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Schleswiger Nachrichten

08. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Aus für Flüchtlingsunterkunft : Containerdorf Eggebek wird geschlossen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Einrichtung ist seit Monaten schwach besetzt. Jetzt hat das Innenministerium einen Schlussstrich gezogen.

Es sind noch nicht einmal fünf Monate vergangen, seit die ersten Flüchtlinge in der Landesunterkunft Eggebek mit großem Brimborium willkommen geheißen wurden. Der Innenminister war mit seiner Frau in das Dorf aus 440 Containern auf dem ehemaligen Flugplatzgelände gekommen, Landespolitiker und Bürgermeister gaben Interviews und lobten die Qualität der Unterkünfte und der Betreuung. Jetzt soll damit schon wieder Schluss sein.

Am Dienstag wird Innenminister Stefan Studt in Kiel eine Pressekonferenz geben, in der er die neue Struktur der Erstaufnahme-Einrichtungen und Landesunterkünfte erläutert. Dann wird er unter anderem verkünden, dass die neue Unterkunft in Eggebek wieder geschlossen wird.

Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten gibt sich auf Nachfrage zurückhaltend und verweist auf den Termin mit dem Minister. „Die Veränderung der Struktur ist eine Reaktion auf die Erfahrungen der vergangenen drei Monate“, erklärt Landesamt-Sprecherin Magdalena Drywa und spricht damit die Folgen der Internationalen Politik an. Die meisten Grenzen sind inzwischen geschlossen, im Juni wurden Schleswig–Holstein nur noch 447 Flüchtlinge zugewiesen.

Zurzeit gibt es im Land elf Einrichtungen mit einer Kapazität von über 9000 Plätzen, die zu unter zehn Prozent belebt sind. Zusätzlich stehen in Itzehoe, Husum, Leck und Kellinghusen vier Einrichtungen leer oder sind im Aufbau begriffen – Reserven, die im vergangenen Jahr geschaffen wurden, als 55  000 Flüchtlinge aufgenommen werden mussten. Jetzt soll die Gesamtkapazität offenbar spürbar reduziert werden.

Eggebek hat Plätz für 500 Flüchtlinge. Zurzeit sind dort 46 untergebracht, wie Magdalene Drywa erläuterte. Zu einzelnen Einrichtungen wollte sie sich nicht äußern, nach Informationen unserer Zeitung aber steht das Containerdorf Eggebek auf der Streichliste des Innenministeriums. Das liegt unter anderem an den vertraglichen Bindungen für das Gelände, das 40  000 Euro Miete pro Monat kosten soll. Der Vertrag läuft noch bis Ende September und hätte sich automatisch um ein Jahr verlängert, wenn die Kündigung nicht bis zum 30. Juni erfolgt wäre. Das aber ist nach den Informationen rechtzeitig geschehen. Zudem soll es zurzeit Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer über eine Verlängerung bis zum Jahresende geben, um das Gelände wieder räumen zu können.

Unbeantwortet ist bisher die Frage, warum die funktionsfähige Einrichtung in Eggebek geschlossen wird, während andere wie beispielsweise in Leck gerade im Aufbau befinden. Immerhin ist sehr viel Geld in die Errichtung geflossen – nicht nur für die Grundstücksmiete, sondern auch 800  000 Euro für den Einsatz des Kampfmittelräumdienstes und jährlich 1,5 Millionen für die Anmietung der Container. Sollte Eggebek durch den größeren Standort in Leck (geplant sind 1340 Plätz) ersetzt werden, könnten die Container dort nicht einmal weiterverwendet werden – in Leck sind schon eigene Container angeliefert worden.

Bürgermeister Willy Toft hat die Entwicklung schon seit Jahresbeginn zumindest geahnt. „Da waren ja teilweise mehr Betreuer als Flüchtlinge – so macht sich die große Politik denn auch in Eggebek bemerkbar.“ Durch die Schließung der Einrichtung erwartet Toft keine großen Veränderungen im Dorf. „Der Kaufmann und die Tankstelle werden vielleicht Umsatzeinbußen haben, ansonsten aber bleibt alles, wie es ist. Wir hatten uns gut mit den Menschen im Containerdorf arrangiert.“

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erstellt am 08.Jul.2016 | 12:10 Uhr

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