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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 03:34 Uhr

Schleswig-Flensburg : Chaos bei der AfD: Kreisvorstand tritt zurück

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der AfD-Kreisvorstand Flensburg-Schleswig steht ohne Führung da. Der Vorsitzende Frank Hansen und fünf weitere Kollegen des achtköpfigen Vorstands haben auf dem Kreisparteitag in Schleswig ihre Ämter niedergelegt.

Schleswig | Der AfD-Kreisvorstand Flensburg-Schleswig steht seit dem Wochenende ohne Führung da. Der Vorsitzende Frank Hansen und fünf weitere Kollegen des achtköpfigen Vorstands haben auf dem Kreisparteitag in Schleswig ihre Ämter niedergelegt.

Die Presse war zu dem Konvent nicht eingeladen. Doch wie die Schleswiger Nachrichten jetzt erfuhren, erlebten die 36 Anwesenden eine äußerst turbulente Veranstaltung im Hotel „Hohenzollern“. Im Mittelpunkt stand die seit längerem andauernde Fehde zwischen Hansen und dem Beisitzer Jörg Zemke, die nun eskalierte. „Sein Rechenschaftsbericht bestand aus einer einstündigen Hasstirade gegen mich“, berichtete Zemke auf Anfrage.

Hansen stellte auf dem Parteitag einen Abwahlantrag gegen seinen unliebsamen Vorstandskollegen, erreichte bei der Abstimmung aber nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit. „Wir sind dann zurückgetreten, um den Weg für einen Neuanfang frei zu machen“, sagte Hansen. Mit den verbliebenen Beisitzern Zemke und Jan Petersen-Brendel ist der Vorstand nicht mehr handlungsfähig. Der Landesvorstand der AfD wird nun einen außerordentlichen Kreisparteitag einberufen, damit eine neue Führungsriege gewählt werden kann. Er selbst wolle dann wieder antreten, kündigte Hansen an. Der Berufssoldat aus Langballig hatte den Vorsitz erst vor gut einem Jahr übernommen. Auch zu der Zeit befand sich der Kreisverband in einer schweren Krise, nachdem der damalige Vorsitzende Peter Haacke aus Protest gegen den Rechtsruck der AfD seinen Posten geräumt hatte.

Der Eggebeker Zemke übt scharfe Kritik am Führungsstil Hansens. „Was im Kreisvorstand abgeht, ist eine Katastrophe.“ Er habe mehrere Schiedsgerichtsverfahren gegen den bisherigen Parteichef initiiert, dessen Ergebnisse noch ausstünden, so Zemke. Dabei gehe es unter anderem darum, dass er per Vorstandsbeschluss aus seinem Amt als Protokollführer gedrängt worden sei. Einen solchen Beschluss könne jedoch nur ein Parteitag fassen. Auch wirft Zemke Hansen mangelnde Kritikfähigkeit vor. So habe dieser ihm nicht verziehen, dass er beim Landesparteitag in Henstedt-Ulzburg thematisiert hatte, dass Hansens Ehefrau Pressesprecherin des SPD-Kreisverbandes Schleswig-Flensburg ist.

Auch mit der Landespartei geht Zemke, der zur Landtagswahl 2017 im Wahlkreis 5 (Schleswig) als Direktkandidat antritt, hart ins Gericht. Der Parteitag in Henstedt-Ulzburg sei eine „Farce“ gewesen, die Aufstellung der Landesliste hinter den Kulissen ausgeklüngelt worden. Das entspreche nicht seinem Verständnis von Basisdemokratie. „Ich bin von dieser Partei enttäuscht.“

Hansen wollte sich nicht konkret zu Zemkes Vorwürfen äußern. Er sagte lediglich: „Bis zum Sommer waren wir ein geschlossener und wohl organisierter Kreisverband. Leider ist es möglich, dass wenige Leute viel Schaden anrichten können.“

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erstellt am 08.Nov.2016 | 20:30 Uhr

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