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Schleswiger Nachrichten

28. März 2017 | 00:31 Uhr

Reportage im Sportschützenheim : Den Finger am Abzug

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zwischen Fahrkarte und Volltreffer: Unsere Redakteurin Tina Ludwig hat den Selbstversuch auf dem Schützenstand gemacht.

„Gut Schuss!“ – mit diesem Spruch werden die Sportschützen ermuntert, wenn sie im Idstedter Schützenheim die Tür zum Kleinkaliber-Schießstand öffnen. Ihre Leistungen bei verschiedenen Wettkämpfen sind oft Thema in der Berichterstattung unserer Zeitung. Das war nun für mich ein Anlass, mich beim wöchentlichen Trainingsabend unter die Sportschützen zu mischen und zu erfahren, wie es ist, mit einem Gewehr auf ein Ziel zu schießen.

Mit Spartenleiter Edgar Petersen, Vereinsmitglied Manfred Griese und einer jungen Frau, ebenfalls „Neuling“, gehe ich in den unbeheizten Raum. „Schießerfahrung“ habe ich so gut wie keine. Lediglich vor einem halben Jahr habe ich am Gästeschießen in einem Biathlon-Stadion in Bayern teilgenommen und dort drei von fünf Scheiben abgeräumt. Das war schon ein kleiner Erfolg, an den ich nun anknüpfen möchte. Aber ob das klappt? Schließlich geht es jetzt nicht darum, die Scheibe irgendwie umkippen zu lassen. Es kommt darauf an, in die Mitte zu treffen – oder zumindest in die Nähe, denn jeder Millimeter kostet Punkte.

Edgar Petersen führt mich zu einem der vier digital ausgerüsteten Schießstände, an denen man auf 50 und 100 Meter schießen kann. 25  000 Euro wurden dafür vor sieben Jahren investiert. „Der geschlossene 100-Meter-Kleinkaliberstand ist der einzige, den es in Schleswig-Holstein, Hamburg und Nord-Niedersachsen gibt“, erzählt Petersen stolz. An Stand 2 liegt „mein“ Kleinkaliber-Gewehr. Kleinkaliber, erfahre ich später, bezieht sich nicht auf die Waffen-, sondern auf die Patronengröße. Petersen drückt mir die ungeladene Waffe in die Hand und zeigt mir, wie ich sie auf den Schießstand auflege. „Sie müssen das Gewehr wegen des Rückschlags gegen die Schulter drücken“, erklärt er. Da wird mir etwas mulmig. „Wie stark ist der Rückschlag wohl?“, frage ich mich. Um mich nicht vor dem Knall des Schusses zu erschrecken, bekomme ich Ohrenschützer. Petersen legt eine Patrone ein und dann geht es los. Mit dem Zielfernrohr peile ich den schwarzen Punkt an, der 50 Meter entfernt ist. Doch es ist gar nicht so einfach, ihn genau in die Mitte zu bekommen. Immer wieder schweift das Gewehr ab. „Achten Sie auf einen festeren Stand“, ruft Petersen hinter mir. Dem Fachmann ist aufgefallen, dass ich etwas wackele. Neben mir drückt die junge Frau ab und ich zucke etwas zusammen. Nun bin ich dran. Ich schaue erneut durch das Zielfernrohr und ziehe am Abzug. Der Bildschirm neben mir zeigt 6,7 Ringe an. „Das ist nicht schlecht“, lobt Petersen. 10,9 ist die beste Wertung – da ist also noch Luft nach oben. „Ich mache meistens 15 Schüsse zum Warmwerden“, erzählt Griese. Preiswert ist der Schießsport nicht. Ein Gewehr kostet rund 3000 Euro, die meisten Mitglieder haben mindestens eine eigene Waffe – und die große Waffenbesitzkarte. Zudem müssen sie zu Hause einen abschließbaren Waffenschrank haben. „Im Sportschützenheim lagern die Waffen in einem alten Safe, den wir von einer Bank geerbt haben“, verrät Petersen.

Ich setze zum zweiten Schuss an. Plötzlich macht es „Klong“, ich zucke zusammen und schaue zur Seite. Die junge Frau neben mir hat ihre Scheibe verfehlt. Doch ich lasse mich davon nicht beirren und schieße erneut. Treffer! Wieder sehe ich auf der Anzeige sofort, wo mein Schuss gelandet ist. 5,4 Ringe, schade. Aber ich versuche es wieder. „Vor der digitalen Aufrüstung haben die Schützen auf Papierscheiben geschossen“, erklärt Petersen, der seit 26 Jahren Spartenleiter ist. „Die wurden dann durch ein Auswertegerät gezogen.“

Nach weiteren Schüssen mit dem Kleinkaliber-Gewehr nehmen mich Petersen und Griese mit in den Keller zum Luftgewehr-Schießstand. Acht Stände gibt es dort, auch sie haben digitale Anzeigen. Die Ergebnisse können nicht nur auf den dortigen Bildschirmen, sondern auch im Versammlungsraum gesehen werden. Für diese Investition wurden 21  000 Euro ausgegeben. Erleichtert stelle ich fest, dass die Scheiben nur zehn Meter entfernt sind. Doch Griese warnt: „Das macht die Sache aber nicht leichter“. Und Petersen fügt zu meiner Überraschung hinzu: „Die besten Ergebnisse erzielt man auf 100 Metern“. Nach einer kurzen Einweisung lege ich das Gewehr gegen die Schulter und ziele auf die Scheibe. Nach einem kurzen Knall schaue ich auf die Anzeige neben mir: 9,7! Griese und Petersen applaudieren. „Das war super!“, sagen sie. Auch der nächste Schuss kann sich sehen lassen – 8,8 Ringe gab es dafür. Die beiden langjährigen Sportschützen erzählen, dass das Mindestalter für Luftdruckwaffen zwölf Jahre ist, ab 14 Jahren dürfen Jugendliche unter Aufsicht auch mit Kleinkaliber-Waffen schießen.

Das Training ist zu Ende und das Sportschützenheim in Idstedt leert sich. Die meisten Schützen kommen in einer Woche wieder. Aber auch ich bin mir sicher: Das waren nicht die letzten Schüsse auf Scheiben, die ich abgegeben habe.

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erstellt am 09.Mär.2017 | 14:27 Uhr

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