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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 01:27 Uhr

Gedenkfeiern zum Volkstrauertag : Die Opfer vor dem Vergessen bewahren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Redner in Schleswig und auf dem Karberg warnen vor dem aktuellen Erstarken des Nationalismus.

Ein eiskalter Wind wehte an der Kriegsgräberstätte am Rosengarten in Schleswig. Zur zentralen Gedenkstunde, die am Nachmittag auf dem Karberg in Haddeby stattfand, ließ sich immerhin die Sonne blicken. Gestern versammelten sich dort die Menschen, um am Volkstrauertag den Opfern der Weltkriege und Gewaltherrschaft zu gedenken. Mit Unterstützung von Uwe-Dieter May, dem Kreisvorsitzenden des Sozialverbandes (SoVD), nimmt sich die Stadt Schleswig der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe seit vielen Jahren an.

In seiner Gedenkrede erinnerte Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen an den Terroranschlag in Paris, der ein Jahr zuvor stattfand. Auch aktuelle weltpolitische Geschehen griff er auf. „Wir müssen erleben, dass sich viele Nationen sehr stark auf sich selbst beziehen und sich von der Idee eines geeinten Europas abwenden. Und das in einer Zeit, in der die globalen Entwicklungen eigentlich ein starkes und beständiges Europa erfordern. In unserer Weltanschauung, unserem Selbstverständnis eines friedlichen und gerechten Staates gehört die Demokratie untrennbar dazu. Unsere Grundrechte sind uns das höchste Gut. Sie sind das positive Erbe, das unsere Eltern und Großeltern aus dem Leid des Zweiten Weltkrieges hervorgebracht haben“, sagte Christiansen vor rund 150 Besuchern, darunter zahlreiche Vertreter von Vereinen, Verbänden und Institutionen.

Persönliche Worte fanden die Schüler aus der 10. Klasse der Bruno-Lorenzen-Gemeinschaftsschule: In Begleitung ihrer Lehrerin Kristina Buske-Heße bereicherten Tobias Thies, Laura Kintler, Jolina Pflug, Charlotte Borchardt, Annik Jepsen, Nick Thomi, Fabienne Breinich und Hanna Tusché die Gedenkstunde mit ihren Wortbeiträgen. Die Bläsergruppe der Husaren umrahmte die Veranstaltung musikalisch. 30 Mitglieder der Freiwillige Feuerwehr und die Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ übernahmen die Ehrenwache, dies ebenso auf dem Karberg in Haddeby. Neben Bürgermeister Arthur Christiansen und Bürgervorsteher Eckhard Haeger legten die zahlreichen Vertreter der Organisationen die Kränze am Mahnmal nieder.

Auf dem Karberg versammelten sich rund 300 Besucher, darunter Vertreter des Kreises, der Gemeinden, der Amtsverwaltung Haddeby und der Stadt Schleswig sowie die Repräsentanten zahlreicher Verbände, Vereine und Institutionen. In seiner Gedenkrede erinnerte Kapitän zur See Stephan Annighöfer, stellvertretender Kommandeur der Marineschule Mürwik, nicht nur an die 1106 Kriegsopfer aus 15 Nationen, die auf dem Karberg bestattet wurden. Er gedachte aller Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft, die alle Menschen zum Frieden ermahnen sollten. „Uns alle führt heute die Trauer zusammen, verbunden mit dem Bestreben, die Opfer vor dem Vergessen zu bewahren. Denn wenn niemand mehr an sie denkt, dann sind sie endgültig tot, dann kann ihr Schicksal keinem mehr etwas sagen. Und deshalb kommt dieser Tag gerade in unserer Zeit ein hoher Stellenwert zu. Ein Gedenken, das dafür sensibilisiert bedrohliche Entwicklung oder die Verharmlosung von Gewalt rechtzeitig zu erkennen“, sagte Annighöfer. Traditionell begleiten die Schüler der Dannewerkschule die Gedenkstunde mit aktiven Beiträgen. Diese Aufgabe führten Nele Albrecht, Milena Harder und Dagmar Hunzinger mit ihren Wortbeiträgen aus – freiwillig versteht sich. Viel Lob gab es dafür von Konrektorin Sigrid Giesche sowie von Landrat Wolfgang Buschmann. Die Jugendbläsergruppe Haddeby begleitete den Festakt musikalisch. Die Feuerwehren des Amtes Haddeby und die Immelmänner übernahmen die Ehrenwache.

Für Hans-Werner Mortensen und Ehefrau Wiebeke Mortensen aus der Nähe von Silkeborg in Dänemark zählte die Gedenkstunde zu einem der bewegendsten Momente. Mit Hilfe des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge, des Archives und von Haddebys Kämmerer Bernd Krecklow fand er nun das Grab seines 1945 verstorbenen Vaters, der als einziger Däne auf dem Karberg bestattet wurde. „Dass man das Gedenken an die Menschen dort aufrecht erhält, ist einfach wunderbar. Die Gedenkstätte ist ein schöner Ort und sehr gepflegt. Der Volkstrauertag war mehr als bewegend für uns“, sagte Hans-Werner Mortensen, der anschließend die dreistündige Rückfahrt nach Dänemark antrat.

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