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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 21:32 Uhr

Fischersiedlung : Denkmalschutz: Holmer gehen auf die Barrikaden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Fischersiedlung soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Anwohner wehren sich vehement gegen Pläne des Landesamtes.

Michael Paarmann wusste offenbar ganz genau, was ihn erwartet. „Vielen Dank, dass Sie meinen einführenden Worten so ruhig und ohne Buh-Rufe zugehört haben“, sagte der Landeskonservator zu Beginn einer Infoveranstaltung, die am Donnerstagabend im Ständesaal des Rathauses stattfand. Eingeladen dazu waren in erster Linie die Anwohner des Holms. Denn der soll, wie berichtet, demnächst als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt werden. Ein Plan, der – das wurde an diesem Abend mehr als deutlich – nicht jedem schmeckt.

Rund 60 Bürger waren der Einladung, die die Stadt gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalschutz ausgesprochen hatte, gefolgt. Und nachdem diese – wie erwähnt – zu Beginn noch schweigend zugehört hatten, war es mit der Ruhe bald vorbei. Zwar hatte Paarmanns Mitarbeiter Heiko Schulze mit einem ausgesprochen trockenen Vortrag über das Prozedere der Unterschutzstellung noch kurzzeitig dafür gesorgt, dass sich der ein oder andere Zuhörer ein wenig tiefer in seinen Stuhl fallen ließ und sich wegträumte. Sobald Bürgermeister Arthur Christiansen allerdings den Startschuss für die Frage- und Diskussionsrunde gab, waren alle wieder hellwach – und eine ganze Reihe von Armen von Anwohnern, die sich zu Wort melden wollten, schnellten nach oben.

Dabei zeigte sich sofort, dass genau das eintreten würde, was offenbar alle im Saal von Anfang an erwartet hatten: Paarmann und seinen Kollegen würde hier in den kommenden zwei Stunden ein kalter Gegenwind entgegen wehen. „Vor was und wem wollen Sie den Holm eigentlich schützen? Vor uns Anwohnern etwa, die ihn seit jeher hegen und pflegen?“, fragte eine sichtlich erregte Zuhörerin und erntete damit den ersten Applaus des Abends. Es sollten noch viele weitere folgen. Einer ihrer Nachbarn, Hans-Werner Köhler, schlug in die gleiche Kerbe. „Keiner von uns hat den Denkmalschutz gefordert. Warum auch? Wir haben den Holm über Generationen zu dem gemacht, was er ist“, sagte er und mahnte: „Wir müssen unsere Häuser doch für unsere Nachkommen so erhalten und umbauen können, dass sie dort auch in Zukunft vernünftig leben können.“

Die Denkmalschützer hatten einen schweren Stand: (hinten v.l.) Albrecht Barthel, Heiko Schule und Michael Paarmann.
Die Denkmalschützer hatten einen schweren Stand: (hinten v.l.) Albrecht Barthel, Heiko Schule und Michael Paarmann. Foto: wim (2)
 

Genau das, so befürchten die Holm-Bewohner, sei aber deutlich schwieriger und vor allem kostspieliger, wenn die Fischersiedlung unter Denkmalschutz gestellt würde. Schließlich seien die Vorgaben des Landesamtes in solchen Fällen sehr streng. Da half es auch nicht, dass Paarmann und Co. fast schon gebetsmühlenartig wiederholten, dass eine Unterschutzstellung des Holms als Ensemble nicht bedeute, dass jedes einzelne Haus unter Denkmalschutz stehe. „Das ist ein Irrglaube und auch nicht unser Ziel. Es geht darum, das Erscheinungsbild zu schützen“, erklärte der Landeskonservator und nannte als Beispiele den Erhalt der mittelalterlichen Parzellenstruktur oder der Kahnstellen am Schleiufer. „Wir haben das alles auch ohne Denkmalschutz hinbekommen. Trotzdem wird uns jetzt diese Verordnung übergestülpt“, erntete Paarmann daraufhin als – wiederum mit lautem Applaus bedachte – Antwort. Nun allerdings ging der Landeskonservator in die Gegenoffensive und entgegnete mit rotem Kopf: „Diese Vorwürfe und Fragen sind doch abstrus. Sie haben hier offenbar einiges vollkommen missverstanden. Und Sie lügen sich selbst in die Tasche, wenn Sie meinen, dass in den letzten 20, 30 Jahren alles toll gelaufen ist, wenn Häuser auf dem Holm renoviert wurden.“

Das Echo der Zuschauer kann man sich vorstellen. Zwar gelang es Bürgermeister Arthur Christiansen, an diesem Abend Moderator und Mediator in einem, die Gemüter immer wieder zu beruhigen. Auf einen Nenner kamen Holmer und Landesamt dennoch nicht. Auch wenn Paarmann noch einmal betonte: „Wir wollen hier nichts einfrieren, jedes Haus kann natürlich weiter entwickelt werden. Sie sollen unsere Behörde nur einbeziehen.“ Allerdings befürchteten nicht nur Altbürgermeister Klaus Nielsky und Jörn Ross, Ältermann der Fischerzunft, dass dabei trotz steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten zu hohe Kosten auf die Anwohner zukämen. „Der denkmalpflegerische Aufwand ist so hoch, dass viele ihn sich nicht leisten können. Am Ende verkommen die Häuser. Da hat doch keiner etwas von“, mahnte Nielsky.

Ob die Ratsversammlung die Unterschutzstellung des Holms noch verhindern kann? Das war die Frage, mit der die Veranstaltung zu Ende ging. Wahrscheinlich nicht, lautete die etwas schwammige Antwort. „Aber so etwas hat es in all den Jahren, die ich im Landesamt bin, noch nie gegeben. Ich hoffe, dass wir zusammen eine gute Lösung finden“, sagte Paarmann abschließend.

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erstellt am 05.Nov.2016 | 08:14 Uhr

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