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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

Schleswigs Bürgermeister : Christiansen: „Das Parkhaus ist für mich zweitrangig“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bürgermeister Arthur Christiansen spricht vor Kieler Politikstudenten – und gibt überraschende Einblicke in seine persönliche Prioritätenliste.

Rost im Beton, die mittlere Parkebene wegen Problemen in der Statik zum Großteil gesperrt. Das Parkhaus am Schwarzen Weg befindet sich in einem jämmerlichen Zustand. Ratsmitglieder wie zuletzt CDU-Fraktionschef Holger Ley werfen Bürgermeister Arthur Christiansen vor, er würde sich nicht mit dem nötigen Nachdruck um das Problem kümmern.

Zwei Kieler Studentinnen bestätigen jetzt diesen Eindruck. Sie berichten von einem offenbar denkwürdigen Auftritt Christiansens Ende Juni kurz vor den Semesterferien als Gast in einer Vorlesung des Politik-Professor Christian Martin über das politische System Deutschlands. Christiansen berichtete dort von seinem Alltag als Leiter einer Kommunalverwaltung – und nahm kein Blatt vor den Mund. Unter den rund 300 Besuchern der Vorlesung waren auch mehrere Studenten, die aus Schleswig und Umgebung stammen. Sie stellten dem Gast natürlich auch Fragen zu aktuellen Problemen in ihrer Heimatstadt. Unter anderem ging es um das Parkhaus.

Christiansens Antwort, wie die Studentinnen sie mitgeschrieben haben: „Das Parkhaus ist für mich zweitrangig. Für mich gibt es wichtigere Dinge, als mich mit dem Parkhaus zu beschäftigen.“ In seinem Vortrag, der nach Wahrnehmung der Studentinnen gleichzeitig von Nervosität und demonstrativem Selbstbewusstsein geprägt war, verriet er dann auch noch, welche Taktik er angewandt habe, um die Bevölkerung vom Parkhaus-Problem abzulenken: „Um die Presse endlich vom Parkhaus wegzulocken, habe ich Hertie in den Vordergrund geschoben.“ Über sein Verhältnis zur Presse, also auch zu den Schleswiger Nachrichten, habe er außerdem gesagt, so zitieren ihn die Studentinnen: „Ich hasse die Presse.“

Auf Nachfrage bestreitet Christiansen diese Zitate nicht, möchte sie aber anders interpretiert wissen, als es die Besucher der Politik-Vorlesung getan haben. „Die Studentinnen müssen etwas grundsätzlich missverstanden haben“, sagt der Bürgermeister, bestätigt aber, dass es aus seiner Sicht noch Jahre dauern dürfte, bis sich am Zustand des Parkhauses etwas ändert. Er sagt: „Natürlich hat das Parkhaus eine hohe Priorität, aber nicht die erste Priorität.“ Dafür gebe es mehrere Gründe. Als ersten nennt er in einer schriftlichen Stellungnahme: „Hertie und das Eckgebäude werden abgebrochen und stellen laut Rahmenplan mit dem zukünftigen Kulturplatz das neue Entree der Innenstadt dar.“ Mit dem Begriff „Rahmenplan“ bezieht sich Christiansen auf die geplante Innenstadt-Sanierung, die das Bild der Fußgängerzone in den nächsten Jahren grundlegend verändern soll.

In diesem Rahmenplan ist zwar auch das Parkhaus enthalten, der Bürgermeister nennt jedoch mehrere Gründe, warum sich dort in den kommenden Jahren wohl erst einmal nichts ändern wird. Als erstes verweist er auf einen Prüfauftrag des Bauausschusses auszuloten, ob die Stadt das Parkhaus, anstatt es an einen privaten Investor abzugeben, selbst sanieren oder neu bauen könne. Auch ohne diesen Prüfauftrag, schreibt Christiansen weiter, wäre „eine privatwirtschaftliche Vermarktung kaum realistisch“ – und zwar deshalb nicht, weil die Stadt noch nicht entschieden hat, ob sie Parkgebühren einführen will. Dazu werde die Stadtverwaltung allerdings noch in diesem Jahr einen Vorschlag machen.

Im vierten und letzten Punkt seiner Stellungnahme verweist Christiansen auf die Feuerwache an der Königstraße, die gleich neben dem Parkhaus liegt. Weil beide Grundstücke – also Parkhaus und Feuerwache – im Rahmenplan miteinander verknüpft sind, könne man das Parkhaus erst sanieren oder neu bauen, wenn die Feuerwehr in ihre neue Wache am Kattenhunder Weg umgezogen ist, und das werde „frühestens im Jahr 2019“ der Fall sein.

Auch zu seinem Verhältnis zur Presse nimmt der Bürgermeister Stellung: „Ich hasse die Presse nicht, ich hasse schlechtes Wetter. Es sind alles liebe Kollegen, die gern in ihrer Art und Weise Bericht erstatten. Dass sie mir nicht immer gefällt, habe ich zur Kenntnis zu nehmen.“

 

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erstellt am 31.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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