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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 02:56 Uhr

Hertie-Abriss in Schleswig : „Das geht so nicht“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

CDU und Grüne kritisieren, dass der Bürgermeister die Hertie-Immobilie ohne Zustimmung der Kommunalpolitik abreißen will.

Wie nebenbei hatte Bauamtsleiterin Britta Gutknecht gestern im Bauausschuss in ihrem Verwaltungsbericht den Hertie-Abriss angekündigt: „Ja, und dann wären wir im kommenden Frühjahr mit den Vorbereitungen so weit, dass wir mit dem Abbruch beginnen können.“ Nur eine Sekunde später war Steffen Hempel von den Grünen zur Stelle. Und hakte entsetzt nach: „Wieso Hertie-Abriss? In welchem Gremium ist das beschlossen worden? Und warum ist das am Bauausschuss total vorbeigegangen?“ Gutknecht entgegnete, dies sei in der Lenkungsgruppe so beschlossen worden, in der doch die meisten Bauausschussmitglieder vertreten seien.

Damit bot sie gleichzeitig auch der CDU eine Steilvorlage. Denn die hatte sich bereits im Juni über genau diese Vorgehensweise von Stadtverwaltung und Bürgermeister laut geärgert. So rief deren Vorsitzender Helge Lehmkuhl, der den Bauausschuss gestern leitete, jetzt nochmals in Erinnerung: „Das ist das, was wir monieren. So ein Thema kann in einer nicht-öffentlichen Lenkungsgruppe zwar besprochen, aber doch niemals entschieden oder gar beschlossen werden. Die Abstimmung gehört einzig und allein in den Bauausschuss.“ Lehmkuhl weiter: „Das geht so nicht. Hier einfach mal durch die kalte Küche uns den Abriss mitzuteilen, als wäre das eine Bagatelle – da werden Bauausschuss und Selbstverwaltung einfach übergangen.“

Man ärgere sich zudem darüber, führte Lehmkuhl aus, dass man von Bürgermeister Arthur Christiansen „selbst auf unsere mehrfachen Nachfragen hin“ keine Antwort erhalten habe. Er sage nur ständig, man könne nach dem Abriss das „leergeräumte Hertie-Areal viel besser vermarkten“. Dabei, so Lehmkuhl, „spricht der Bürgermeister immer von Investoren, die er angeblich an der Hand hat“. Das seien jedoch Sprüche, an die er nicht glaube.

Steffen Hempel bekräftigte, man könne nicht einfach den Abriss einleiten und hoffen, dass dann alles besser vermarktet werde. Eckhard Haeger (SPD) meinte beschwichtigend: „Ja, das alles ist ein bisschen unglücklich gelaufen, aber das Ziel, das Hertie-Haus abzureißen, ist doch richtig!“

Steffen Hempel schloss sich der Forderung von Helge Lehmkuhl an: „Wir brauchen von der Stadtverwaltung für den Bauausschuss eine formale Beschlussvorlage über den Hertie-Abriss, um darüber abstimmen zu können.“

Zum Verhalten der Stadt in Sachen Hertie-Abriss erklärte Rathaus-Sprecherin Antje Wendt nach Sitzungsende auf SN-Nachfrage: „Der Abriss des Hertie-Gebäudes ist im sogenannten Maßnahmenkatalog für die Innenstadtsanierung enthalten, und der vorgesehene Abriss wird so zu zwei Dritteln mit Fördermitteln finanziert.“ Das restliche Drittel sei als Eigenmittel bereits im Haushalt verankert und dadurch von den Gremien beschlossen worden. „Deshalb haben wir das Abriss-Projekt nicht noch einmal den Ausschüssen vorgelegt.“

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erstellt am 07.Sep.2016 | 17:18 Uhr

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