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Kreis Schleswig-Flensburg : Die Wächter der Wahlurne

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für Gemeinden im Kreisgebiet ist es schwer, Wahlhelfer zu finden / Kommunalwahl 2018 stellt Ämter vor Herausforderungen

Knapp zwei Wochen sind es noch bis zur Landtagswahl. Während die Politiker für ihre Stimme fleißig Wahlkampf machen, bereiten sich auch die Gemeinden im Kreis Schleswig-Flensburg auf den 7. Mai vor. Sie müssen vor allem dafür sorgen, dass am Wahltag genug Helfer in den Wahllokalen sind. Ehrenamtliche zu finden, ist besonders auf dem Land nicht leicht. „Es wird immer schwieriger, die Leute dafür zu begeistern“, sagt Rosemarie Marxen-Bäumer, Fachbereichsleiterin beim Amt Geltinger Bucht. Einige hätten keine Lust, den ganzen Tag im Wahllokal zu sitzen. Andere kämen dagegen gerne, weil sie neue Leute kennenlernen und ein Gespräch haben. Hinzu komme, so Marxen-Bäumer, dass am 7. Mai Konfirmationen sind und dadurch ganze Familien als Wahlhelfer ausfallen. Trotz allem sehe es im Amt Geltinger Bucht aber gut aus, was die Anzahl der Helfer betrifft.

Die Kappelner Ordnungsamts-Leiterin Helga Lorenzen kann nun auch entspannt auf den Wahltag blicken. Noch vor einer Woche suchte sie mit einem Aufruf in unserer Zeitung Ehrenamtliche für den 7. Mai – jetzt kann sie das Personal aufstocken. „Früher musste man für eine Absage einen wichtigen Grund haben“, erklärt sie. Das sei heute nicht mehr nötig. Erfreut sei sie darüber, dass sich viele junge Menschen angemeldet haben – darunter einige Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Auch Henrieke Radix gehört zu den jungen Wahlhelfern. Die 19-Jährige, die am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Kappeln ihr Abitur macht, hat sich nach einer Podiumsdiskussion in ihrer Schule für einen Einsatz an der Urne entschieden. „Ich möchte gerne sehen, wie es in der Politik abläuft“, begründet sie ihre Bewerbung. Zur Vorbereitung habe sie ein Heft bekommen, das sie durchlesen soll. Lorenzen hat zusätzlich eine Schulung für die „Neuen“ angekündigt. Radix, die in Kappeln wohnt, ist für den Wahlbezirk im Feuerwehrgerätehaus in Mehlby eingeteilt.

Wahlhelfer kann jeder werden, der wahlberechtigt ist und in der jeweiligen Gemeinde wohnt, in der er eingesetzt wird. In den 18 Wahllokalen im Amt Geltinger Bucht zum Beispiel werden jeweils sechs bis neun Ehrenamtliche in zwei Schichten eingesetzt. Dann nehmen sie die Wahlbenachrichtigung der Bürger entgegen, kontrollieren, ob diese im Wählerverzeichnis stehen und händigen den Wahlschein aus. Anschließend achten sie darauf, dass der Stimmzettel in die Urne geworfen wird. Zur Auszählung müssen dann alle Wahlhelfer im Wahllokal sein. „Oft sind es dieselben Leute, die sich als Wahlhelfer zur Verfügung stellen“, erzählt Marxen-Bäumer. Meist seien dies ältere Menschen. Und Gemeindevertreter.

Das bestätigt auch der Leitende Verwaltungsbeamte des Amts Schafflund, Jörg Hauenstein. Das Durchschnittsalter der Freiwilligen sei 50 Plus. „Sie sind da reingewachsen“, sagt er. Wie Christian Kroggel aus Lindewitt. Der 71-Jährige ist als Mitglied des Ortsbeirats Wahlhelfer geworden und „bewacht“ seit 44 Jahren die Urne. Bei jeder Wahl ist er dabei und hat mit den anderen acht Helfern schon unzählige Stimmzettel ausgezählt. Am besten gefällt ihm, dass man die Wähler kennt. „Einige bleiben nach der Wahl noch zum Schnacken, andere gehen sofort wieder nach Hause“, erzählt er. Stress gebe es während der Schichten nicht, auch wenn bei Landtagswahlen immer mehr los ist als bei Bundestags- oder Kommunalwahlen. Kroggel ist aufgefallen, dass sich immer mehr junge Menschen für Politik interessieren – vor allem für Themen, die sie selbst betreffen.

Auch in Schleswig sind die 14 Wahlbezirke mit jeweils sechs Helfern gut besetzt. Die Stadt hält stets den Kontakt zu den bisherigen Wahlhelfern und meldet sich rechtzeitig vor einem weiteren Einsatz. „Wer schon länger dabei ist, weiß, worauf es ankommt“, erklärt Rainer Raup, Leiter des Ordnungsamts. Doch wegen der Fluktuation von Ehrenamtlichen müssen immer wieder neue hinzukommen.

Die Bürger müssen nicht nur am 7. Mai zur Urne gehen. In den kommenden zwölf Monaten stehen zudem die Bundestagswahl am 24. September und die Kommunalwahl am 6. Mai 2018 an. Besonders die letztere stellt die Gemeinden vor eine große Herausforderung. Da dann die Gemeindevertreter selbst kandidieren, müssen mehr Wahlhelfer gefunden werden. „Wir werden dann über die Bürgermeister gehen und die Menschen persönlich ansprechen“, sagt Hauenstein. Kroggel will auf jeden Fall wieder dabei sein und Radix – „wenn in zwei Wochen alles gut klappt“ – auch.

> Die Stadt Schleswig sucht für den 7. Mai noch Bürger, die spontan als Wahlhelfer einspringen können. Weitere Infos und Anmeldung bei Oliver Frieß, Tel. 04621/814321, E-Mail o.friess@schleswig.de.

Erfrischungsgeld - Vergütung für Wahlhelfer

Um den Einsatz am Wahltag attraktiv zu machen, locken  die Gemeinden und Städte mit einem „Erfrischungsgeld“. Der Betrag schwankt je nach Posten zwischen 20 und 50 Euro. Ein  Wahlvorsteher und dessen Stellvertreter wird in Schleswig mit 45 Euro vergütet. Er muss nicht nur am Wahltag präsent sein, sondern auch am Freitag vor der Wahl, um das Wählerverzeichnis in Empfang  zu nehmen. Nach der Auszählung am Sonntag muss er im Rathaus die Wahlunterlagen abgeben. Die  Wahlhelfer bekommen in Kappeln und Schleswig  30 Euro Erfrischungsgeld, in den Ämtern Geltinger Bucht und Schafflund 20 Euro – oder  eine kostenlose Mahlzeit.

 
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erstellt am 21.Apr.2017 | 10:00 Uhr

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