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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 19:37 Uhr

Schleswig : Die große Theater-Koalition

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gemeinsames Plädoyer für drei Sparten: Ratsfraktionen und Verwaltung wollen ein Kulturhaus in Verbindung mit dem „Heimat“-Gebäude errichten

Nun also doch: Auch Musical, Oper, Operette und Ballett kehren nach Schleswig zurück. Das wollen jetzt nach jahrelangen Auseinandersetzungen alle Ratsfraktionen mit Bürgermeister, Stadtwerkedirektor und Generalintendant in einer großen Koalition auf den Weg bringen. Dafür soll ein neuer Theatersaal mit Bühne und Orchestergraben gebaut werden, direkt neben dem „Heimat“-Gebäude auf der Freiheit. Beides zusammen soll künftig eine Einheit bilden für kulturelle Veranstaltungen aller Art. Der alte Theater-Standort im Lollfuß ist damit endgültig passé.

Darauf hat man sich geeinigt in einer Sondersitzung des Kulturausschusses, die am Montag hinter verschlossenen Türen im Rathaus stattfand. Zu Informationen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, gab es dazu von der Stadt gestern eine Presseverlautbarung, die zuvor von allen Sitzungsteilnehmern abgesegnet worden war. Danach ist man sich über die Zielrichtung des Theaterprojekts einig.

Jedoch gibt es noch eine Hürde zu überwinden: die Frage der Zuschüsse und deren Höhe. Für die Finanzierung bleibt es zwar dabei, dass die Stadt einen Eigenanteil von maximal fünf Millionen Euro einbringen will. Angenommen wird jedoch, erklärt die Stadt in ihrer Pressemitteilung, dass „die Baumaßnahmen deutlich unter zehn Millionen Euro kosten werden“. Daher erhoffe man sich Zuschüsse von Land und Kreis, um diese Finanzierungslücke zu schließen. Vom Land habe Bürgermeister Arthur Christiansen bereits positive Signale erhalten, hieß es im Rathaus.

Beim Kreis hält man sich in dieser Frage indessen bedeckt, wie Landrat Wolfgang Buschmann gestern gegenüber den SN deutlich werden ließ. Zwar begrüße er den Schritt, dass alle Ratsfraktionen an einem Strang ziehen, aber angesichts der schwierigen Haushaltslage sei es derzeit „völlig offen“, inwieweit der Kreis einen finanziellen Beitrag leisten könne. Dabei verwies Buschmann auf den jährlichen Beitrag in Höhe von 380  000 Euro, den der Kreis bereits über seine Kulturstiftung dem Landestheater zukommen lasse.

Was den Gesellschafterbeitrag angeht, den die Stadt künftig an die Landestheater GmbH leisten will – darüber wurde in der Sondersitzung im Rathaus noch kein Beratungsergebnis erzielt. Zum Hintergrund: Der Rat hatte sich im April 2015 grundsätzlich für den weiteren Verbleib Schleswigs in der Theater GmbH ausgesprochen. Doch ab 2019 wird die Stadt nicht mehr zu den Hauptgesellschaftern zählen, daher muss nun von ihrer Seite der Gesellschafterbeitrag neu festgelegt werden.

Generalintendant Peter Grisebach hatte dazu in der Sondersitzung drei unterschiedliche Beitragsmodelle aufgezeigt, aus denen hervorgeht, wie viel Theater die Stadt für welche Summe bekommen kann. „Ich favorisiere die große Lösung, bei der Schleswig 390  000 Euro als Gesellschafterbeitrag jährlich zahlt und dafür mindestens 140 Aufführungen aller Sparten pro Spielzeit erhält“, sagte Grisebach gestern auf SN-Nachfrage.

Dass sich die Politik in Schleswig nun verständigt auf den Anbau eines neuen Theatersaals für etwa 450 Besucher und dass dieses Projekt in Händen von Stadtwerkedirektor Wolfgang Schoofs und von einem der „renommiertesten Theaterplaner Deutschlands“ (Reinhold Daberto aus München) liegt – „dies begrüße ich sehr“, sagte Grisebach. Es sei eine „Lösung mit Perspektive“ gefunden worden. Und er sei optimistisch, dass das Landestheater durch das neue Projekt die seit 2011 verloren gegangenen 26  000 Besucher wieder zurückgewinnen werde.

„Wir sind auf einem guten, gemeinsamen Weg“, betonte auch CDU-Fraktionschef Holger Ley auf SN-Nachfrage. „Wir wollen keine Schleiphilharmonie, sondern nur, dass das realisiert wird, was mit den fünf Millionen Eigenanteil plus Zuschüsse möglich ist. Dass dabei ein Drei-Sparten-Theater zustandekommt, ist sehr erfreulich“, meinte er.

SPD-Fraktionsvorsitzender Stephan Dose teilt nach eigenen Worten diese Freude, auch wenn noch „einige Unwägbarkeiten vor uns liegen“. Dose: „Aber für Schleswig ist es eine große Chance, wenn wir bedeutender Standort für das Landestheater bleiben und ein Kulturhaus haben, das ein sehr breites Angebot vorhält.“

Johannes Thaysen von den Grünen räumte ein, man habe zwar vom „Wunsch-Standort Lollfuß“ Abschied nehmen müssen, sei aber nun froh über das „gut durchdachte Konzept des Münchner Theaterplaners, das von Schoofs umgesetzt wird“.

Wolfgang Schoofs selbst zeigte sich zuversichtlich auf Nachfrage unserer Zeitung, ob denn die Erwartungen an das neue Theaterprojekt zu den diktierten finanziellen Bedingungen tatsächlich erfüllt werden können. „Sobald die Kosten ermittelt sind, die Zuschüsse feststehen und die Gremien zustimmen, können wir loslegen“, sagte er. „Und ich freue mich, dass wir in Schleswig wieder eine richtige Theater-Atmosphäre schaffen werden.“

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erstellt am 09.Nov.2016 | 11:30 Uhr

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