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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 21:44 Uhr

Kinderspielzentrum Friedrichsberg: : Die neuen Kümmerer von der Erikstraße

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Team aus Freunden und Wegbegleitern von Rainer Winkler will die Einrichtung in seinem Sinne weiterführen.

Mittagszeit gestern im Kinderspielzentrum: Es gibt Lasagne mit Gurkensalat, alles frisch von Köchin Inge Page zubereitet und liebevoll angerichtet. Die Kinder im Grundschulalter sitzen gemeinsam am großen Esstisch, ein wenig müde und geschlaucht noch vom Unterricht am Vormittag, aber mit ungebrochenem Appetit. Eine Siebenjährige erzählt beim Essen, was sie heute auf dem Schulhof erlebt hat – und Kinderbetreuerin Suzanne Stemmler hört ihr zu. Als die Kleinen sich satt gegessen haben, gehen sie zum Spielen oder machen gleich Schularbeiten. Wenn dabei Fragen auftauchen, ist jemand da, der sie beantworten kann. Etwa eine Stunde später, gegen 13 Uhr, ist „Schichtwechsel“ am Mittagstisch, dann kommt die nächste Generation dran – das sind die größeren Kinder aus der Dannewerk-Gemeinschaftsschule.

Genauso, wie es gestern war und wie es auch an jedem anderen Wochentag im Kinderspielzentrum zugeht, haben Professor Dr. Rainer Winkler und seine Ehefrau Monika es für die Kinder im Stadtteil Süd haben wollen: Dass man sich um sie kümmert, ihnen gesunde Mahlzeiten bietet, dass sie behütet durch den Alltag geführt werden während der Zeit, in der ihre Eltern, beziehungsweise ihre alleinerziehenden Väter oder Mütter es aus irgendeinem Grund nicht können.

Am 17. August ist Rainer Winkler verstorben. Gestern Vormittag hat das Urnenbegräbnis stattgefunden. Bis zuletzt war der frühere Chefarzt in seinem Kinderspielzentrum, für dessen wirtschaftliche Tragfähigkeit er und seine Frau mit eigenem Vermögen die Jugendstiftung gegründet hatten, tätig. Monika Winkler verstarb bereits 2010. „Das Kinderspielzentrum ist unser drittes Kind“, hatte das Ehepaar, das zwei erwachsene Kinder hinterlässt, stets gesagt.

Wie geht es nun nach Winklers Tod weiter mit dem Kinderspielzentrum im Friedrichsberg?

Die neuen „Kümmerer“ gehören schon lange zum festen Team der Winklers. Und sie wollen, wie sie im Gespräch mit den SN bekräftigen, alles tun, um das Kinderspielzentrum als Vermächtnis des Ehepaares weiterzuführen. Da ist Klaus-Werner Dietz, Rechtsanwalt und Notar, sowie enger Freund der Familie Winkler, der den Vorsitz des Jugendstiftungsrates führt. Ihm zur Seite steht Claus Ehrich als Vorstand der Stiftung sowie dessen zwei Stellvertreter Karl-Heinz Kirberger und Christiane Sievers. Sie alle haben jetzt für Recht und Ordnung bei den Finanzen und der wirtschaftlichen Seite zu sorgen, damit der Verein Kinderspielzentrum e.V. existieren kann – „und damit das Haus weiterhin mit Leben erfüllt wird“, sagt Rechtsanwalt Dietz. Die Geschicke des Vereins führen nun Iris Ranft, Leiterin des Kinderspielzentrums, und Edith Thaysen, die jetzt als Vereinsvorsitzende fungiert. „Rainer Winkler hatte ein dichtes Netzwerk in Stadt und Land geschaffen, das auch aus vielen Mitgliedern des Lionsclubs besteht“, betont Ehrich. Man hoffe, dass die Unterstützung, vor allem auch die der Paten, unvermindert anhalten wird. Rainer Winkler hatte eine Doppelfunktion ausgefüllt im Vorsitz von Jugendstiftung und Kinderspielzentrums-Verein, der Anfang Juli noch 30-jähriges Jubiläum gefeiert hatte. Das neue Leitungsteam will diese Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und fortsetzen. Insgesamt kommen derzeit bis zu 70 Kleinkinder und Schulkinder (bis 13 Jahre) ins Kinderspielzentrum.

Die Winklers, meint Iris Ranft, hätten gehandelt nach dem Leitspruch, der von der US-Schiftstellerin Pearl S. Buck stammt. Nämlich: „Kinder, die man nicht liebt, werden Erwachsene, die nicht lieben.“ Dietz: „In diesem Sinne haben sie so überzeugend und mit so viel Herzenswärme gehandelt, dass wir versuchen werden, ihnen und den Kindern gerecht zu werden.“

Warum Edith Thaysen, die bis vor kurzem im Vorzimmer des Landrats arbeitete, sich nun ehrenamtlich für das Kinderspielzentrum einsetzt? „Auch aus Dankbarkeit. Weil mein Sohn hier vor 20 Jahren, als ich Alleinerziehende war und arbeiten gehen musste, so wunderbar betreut worden ist.“

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erstellt am 13.Sep.2016 | 07:24 Uhr

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