euro. Die Stadt würde davon 200  000 Euro zahlen, die restlichen 10  000 Euro müsste das Landestheater selbst übernehmen. Und nach 2019? Vielleicht geht es dann doch noch in Halle 89. Manche Teilnehmer der internen Gespräche mit Grisebach wollen den Eindruck gewonnen haben, dass das Nein des Intendanten nicht so kategorisch ist, wie er es nach außen kommuniziert.

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erstellt am 06.Jul.2016 | 07:43 Uhr

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