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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 13:43 Uhr

Volkstheater-Festival in Schleswig : Die Speeldeel stellt sich einer Mammut-Aufgabe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Speeldeel richtet im nächsten Jahr das bundesweite Festival Wurzelwerk aus.

Es war im Mai des vergangenen Jahres, als Lutz Schnoor und Horst Seegebarth auf einer Bühne im saarländischen Sulzbach ihr plattdeutsches Stück „Bagger“ aufführten. Das Publikum lachte fast so ausgelassen wie in Schleswig – obwohl kaum jemand vollständig verstand, wovon die Rede war in dem plattdeutschen Stück.

Mundartliches Volkstheater in Gegenden aufzuführen, in denen die Menschen einen ganz anderen Dialekt sprechen – das kann also funktionieren. Das Volkstheater-Festival „Wurzelwerk“ in Sulzbach war das erste seiner Art. Es war ein so großer Erfolg, dass der Bund Deutscher Amateurtheater es nun fortsetzen wird – und zwar in Schleswig. Vom 25. bis zum 28. Mai des kommenden Jahres, das ist das Himmelfahrts-Wochenende, reisen rund 100 Laienschauspieler aus ganz Deutschland an die Schlei. Für die Hälfte von ihnen hat Lutz Schnoor bereits Hotelzimmer reserviert. Dennoch bleibt für den Vorsitzenden der Schleswiger Speeldeel und seine Mitstreiter noch viel zu tun. Sponsorengelder und öffentliche Fördermittel müssen eingeworben werden. Schnoor rechnet mit Kosten in Höhe von 34  000 Euro. Auch das genaue Programm muss noch zusammengestellt werden. Die meisten Vorstellungen – ob auf Bairisch, auf Alemannisch oder möglicherweise auch im Slang von Jugendlichen aus Einwandererfamilien – werden auf der eigenen Bühne der Speeldeel in „Uns Lütt Theoter“ in der Friedrichstraße stattfinden. Für eines der Stücke, so Schnoor, biete sich aber auch eine Gaststätte als Ambiente an.

Und nebenbei laufen noch die Vorbereitungen für die reguläre Spielzeit der Speeldeel mit fünf Inszenierungen: Neben den drei Hauptstücken wird es ein Puppentheater für Kinder geben („Gretel kümmt to School“) und von der Jugendgruppe ein Weihnachtsmärchen („De Zauberer von Oz“). Vor oder hinter der Bühne bei der Speeldeel mitzumachen, das ist ein zeitintensives Hobby. 35 Probentermine und 25 Aufführungen sind ganz normal. Mehr als 100 Aktive lassen sich davon nicht abschrecken. „Wenn man erstmal dabei ist, macht es süchtig“, sagt Schriftführer Hartwig Petersen.

Die erste große Premiere findet am 15. Oktober im Slesvighus statt. Regie führt Felix Borchert. Er hat Markus Köbelis Komödie „Zimmer frei“ selber ins Plattdeutsche übersetzt. Das Stück, das auf Platt den Titel „Ünnermeder söcht“ trägt, ist eine moderne und sehr schwarze Komödie. „Ich bin gespannt, wie unser Publikum darauf reagiert“, sagt Schnoor.

Das Speeldeel-Publikum indes ist schon lange daran gewöhnt, nicht nur die klassischen Schenkelklopfer serviert zu bekommen. „Das war ein Prozess, der Jahrzehnte gedauert hat“, weiß der Ehrenvorsitzende Uwe Petersen. Längst aber wagen sich die Laienschauspieler auch an sperrige und ernste Themen. In diese Kategorie fällt das Stück „Hans Brüggemann“, das im Januar Premiere feiert und das im Rahmen des „Wurzelwerk“-Festivals auch im St.-Petri-Dom aufgeführt werden soll, wo der berühmte Brüggemann-Altar steht, von dessen Entstehung das Stück handelt. Es ist der Beitrag der Speeldeel zum Reformationsjahr 2017. „Es ist schwer, auch von der Sprache her“, gibt Kai Boysen zu, der hier die Regie führt. Die Zuschauer würden sich aber nach fünf bis zehn Minuten an das eigentümliche Plattdeutsch des Stücks gewöhnt haben.

Die Premieren der großen Inszenierungen finden auch in dieser Spielzeit im Slesvighus statt. Lutz Schnoor ist froh, dass diese Spielstätte vorerst erhalten bleibt. „Wenn das Landestheater eines Tages gemeinsam mit der ,Heimat’ auf der Freiheit spielt, dann wird es für uns sicherlich nicht einfacher, an die attraktiven Wochenend-Termine zu kommen“, schwant ihm.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 12:50 Uhr

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