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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Schleswig : Denkmalschutz-Pläne gefährden den neuen „Event-Bahnhof“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Stadt und Denkmalschutzbehörde legen Umbauarbeiten lahm. Der Investor hofft auf einen Kompromiss – klagt aber auch über strenge Vorschriften.

Schleswig | Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aus dem Schleswiger Bahnhof, seit Jahren wegen seines schlechten baulichen Zustandes eines der großen Sorgenkinder der Stadt, soll bis Ende 2017 ein Event-Tempel werden. Mit verschiedenen Bars, Restaurant und Kleinkunstbühne. Erst Anfang vergangener Woche hatte der Investor, der namentlich nicht genannt werden möchte, seine ambitionierten Pläne vorgestellt. Ob daraus aber etwas wird, steht nun wieder in den Sternen. Denn die Stadt hat am Bahnhof einen Baustopp verhängt – nach Aufforderung durch die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg.

Der Schleswiger Bahnhof ist in die Jahre gekommen. Seine letzte kleine Schönheitskur erlebte er, als Bundeskanzler Gerhard Schröder sich auf Schloss Gottorf mit Russlands Präsident Wladimir Putin traf. Das ist zwölf Jahre her. Die frische Farbe von damals ist längst verwittert.

„Ja, das ist richtig“, erklärt der aus Süddeutschland stammende Unternehmensberater auf Nachfrage. Es gebe einige Punkte in seiner Bauplanung, die von Seiten der Denkmalschutzbehörde nicht akzeptiert würden. „Jetzt müssen wir schauen, wie wir auf einen Nenner kommen. Sollte das nicht klappen, dann werde ich meine Pläne wohl erst einmal auf Eis legen müssen“, sagt er.

Am Dienstag fand aber zunächst ein Gespräch zwischen einem Vertreter des Bauherrn, der Stadt, der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie des Landesdenkmalamtes statt. Im Fokus standen dabei einige kritische Punkte. Untere anderem stoßen die Pläne des Investors, den hölzernen Laubengang, der von der Bahnhofshalle zu Gleis 1 führt, baulich leicht zu verändern, auf wenig Gegenliebe. Dieser steht, wie das gesamte Gebäude, unter Denkmalschutz. „Aber er ist seit Jahren in einem sehr schlechten Zustand“, betont der Investor. Er habe nun geplant, die öffentliche Toilette in einen neuen Anbau neben den Durchgang zu verlegen, „dafür müssten wir diesen auf einer Fläche von etwa zwei mal einem Meter etwas verändern“, erklärt er. Als Ausgleich dafür sei er aber bereit, den Holzbau mit einem neuen Schieferdach zu versehen. Auch bei der Gestaltung der Bahnhofshalle gibt es offenbar unterschiedliche Auffassungen. Hier geht es konkret um die Pfeiler, die die Emporen stützen – und die zum Teil bereits errichtet wurden.

Tristesse und tote Hose sollen am Schleswiger Bahnhof bald der Vergangenheit angehören: Hier zum Beispiel soll künftig die Dachterrasse einer Musik- und Cocktailbar entstehen.
Tristesse und tote Hose sollen am Schleswiger Bahnhof bald der Vergangenheit angehören: Hier zum Beispiel soll künftig die Dachterrasse einer Musik- und Cocktailbar entstehen. Foto: Sven Windmann
 

Dass sich beide Seiten am Ende einigen, ist zwar nicht ausgeschlossen. Aber weiteren Diskussionsbedarf scheint es noch zu geben. „Ich bin ganz gewiss kompromissbereit. Aber das heißt auch, dass sich beide Seiten bewegen müssen“, sagt der Bahnhofseigentümer, der das Gebäude im Jahr 2013 für 182.000 Euro ersteigert hatte. Er kritisiert, dass sich die Bahn in den letzten Jahren vor dem Verkauf kaum noch um die Immobilie gekümmert und sich nur wenig an Vorgaben gehalten habe. „Die haben offenbar gemacht, was sie wollten. Jetzt kommt ein Privatinvestor und möchte etwas bewegen, aber man macht ihm eine Vorschrift nach der anderen.“ Man dürfe dabei aber seine wirtschaftlichen Interessen nicht außer Acht lassen.

Der Geschäftsmann, der in der Nähe von Freiburg lebt, möchte die Kuh nun vom Eis holen. Dienstag hat er sich mit Ziel Schleswig in den Zug gesetzt. Heute will er sich hier mit seinem Architekten, der an dem Krisengipfel teilnahm, austauschen. In den kommenden Tagen soll dann ein weiteres Gespräch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde stattfinden.

Aus deren Reihen äußerte sich gestern zwar niemand konkret zu den Verhandlungen und zum Baustopp. Kreis-Sprecherin Martina Stekkelies hat die Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung aber noch nicht aufgegeben: „Ein Konsens sollte eigentlich möglich sein.“

Dieser wäre übrigens auch mit Blick auf die Baugenehmigung des Investors dringend nötig: Denn die besteht, Stand gestern, nicht. Es gebe zwar einen Bauantrag, aber kein Grünes Licht, bestätigen sowohl Rathaus-Sprecherin Antje Wendt als auch der Eigentümer selbst. Er habe unter anderem schon deshalb erste Baumaßnahmen eingeleitet, weil die Bahn-Tochter DB Netz laut Vertrag noch in diesem Jahr in neue Räume einziehen wolle und dabei gleichzeitig 20 Stellen von mehreren Standorten in der Region nach Schleswig verlegen wolle.

„Insgesamt fehlen nur noch wenige Unterlagen, eigentlich war alles geklärt. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt klappt hervorragend. Deswegen hoffe ich wirklich, dass so langsam mal Klarheit herrscht“, betont der Unternehmensberater, der in einem weiteren Punkt nun Nägel mit Köpfen gemacht hat: Indem er die Bahnhofstoilette, die sich seit Jahren in einem ekelhaften Zustand befindet und regelmäßig Gegenstand von Beschwerden ist, erst einmal geschlossen hat. „Die Bahn hat einen Nutzungsvertrag unterschrieben, kümmert sich aber kaum. Es stinkt dort bestialisch, es ist dreckig. Die Zustände sind so nicht mehr zu akzeptieren.“ Er hoffe, dass die Bahn nun auf diesem Wege dazu bewegt wird, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 07:22 Uhr

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