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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 23:30 Uhr

Haithabu : Die Zwangspause als Chance nutzen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bei der Sanierung des Wikingermuseums wird auch in die Wärmedämmung investiert. Grabungen und neue Angebote sollen Saison 2017 retten

An alten Sprichwörtern ist ja meistens etwas dran. Deshalb muss man wohl tatsächlich aus der Not manchmal eine Tugend machen. Das hat man sich offenbar auch bei den Landesmuseen gedacht, nachdem bei einer Routineuntersuchung des Wikingermuseums Haithabu Mitte 2014 schwere „Durchfeuchtungsschäden“ festgestellt wurden. Demnach sind – wie sich bei weiteren Proben herausgestellt hatte – rund 80 Prozent der tragenden Elemente des 1984 errichteten Holzbaus von Schimmel angefressen. Und zwar so sehr, dass die Statik des aus sieben einzelnen Waben bestehenden Gebäudekomplexes in Gefahr ist.

Dass für den Erhalt des Museums eine teure Sanierung unausweichlich ist, stand also schnell fest. Gleichzeitig sei dies aber auch eine Chance für Haithabu, wie Guido Wendt, geschäftsführender Vorstand der Landesmuseen, gestern bei einem Pressegespräch erklärte, bei dem es um die Details der bevorstehenden Sanierung ging: „Denn mit Blick auf die schlechte Isolierung des Gebäudes war das Wikingermuseum schon lange eines unserer Sorgenkinder.“ Nun können also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Das Haus wird grundlegend saniert und gleichzeitig energetisch auf den neusten Stand der Dinge gebracht.

3,4 Millionen Euro kostet am Ende das Gesamtpaket. 1,8 Millionen Euro davon kommen aus einer EU-Förderung, der Rest stammt aus der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Und die hat es eilig: Direkt, nachdem die Herbstmesse am Sonntag das Ende der Saison eingeleitet hatte, sind bereits die ersten Baumaschinen angerollt. Das Museumsgelände ist eingezäunt worden, überall wird bereits gebohrt und geschraubt. Im Mittelpunkt steht in diesen Tagen aber erst einmal die Sicherung der rund 2700 Ausstellungsexponate. Eines nach dem anderen und ganz behutsam müssen sie verpackt und abtransportiert werden. Viele Stücke werden nun für die nächsten eineinhalb Jahre (so lange dauert die Sanierung) im Magazin auf Schloss Gottorf verschwinden. Ein Großteil aber geht als Leihgaben auf Wanderschaft. So ist es Museumleiterin Ute Drews und Ralf Bleile, Leiter des archäologischen Landesmuseums, gelungen, Kooperationen mit zwei bekannten Museen einzugehen. So wird das sogenannte Bootkammergrab ab Februar in einer Sonderausstellung „Skandinavische Kultplätze“ im Archäologischen Museum in Frankfurt am Main zu sehen sein. Gleich 1800 Exponate gehen nach Dänemark. Sie werden in einer großen Haithabu-Ausstellung im „Danmark Borgcenter“ in Vordingborg auf der Insel Seeland gezeigt. „Das passt beides jetzt natürlich perfekt. Sonst lehnen wir Leihanfragen von anderen Museen stets ab, weil wir die Ausstellung hier zusammenhalten wollen“, sagte Bleile. Nur wenige Ausstellungsstücke bleiben derweil, wo sie sind: das Wikingerboot und die Runensteine etwa sind einfach zu schwer.

Sie kann man, mit der gesamten Ausstellung, erst Ostern 2018 wieder sehen. Damit aber ein Großteil der fast 150  000 Besucher, die jährlich nach Haithabu strömen und es so zu einem der gefragtesten Museen Norddeutschlands machen, auch im kommenden Jahr ans Haddebyer Noor strömen, dafür haben sich die Macher um Drews und Bleile einiges ausgedacht. So bleiben die Wikingerhäuser im Außengelände noch bis Ende Oktober geöffnet (unter anderem gibt es mehrere Ferienspaß-Angebote). Zudem beginnt dort am 1. April die Saison 2017. Dann wird es auch ein Café und einen Museums-Shop geben, die in Container einziehen. „Außerdem haben wir uns viele neue Angebote und spannende Themenführungen ausgedacht“, betonte Drews. Dabei stehen die Ausgrabungen im Mittelpunkt, die die Archäologen im Frühling unweit der Wikingerhäuser beginnen, denn dort liegt ein großes Gräberfeld. Das Besondere daran: Über der Grabungsstelle wird ein festes Zelt aufgebaut, in dem die Besucher den Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen können.

Eine andere Art Zelt wird in den kommenden Wochen auch über dem Museum installiert. „Damit wir auch im Winter arbeiten können und keine Zeit verlieren“, wie Guido Wendt betonte. Denn die Arbeiten, die verrichtet werden müssen, sind umfangreich. Neben den tragenden Holzelementen wird das Dach komplett erneuert und isoliert. Sämtliche Fenster werden ausgetauscht, ebenso die aus Eichenbrettern gestaltete Außenfassade. „Aber keine Angst, hinterher wird das Museum genau so schön aussehen, wie früher“, so Wendt.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 07:33 Uhr

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