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Schleswiger Nachrichten

07. Dezember 2016 | 17:30 Uhr

Stadtmuseum auf dem Prüfstand : Defizit wächst mit jedem Öffnungstag

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Landesrechnungshof rät, den Personalaufwand zu reduzieren. Die CDU fragt: Warum so späte Einsparungsvorschläge?

Das Stadtmuseum Schleswig kostet jeden Tag mehr Geld, als es einnimmt. Dieses Defizit wächst und wächst – um 1600 Euro mit jedem Öffnungstag. Das führt der Landesrechnungshof (LRH) jetzt in seinem aktuellen Prüfbericht an. Und: Nur 41 Besucher durchschnittlich finden an Öffnungstagen den Weg ins Stadtmuseum. So musste die Stadt laut LRH-Bericht im Jahr 2013 pro gekaufter Eintrittskarte 40,68 Euro dazuzahlen, um die Existenz des Stadtmuseums zu sichern. Daher sehen die Rechnungsprüfer im Stadtmuseum dringenden Handlungsbedarf, um die Sache nicht länger aus dem Ruder laufen zu lassen. Denn das kleine Museum belastet den Haushaltsetat der Stadt Schleswig mit jährlich fast 600  000 Euro. Dem stehen lediglich Erträge von etwa 50  000 Euro gegenüber. Für die Differenz kommt naturgemäß der Steuerzahler auf.

Das vom Stadtmuseum unermüdlich produzierte Minus rührt größtenteils von den Personalkosten her, ermittelte der Rechnungshof – und hat die 9,48 Vollzeit-Stellen im Blick, die sich dort derzeit 16 Mitarbeiter teilen. Da die Eintrittspreise mit fünf Euro je erwachsenem Besucher angemessen ausfielen, könne der Zuschussbedarf nur eingedämmt werden, wenn die Kosten gestoppt werden, sagen die Experten und schlagen Lösungen vor, mit denen etwa 230  000 Euro eingespart würden. Dies sind:

>Dependancen wie die Outsiderkunst und das Holm-Museum aufgeben

> den Personalaufwand reduzieren

> die Öffnungszeiten einschränken > die Museums-Leiterstelle neu bewerten.

Mit dem letzten Punkt wollte die CDU schon mal anfangen, als sie bei den Haushaltsberatungen für 2016 gegen den anfänglichen Widerstand der Verwaltung und gegen den Willen der SPD durchsetzte, im Stellenplan der Stadt den freiwerdenden Posten von Museumsleiter Holger Rüdel mit einem Sperrvermerk zu versehen. Denn dieser geht im September in Pension.

„Wir wollten mit unserem Antrag damals erreichen, dass die Wiederbesetzung dieser Stelle nur durch die Ratsversammlung freigegeben werden kann“, erklärte CDU-Fraktionschef Holger Ley gestern gegenüber den SN. Denn sonst „hätte die Verwaltung womöglich die Stelle einfach intern wiederbesetzt, und die Chance für eine strukturelle Veränderung im Stadtmuseum wäre damit für lange Zeit vertan gewesen“, meint Ley. Mit einem Abstimmungsergebnis von 16:9 hatte dann der Rat im vergangenen Dezember dem CDU-Antrag zugestimmt, den Sperrvermerk für die Museumsstelle so lange bestehen zu lassen, „bis die Stadtverwaltung endlich ihre Einsparungsvorschläge für das Stadtmuseum schriftlich vorlegt“. Diese Forderung an Bürgermeister Arthur Christiansen wurde ebenfalls von den Grünen, dem SSW sowie von FDP und den Wählergemeinschaften mit unterstützt.

Im Rathaus fragten die SN nun gestern nach, ob und wann Bürgermeister Arthur Christiansen die Einsparvorschläge präsentieren wird und auch, ob es bereits ein Zwischenergebnis gibt. Stadtsprecherin Antje Wendt erläuterte, dass der Bürgermeister in der Folge des CDU-Antrags die Lenkungsgruppe „Zukunft Stadtmuseum“ eingerichtet habe, der unter anderen Ratsmitglieder, Verwaltungsvertreter sowie der Stadtrechnungsprüfer angehörten. In dieser Lenkungsgruppe sollen die Einsparvorschläge des Landesrechungshofes auf die Umsetzbarkeit hin geprüft werden. Ein Zwischenergebnis gebe es aber noch nicht. Die Erkenntnisse der Lenkungsgruppe würden am 5. Oktober mitgeteilt werden, sagte Wendt.

Bürgermeister Christiansen betont dazu in seiner Stellungnahme: „Die Politik ist sich in großen Teilen mit mir einig, dass das Museum als solches erhalten bleiben soll, auch weniger kostenintensiv. Fest steht jedoch, dass ,Museum nicht gleich Museum‘ ist und dass der Vergleich, wie er vom Rechnungshof aufgeführt wurde, von uns kritisch hinterfragt und geprüft wird.“ Derweil will die Stadtverwaltung im nächsten Kulturausschuss am 25. Mai einen Beschlussvorschlag einbringen, in dem der Sperrvermerk für die Museumsleiterstelle wieder aufgehoben werden soll – und zwar „für die Schaffung einer Interimslösung zur Besetzung einer Fachdienstleiter-Stelle und zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes“, wie es heißt.

„Der Zeitplan des Bürgermeisters überrascht uns“, wundert sich hingegen Holger Ley. „Wenn Museumsleiter Rüdel bereits im September geht, warum werden dann die Vorschläge der Lenkungsgruppe zur Museumszukunft erst im Oktober präsentiert?“ Und warum überhaupt wieder eine Lenkungsgruppe eingerichtet worden sei, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit agiere, halte er für ebenfalls nicht ganz nachvollziehbar, merkte der CDU-Fraktionsvorsitzende an.

Kulturausschuss-Vorsitzende Babette Tewes (Grüne) betonte: „Ich halte es für wichtig, dass die Stelle nicht vakant bleibt, bis die Verwaltung ein schlüssiges Konzept erarbeitet hat. Denn die unbesetzte Leitung würde sich negativ auf das Stadtmuseum auswirken, für das Veranstaltungen und Ausstellungen organisiert werden müssen.“ Die Grünen sind dafür, betont sie, dass der Sperrvermerk „nur für eine Übergangslösung“ aufgehoben werde.

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erstellt am 12.Mai.2016 | 14:18 Uhr

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