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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2016 | 14:53 Uhr

Schleswiger Hertie-Haus : Die Zeichen stehen auf Abriss

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt treibt Planungen für den Rückbau des ehemaligen Hertie-Kaufhauses trotz Kritik voran.

Noch immer präsentiert sich das ehemalige Hertie-Kaufhaus genauso trostlos wie seit Jahren. Im März hatte die Stadt den Gebäudekomplex samt Grundstück nach zähen Verhandlungen für rund 1,7 Millionen Euro gekauft. Seitdem ist – zumindest nach außen sichtbar – nicht viel passiert. Hinter den Kulissen aber werden kräftig Pläne geschmiedet und Verhandlungen geführt. Gleich mehrere Investoren sollen sich für eine Entwicklung des „Sahnegrundstücks“, wie man im Rathaus immer wieder betont, laut SN-Informationen interessieren. Dazu gehört offenbar auch die AVW Immobilien AG aus Hamburg, die unter anderem das Schleicenter betreibt. Zu Namen und konkreten Plänen will man sich vonseiten der Stadt jedoch nicht äußern – zumindest noch nicht. Zunächst soll der Rahmenplan für die Innenstadtsanierung in trockene Tücher gebracht werden (wir berichteten). Eine Entscheidung darüber könnte die Ratsversammlung bereits im September treffen.

Fest steht aber bereits jetzt, dass das in den 60er-Jahren gebaute Kaufhaus abgerissen wird. Die Verwaltung hat schon entsprechende Schritte eingeleitet. „Der Fachbereich Bau hat für die Planung des Abbruchs Angebote eingeholt. Diese werden derzeit gesichtet. Der Auftrag soll in der nächsten Woche erteilt werden“, erklärt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt auf Nachfrage. Dabei verweist sie auf Absprachen mit dem beauftragten Sanierungsträger, der BIG Städtebau, sowie mit dem Kieler Innenministerium. Das habe bereits Fördermittel freigegeben. Demnach übernimmt das Land zwei Drittel der Kosten in Höhe von insgesamt 500  000 Euro. Den Rest steuert die Stadt bei. „Die Ausschreibung der eigentlichen Bauleistung ,Rückbau’ wird dann im ersten Quartal 2017 erfolgen“, erklärt Wendt weiter.

Bereits im Juni hatten allerdings mehrere Ratsmitglieder Bedenken geäußert, was einen Abriss betrifft. „Der neue Besitzer sollte entscheiden, was er mit der Immobilie anfangen will – ob abreißen oder sanieren“, hatte CDU-Fraktionschef Holger Ley damals gefordert. An dieser Meinung, so bekräftigt er jetzt noch einmal, habe sich bislang auch nichts geändert. „Was ist denn, wenn der Investor sagt, dass er den Rohbau lieber behalten will? Man kann doch nicht einfach abreißen, ohne dass man weiß, was überhaupt geplant ist“, sagt Ley, der sich bei dem Thema insgesamt von der Verwaltung schlecht informiert fühlt. „Der Bürgermeister soll uns endlich mal Namen nennen. Danach sollte die Politik einen Beschluss fassen, wie es weitergeht.“

Rathaussprecherin Wendt hingegen betont, wie zuvor schon Bürgermeister Arthur Christiansen, dass eine freie Fläche besser zu vermarkten sei. Zudem seien die Fördermittel zweckgebunden für den Abriss. „Wenn der nicht kommt, ist das Geld weg“, sagt sie und fügt hinzu: „Durch den Kauf haben wir nach Jahren des Stillstandes endlich das Heft des Handelns in der Hand, um diesen Schandfleck zu beseitigen. Wenn wir das Haus so wie es ist nun an einen Investor verkaufen, können wir wieder nur zusehen und warten, bis etwas passiert.“

Warten. Das möchte auch Hermann Wighardt nicht mehr. Der Apotheker (Doc Morris) hatte bereits Anfang 2014 gemeinsam mit den Hautärzten Dr. Martin Behne und Dr. Jens-Michael Jensen das marode Gebäude mit dem ehemaligen Waschsalon an der Ecke Stadtweg/Moltkestraße gekauft, das direkt an das Hertie-Haus anschließt. Die Pläne, dort ein Ärztehaus zu errichten, konnten allerdings nicht realisiert werden. „Es muss jetzt endlich etwas passieren. Es ist schon viel zu viel Zeit verstrichen“, sagt Wighardt. Zumindest habe man sich inzwischen mit der Stadt auf einen Tausch geeinigt. So geben der Apotheker und die Ärzte ihr Grundstück an die Stadt ab und erhalten dafür das angrenzende Gebäude, in dem früher ein Tabak- und Zeitschriftenladen ansässig war. Dort soll nun das Ärztehaus samt Apotheke, Laden und Wohnungen gebaut werden, während anstelle des Waschsalons ein kleiner Vorplatz als Entree zur Ladenstraße entsteht.

Wighardts Architekt Peter Rimkus hofft, dass sein Entwurf mit den Plänen für die Neugestaltung auf dem benachbarten Kaufhaus-Grundstück harmoniert. Angesprochen auf den Beschluss der Stadt, das riesige Gebäude abzureißen, reagiert er jedoch skeptisch. „Es handelt sich um ein Hanggrundstück. Das Wasser sucht sich immer einen Weg nach unten. Zurzeit wird es von diesem Haus aufgehalten. Aber was passiert, wenn das weg ist?“, fragt Rimkus, der auch als Bodensachverständiger arbeitet. Zudem plädiert er dafür abzuwarten, welche Pläne der Investor hat, der am Ende den Zuschlag bekommt. Was das eigene Projekt angeht, sei man derweil gut gerüstet. „Wir könnten sofort loslegen.“

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erstellt am 19.Aug.2016 | 13:45 Uhr

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