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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 19:43 Uhr

Schleswig : Der letzte Törn vor dem Winter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Unter den Seglern auf der Schlei macht sich am Saisonende Wehmut breit – eine Fahrt an Bord der „Lycka“ von Kathrin Schoppmeier.

Es weht eine steife Brise, und graue Wolken ziehen auf – der Herbst ist im Anmarsch. Eigentlich bestes Wetter, um zu Hause zu bleiben und es sich mit einer heißen Tasse Tee gemütlich zu machen. Das hat sich noch vor einer Stunde auch Kathrin Schoppmeier gedacht. Aber jetzt steht sie auf dem Steg im Hafen des Schlei-Segel-Clubs (SSC), betritt gleich ihr Boot – und die Begeisterung steht ihr ins Gesicht geschrieben. „So geht es mir oft“, sagt die selbstständige Handweberin aus Goltoft. „Ich sitze nach Feierabend auf dem Sofa und hab’ noch gar keine Lust, aber sobald wir abgelegt haben, ist das alles vergessen.“

Ihr Boot, das ist eine H35 mit dem Namen „Lycka“. Das H steht für den Anfangsbuchstaben des Vornamens des Konstrukteurs. Der Finne Hans Groop hat diesen Bootstyp in den 80er Jahren entwickelt. Entlang der Schlei gibt es mehr als 20 Besitzer dieser H-Boote. Sie haben sich in einer Vereinigung mit dem Namen „Fest-Macher“ zusammengeschlossen. Dazu gehört auch Kathrin Schoppmeier mit ihrer „Lycka“, die beim SSC in einer Reihe mit neun weiteren Booten ihrer Art liegt und an diesem Abend darauf wartet, dass ihre Skipperin ablegt zur letzten Wettfahrt der Saison.

Der steife Westwind drückt das Wasser hinaus aus der Schlei. Auch im Hafen wird das Wasser immer flacher. „Da kann man auch schon mal stecken bleiben“, sagt Kathrin Schoppmeier. Dann muss sie sich beeilen, denn die anderen Boote sind schon unterwegs in Richtung Möweninsel, dem Startpunkt der Regatta. Als auch die „Lycka“ ordentlich Fahrt aufnimmt, lässt sich die Sonne noch einmal blicken. Es geht schnell voran. Hinter ihr wird die Schleswiger Stadtkulisse im Abendlicht immer kleiner. Die schnellsten Boote legen bereits die erste Wende hin, und auch die „Lycka“ lehnt sich auf die Seite, und plötzlich sitzen Kathrin Schoppmeier und ihr Partner Robert Keil, mit dem sie ein eingespieltes Team bildet, fast auf der Reling des Bootes und sehen glücklich aus.

Die 35 in der Typenbezeichnung des Bootes steht – wie bei Segelbooten üblich – für die Länge: 35 Fuß. Das sind 10,50 Meter. Dabei ist die H35 mit nur 2,60 Metern Breite sehr schmal. Mit ihren fünf Schlafplätzen bietet sie aber ausreichend Raum für Törns mit der ganzen Familie. Hans Groop hat ein Boot konzipiert, das – ähnlich wie das traditionsreiche schwedische Folkeboot – besonders den Ansprüchen der Ostsee entspricht. „Das Boot ist technisch leicht zu handeln und besonders für Menschen geeignet, die Lust auf echtes Segeln haben“, erklärt Schoppmeier, die das Boot zusammen mit ihrer Schwester aus Göteborg nach Schleswig gesegelt hat. „Ich habe dem Verkäufer blind vertraut, und unterwegs ist uns ständig der Motor ausgefallen, das war schon recht abenteuerlich“, erzählt die erfahrene Seglerin.

Die H35 ist im Gegensatz zu anderen dickbauchigen Booten derselben Länge sehr sportlich und kann mit 1,50 Metern Tiefgang ausgesprochen flott unterwegs sein. Auf der Schlei beweisen das die „Festmacher“ Malte Lutzenberger und Holm-Segelmacher Roger Kauffmann. „Die haben an der ‚Silverrudder‘ teilgenommen“, erzählt Robert Keil anerkennend, gemeint ist eine Regatta rund um Fünen. „Da haben sie die Hardcore-Variante des H-35-Segelns kennengelernt und gut überstanden.“

Und dann passiert es: „Wir sitzen!“, ruft die Skipperin ihrem Bootsmann zu, der auf dem vorderen Teil des Schiffes steht und die Fock in den Wind hält. Festgefahren im Schlick. Aber die beiden nehmen es gelassen und schaffen es, sich ohne Einsatz des Motors wieder herauszumanövrieren.

Als es nach zwei Runden über die Kleine Breite zurück in den Hafen geht, dämmert es bereits, und die Luft wird merklich frisch. Die „Lycka“ läuft als letztes Boot ein, was der guten Stimmung von Kathrin Schoppmeier und Robert Keil keinen Abbruch tut. Ein bisschen wehmütig werden sie dann doch, weil die Saison nun offiziell zu Ende ist. Das war die letzte traditionelle Trimm-Regatta in diesem Jahr.

Die Boote kommen aus dem Wasser und werden für die nächste Saison fit gemacht. „Man ist dann immer froh, wenn alles in trockenen Tüchern ist und man auch mal Zeit für andere Dinge hat“, sagt Schoppmeier.

Die Freunde der H-Boote versammeln sich nach der Regatta zum gemütlichen Ausklang im „Leck“, dem Clubheim des Schlei-Segel-Clubs. Die Gewinner werden gekürt. Keine Überraschung: Der im „Silverrudder“ gestählte Roger Kauffmann hat sich mit seiner „Smilla“ den Sieg in der Gesamtwertung gesichert. Platz 2 geht an Wulf Dippel mit seiner „Tekuma“.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 07:40 Uhr

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