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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 00:56 Uhr

Bauruinen in Schleswig : Das widerspenstige Ratten-Haus

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Hesterberg 6: Der Eigentümer meldet sich nach Abriss-Aufforderung durch die Stadt – und zieht dagegen vor Gericht.

Die unendliche Geschichte vom Ratten-Wohnhaus Hesterberg Nr. 6 – sie findet immer wieder ihre Fortsetzung. Und manche Überraschung. So gibt es für die Anwohner des Hesterbergs in dieser Sache weiterhin kein Happyend – den Abriss. Noch vor einem Jahr hieß es, die Stadt könne den Abrissbagger bestellen. Doch dann tauchte der seit vielen Jahren als unauffindbar geltende Eigentümer auf und stellt sich nun quer, nachdem die Stadt ihm eine sogenannte Abbruch-Anordnung zugestellt hatte. Das war Anfang des Jahres. Der Rattenloch-Besitzer setzte sich daraufhin juristisch gegen die Aufforderung zum Abriss zur Wehr. Nun liegt es am Verwaltungsgericht, wie es weitergeht. „Uns als Stadt sind für weitere Schritte zunächst die Hände gebunden, bis eine juristische Entscheidung gefallen ist“, erklärte Rathaus-Sprecherin Antje Wendt dazu gestern auf SN-Anfrage.

Diese Entwicklung bedeutet für viele Hesterberger: Tief durchatmen, nicht verzweifeln und sich weiter in Geduld üben. Das machen sie nun seit mehr als 16 Jahren. Solange schon leben sie mit dem Blick auf das verfallene Etablissement, das sich vor allem Ratten und ähnlich lichtscheuem Getier empfiehlt. Nur vom Schädlingsbekämpfer, den die Stadt schickt, bekommen sie hin und wieder Besuch. Und Bäume und Sträucher wachsen nicht nur in das Haus hinein, sondern mittlerweile sogar aus dem Haus heraus. Helge Lehmkuhl, CDU-Ortsvorsitzender und selbst Hesterberg-Anwohner, hatte im Juli 2015 das Thema Schrott-Immobilien, darunter die im Hesterberg 6, in den Bauausschuss gebracht. Kommunalpolitiker und Bürgermeister kamen wenig später überein, die juristischen Voraussetzungen schaffen zu wollen, um den Abriss einleiten zu können. Die Hesterberg-Anwohner freuten sich schon. Doch nun also wird die Warterei weiter anhalten.

Hätte der Ruinen-Besitzer sich nicht gerührt, nachdem er die „Beseitigungsanordnung“ von der Stadt bekommen hat, und hätte er nicht dagegen juristischen Widerspruch eingelegt, dann hätte die Stadt den Handlungsspielraum für eine „Ersatzvornahme“ gehabt. Das bedeutet: Sie kann den Abriss selbsttätig vorweg nehmen, erläutert Wendt.

Bürgermeister Arthur Christiansen betont gegenüber den SN: „Schrott-Immobilien in Schleswig sind uns allen ein Dorn im Auge. Aber es ist wichtig, hier den juristisch einwandfreien Weg zu gehen, auch wenn das Zeit kostet. Doch wenn die Stadt am Ende erfolgreich ist, haben wir ein eindringliches Exempel statuiert und werden zukünftig vielleicht schneller zum Ziel kommen.“

Das große Ärgernis dabei ist, dass Besitzer nicht nur ihre eigenen Häuser verkommen lassen und einen unschönen Anblick bieten, sondern, dass sie dadurch den Wert der benachbarten Immobilien ebenfalls senken.

So war es auch im Domziegelhof Nr. 33a. Quasi das Zwillingshaus von Hesterberg Nr. 6. Doch hier gibt es eine gute Nachricht: Da dessen Besitzer das bröckelnde Eternit-Gebilde offenbar nicht selbst beseitigen will oder kann, wird die Stadt tätig und bestellt den Abriss-Bagger. Das soll noch in diesem Jahr passieren, heißt es im Rathaus. Die Kosten für den Abbruch muss die Stadt zwar vorschießen, wird dann jedoch jeden juristischen Hebel ansetzen, um diese zurückerstattet zu bekommen.

Der Domziegelhof aber kehrt zurück zu seiner eigentlichen Bestimmung – als ruhige Wohnstraße mit schön hergerichteten Häusern.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 07:10 Uhr

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