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Schleswiger Nachrichten

30. September 2016 | 13:46 Uhr

Schleswig : Die heimliche Film-Metropole

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das dänische Nachkriegsdrama „Unter dem Sand“ kommt zwei Monate vor dem Bundesstart ins Schleswiger Kino.

Es ist einer der erfolgreichsten dänischen Filme der vergangenen Jahre: „Unter dem Sand“ („Under Sandet“). Er handelt von einem kaum bekannten Kapitel der deutsch-dänischen Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten deutsche Kriegsgefangene die dänischen Nordseestrände von tausenden Tretminen befreien, die die deutschen Truppen dort ausgelegt hatten. Völlig ohne technische Hilfsmittel war das für die jungen Männer ein Todeskommando.

Der Film von Regisseur Martin Zandvliet ist bereits Anfang Dezember in die dänischen Kinos gekommen. Offizieller Filmstart in Deutschland ist am 7. April. Aber in Schleswig ist „Unter dem Sand“ schon am Sonnabend kommender Woche zu sehen. Kirsten Schultz hat diese Vorpremiere möglich gemacht. Denn in dem Film sind auch zahlreiche Schleswiger in Mini-Rollen zu sehen. Mit ihrer Agentur „Komparsenfischer“ hat sie den Dänen für die Dreharbeiten im nordfriesischen Leck im Sommer 2014 mehr als 200 Komparsen vermittelt. Als Gast der Vorführung hat Steen Bille zugesagt, der als Vorsitzender des dänischen Filminstituts für die Förderung des Films verantwortlich war.

Dass sich Kirsten Schultz nach dem Ende der Produktion auch darum gekümmert hat, eine Vorpremiere im Capitol-Filmpalast möglich zu machen, ist nicht selbstverständlich. Sechs Jahre lang leitete sie freiberuflich das Filmbüro der Ostseefjord-Schlei GmbH. Das ist nun vorbei. Die Tourismus-Vermarkter unterstützten ihre Arbeit seit 2009 jährlich mit einem vierstelligen Betrag. Das Ziel war damals, Film- und Fernsehproduktionen an die Schlei zu holen, die einen Werbeeffekt für die Urlaubsregion haben – nach dem Vorbild der inzwischen eingestellten ZDF-Serie „Der Landarzt“. Auch die ZDF-Krimireihe „Unter anderen Umständen“ mit Natalia Wörner als Schleswiger Kommissarin Jana Winter war bereits angelaufen, als Kirsten Schultz ihre Arbeit aufnahm. Ihr gelang es dann, nach dem Fernsehen auch die Kinoproduzenten an die Schlei zu locken. Insbesondere die Macher von Kinderfilmen fanden hier malerische Drehorte – vom Schleswiger Holm bis zum verwunschenen Hof Lücke in Twedt. Aber ob es die „Fünf Freunde“ waren, „Bibi und Tina“ oder „Rico und Oskar“ – nie erfuhren die Kinobesucher im Rest der Republik, dass die Bilder, die sie sahen, aus Schleswig stammten.

Das Fazit von Max Triphaus, dem Geschäftsführer der Ostseefjord Schlei GmbH, lautet deshalb: „Kirsten Schultz hat hervorragende Arbeit gemacht, aber unsere Kernaufgaben in der Tourismusförderung sehen wir in anderen Bereichen.“ Deshalb wurde der auslaufende Vertrag nicht verlängert. Einzelne Projekte zu unterstützen, sei aber weiterhin denkbar.

Kirsten Schultz bedauert diese Entscheidung und verweist darauf, dass nach Berechnungen der Filmförderung Schleswig-Holstein allein durch die Kinderfilme bis zu eine Million Euro in die Schleiregion geflossen seien. Allein das Fünf-Freunde-Team gab zum Beispiel 100  000 Euro für Hotel-Übernachtungen aus. Schultz hofft nun, die regionale Wirtschaft für ihr Filmbüro begeistern zu können. Vorerst will sie es auf eigene Rechnung weiterführen. Die Premiere von „Unter dem Sand“ ist dabei die erste größere Aktion.

Den Mittelpunkt ihrer Arbeit verlegt sie nun jedoch nach Kiel. Dorthin zieht sie mit ihrer Komparsen-Agentur demnächst um. „Schleswig bleibt mein Home-Office“, betont sie. Aber Komparsen vermittelt sie inzwischen landesweit. Polizisten für den Kieler „Tatort“ zu finden, ist für sie inzwischen Routine. „Unter dem Sand“ stellte sie jedoch vor ganz neue Herausforderungen. Nicht nur, weil die Darsteller aufwendig frisiert und geschminkt wurden, sondern auch, weil es gar nicht so einfach war, junge Männer zu finden, die schlank genug waren, um glaubhaft ausgemergelte Kriegsgefangene zu verkörpern.

> „Unter dem Sand“ ist am Sonnabend, 23. Januar, um 14 Uhr parallel in zwei Sälen des Capitol-Filmpalastes zu sehen. Kartenreservierung unter Tel. 0  46  21/2  05  00.

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erstellt am 14.Jan.2016 | 07:42 Uhr

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