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Schleswiger Nachrichten

27. August 2016 | 15:23 Uhr

Schleswig-Flensburg : Deutlich mehr Verkehrsunfälle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Unfallstatistik der Landespolizei verzeichnet im Kreis einen Anstieg um 12,5 Prozent innerhalb eines Jahres – ein Ausreißer, sagt die Polizei.

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im Kreis im vergangenen Jahr deutlich gestiegen – von 4616 im Jahr 2014 auf 5194. Das entspricht einem Anstieg um 12,5 Prozent innerhalb von nur zwölf Monaten. Die Polizeidirektion Flensburg sieht darin allerdings keinen nachhaltigen Trend. Verkehrsexperte Manfred Petersen-Schmidt von der Polizeidirektion Flensburg spricht von einem „Ausreißer nach oben“. Sorgen bereite der Polizei allerdings die Zahl der Verkehrstoten in den vergangenen beiden Jahren.

Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden, stieg ebenfalls – exakt um 64 oder 8,8 Prozent, von 729 auf 793. Das ist mit Abstand die höchste Steigerungsrate im Land (Rendsburg-Eckernförde: +3,4 Prozent, Nordfriesland: +0,5, Storman: -0,3). Die Zahl der Verunglückten bei diesen Verkehrsunfällen lag sich im vergangenen Jahr bei 1077 (+ 5,9 Prozent), fast alle trugen auch Verletzungen davon (1063). Ums Leben kamen auf den Straßen im Kreis 14 Menschen, im Jahr zuvor waren es 15 Verkehrstote, auch hier nimmt der Kreis landesweit einen traurigen Spitzenplatz ein. Zum Vergleich: In Nordfriesland kamen acht Menschen im Straßenverkehr ums Leben, in Rendsburg-Eckernförde elf, in Flensburg keiner. Bei 16 Unfällen im Kreis waren Drogen im Spiel, bei 102 Unfällen (+33) war es Alkohol.

> Insgesamt stellt die Landespolizei fest, dass 52 Prozent der Getöteten und über 44 Prozent der Verletzten zu den „relativ ungeschützten Verkehrsteilnehmern“ gehören, das heißt: Fußgänger, Radfahrer und vor allem Motorradfahrer. Von landesweit 107 Getöteten waren allein 25 mit dem Motorrad unterwegs. Im Kreisgebiet waren 2014 in 132 Unfälle motorisierte Zweiräder verwickelt, 19 mehr als im Jahr zuvor (plus 16,1 Prozent). 2013 waren es mit 94 noch einmal deutlich weniger.

>Ausgewiesene Unfallschwerpunkte gibt es im Kreis nach Aussage Petersen-Schmidts nicht. „Die wechseln von Jahr zu Jahr“, sagt er. Konstant hoch sei allerdings das Unfallaufkommen an den Autobahnauffahrten von der B199 und B200 auf die A7. Dort krache es zwar häufig, aber selten schwer. Es bleibe meist bei Blechschäden und leichten Verletzungen. Sorgen bereiten der Polizei vor allem die viel befahrenen Bundesstraßen 199 und 200, insbesondere der Bundesstraßenabschnitt zwischen Schafflund und dänischer Grenze. Dort habe es 2014 19 Mal gekracht, zwei Menschen seien dort ums Leben gekommen. Deshalb sei in diesem Jahr ein Überholverbot geplant. Auch auf der Nordstraße sorgten hohe Geschwindigkeit und hohes Verkehrsaufkommen, gerade in der Urlaubersaison, für Gefahr.

Und einen weiteren permanenten Gefahrenherd kennt Petersen-Schmidt: die Schleibrücke Lindaunis, konkret die Eisenbahnschienen, in denen immer wieder Radfahrer stürzen. Zumindest gelte dies für die Angelner Seite. Auf Schwansener Seite hingegen habe man die Schienen entschärft. „Von den Unfällen dort bekommen wir wahrscheinlich nur einen Bruchteil mit“, vermutet der Experte.

> Die schwächsten Verkehrsteilnehmer sind die Fußgänger. Ihr Anteil am landesweiten Unfallgeschehen liegt bei 5,9 Prozent, bei den Verletzten bei 7,7 und bei den getöteten Verkehrsteilnehmern bei 18,7 Prozent. Im Kreisgebiet waren Fußgänger in 60 Unfälle verwickelt, genau so viele wie 2014. 67 Personen kamen bei diesen Unfällen zu Schaden.

> Den größten Anteil bei den Verletzten stellten 2015 die Radfahrer mit 25,5 Prozent landesweit. Im Kreis wurden 157 Radler in Verkehrsunfälle verwickelt, drei mehr als 2014. Im Vergleich zu anderen Kreisen verunglücken im Kreisgebiet allerdings auffällig wenige Radler. Im Nachbarkreis Rendsburg-Eckernförde waren in 341 Unfälle Radler verwickelt, 352 Verunglückte waren dabei zu beklagen, immerhin 12,1 Prozent mehr als 2014. Auch in Nordfriesland liegt die Zahl der Fahrradunfälle mit 306 fast doppelt so hoch.

>In die Statistik der Radunfälle ist auch die Untergruppe der Pedelecs (bis 25 km/h Elektro-Unterstützung) und der E-Bikes (bis 45 km/h, versicherungspflichtig) eingegangen. Insbesondere die Zahl der Pedelec-Unfälle steigt rasant. So waren im Kreis 2014 13 Unfälle mit Pedelecs zu verzeichnen, im vergangenen Jahr schon 18 (19 Verunglückte). Ein Großteil der Verunglückten waren Senioren und der Anteil schwer Verletzter lag bei über 25 Prozent. „Die Fahrer sind zum Teil 70 bis 80 Jahre alt und unterschätzen oft die Geschwindigkeit der Pedelecs“, so Petersen-Schmidt.

> Eine gesonderte Betrachtung widmet die Landespolizei in ihrer Statistik den Senioren. Ihr Anteil am Unfallgeschehen steige ebenso wie ihr Anteil an der Bevölkerung, allerdings leicht überproportional. Demnach wurden kreisweit 194 Mal Unfälle von über 65-Jährigen verursacht, fünf mehr als 2014. 2013 waren es mit 154 noch deutlich weniger. Insgesamt verunglückten bei diesen Unfällen im vergangenen Jahr 173 Personen, zehn weniger als 2014. Die Analyse der Hauptunfallursachen mache deutlich, dass Senioren insbesondere mit komplexen Verkehrssituationen Schwierigkeiten haben. 39 Prozent der Fehler würden beim Gewähren der Vorfahr gemacht, 31 Prozent beim Abbiegen. Nicht angepasste Geschwindigkeit oder Überholfehler seien entsprechend seltener.

> Einen anderen Trend verzeichnet die Landespolizei bei den „Jungen Fahrern“. Auch wenn die Zahl der von ihnen verursachten Unfälle leicht zunahm, so zeige die Tendenz doch seit 2010 nach unten. Der Anteil der 18- bis 25-Jährigen am Unfallgeschehen beträgt landesweit unverändert 16,1 Prozent. Im Kreis Schleswig-Flensburg gingen nach ersten Feststellungen der Polizei 194 Unfälle auf ihr Konto, fünf mehr als im Jahr zuvor. 2013 waren es noch 154 Unfälle, so dass der Trend im Kreis doch erheblich vom Landesdurchschnitt abweicht. 173 junge Verkehrsteilnehmer verunglückten bei diesen Unfällen, vor allem weil die Fahrer zu schnell unterwegs waren (32 Prozent), beim Abbiegen oder der Vorfahrt Fehler machten.

 

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erstellt am 17.Mär.2016 | 07:22 Uhr

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