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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 09:37 Uhr

Schleswigs Briefkästen : Der Holm und sein Post-Problem

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit Jahren gibt es in der Fischersiedlung keinen Briefkasten mehr – zum Leidwesen der Bewohner.

Hans-Adolf Möller gehört zu den Menschen, die noch Briefe verschicken. Viele Briefe sogar, denn der 68-Jährige muss als „Versichertenältester“ der Deutschen Rentenversicherung regelmäßig Post auf den Weg bringen. „Ich könnte das zwar auch auf elektronischem Wege machen“, sagt der Holmer, „doch das Risiko, dass mich irgendwelche Leute hacken, gehe ich nicht ein. Wir haben hier in der Nähe mindestens fünf verschiedene WLan-Hotspots.“ Schließlich handele es sich um sehr sensible Daten, mit denen er es in seinem Ehrenamt zu tun habe. Also nutzt Hans-Adolf Möller die klassische Korrespondenz – und damit fängt sein Ärger an. Denn in der Fischersiedlung gibt es seit einigen Jahren keinen Postkasten mehr. Mit der Sanierung des Hauses an der Ecke Süderholmstraße/Fuß am Holm verschwand der dort zuvor angebrachte gelbe Briefbehälter.

Die nächst gelegene Möglichkeit, seine Briefe loszuwerden, ist für Möller nun der Postkasten am Rathaus. Doch den Weg dorthin schafft der Schwerbehinderte zu Fuß nicht mehr. So müssen er und seine Frau Michéle jedes Mal das Auto nehmen. Doch damit nicht genug. In der vergangenen Woche, berichtet Möller, sei der Postkasten am Rathaus so voll gewesen, dass seine Umschläge kaum noch hinein gepasst hätten und man stattdessen sogar andere Briefe einfach hätte herausfischen können. Für den Rentner ist der Fall klar: Es besteht so viel Bedarf, dass sich auch ein Postkasten am Holm lohnen würde. „Es gibt ja auch viele Touristen, die im Restaurant sitzen und ihre Postkarten schreiben – die sie hier dann aber nirgends einwerfen können.“ Auch gebe es in seinem Stadtteil genügend Menschen wie ihn, deren Mobilität eingeschränkt ist. Möller: „Der Rollator hat auch auf dem Holm längst Einzug gehalten.“

Herrscht in Schleswig ein Mangel an Briefkästen?

„Nein“, versichert Post-Sprecher Martin Grundler. In durchgängig bewohnten Gebieten müsse ein Postkasten innerhalb von 1000 Metern erreichbar sein. „Das übererfüllen wir in der Regel“, so Grundler. Und das, obwohl die Menschen im digitalen Zeitalter weit weniger private Briefe als früher verschickten. Wenn ein Postkasten abgebaut werde, dann meistens deshalb, weil der entsprechende Hauseigentümer den Behälter nicht mehr an seiner Wand haben möchte. Zum konkreten Fall auf dem Schleswiger Holm konnte Grundler indes keine genauen Angaben mehr machen.

Laut der Homepage postfinder.de gibt es in der 25  000-Einwohner-Stadt Schleswig derzeit 30 Postkästen. Zudem hat seit dieser Woche auch der Deutsche-Post-Konkurrent Nordbrief einen eigenen Briefkasten – in der Geschäftsstelle der Schleswiger Nachrichten im Stadtweg 54. Dort bekommen Privatkunden auch die entsprechenden Briefmarken.

Hans-Adolf Möller findet, dass die Deutsche Post mehr für ihre Kunden tun müsste. „Einen Postkasten muss man ja nicht unbedingt an eine Hauswand nageln, wenn der Besitzer es nicht will. Man kann ihn ja auch an einer Stange installieren.“ Auch ärgert es ihn, dass Sendungen beim Logistikriesen häufig lange unterwegs seien. So bezieht seine aus Frankreich stammende Frau eine französische Fernsehzeitschrift. Diese Zeitschrift sei schon mal geschlagene zwölf Tage unterwegs, während eine französische Freundin in Kappeln das gleiche Exemplar eine Woche früher in Händen halten könne.

Zum Glück versteht sich Hans-Adolf Möller gut mit den Zustellern, die den Holm beliefern – und die dabei auch gerne mal im Gegenzug seine Briefe mit auf die Reise nehmen. Bei unserem Fototermin an der Ecke Süderholmstraße/Fuß am Holm kommt es dann zu einer zufälligen Begegnung mit Postbotin Birgit Schäfer. Die hat nicht nur reichlich nette Worte für Hans-Adolf Möller im Gepäck – sondern auch die lang herbeigesehnte Fernsehzeitschrift.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 12:13 Uhr

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