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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Tarp : Busflaute in den Sommerferien

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Verschiebung der Abfahrtszeiten führt dazu, dass eine alleinerziehende Mutter ihren Arbeitsplatz nicht rechtzeitig erreichen kann.

Finja Wedding aus Tarp ist enttäuscht. Die 29-Jährige arbeitet in Flensburg und war bisher immer eine begeisterte Busfahrerin. Das Flensburger Unternehmen Gorzelniaski habe sie immer zuverlässig von Tarp in die Stadt gebracht. „Doch jetzt ist leider Schluss damit“, erzählt die alleinerziehende Mutter.

Das Problem begann mit dem Zusammenschluss der Linien 1550 und 21. Dadurch fährt der Bus jetzt zwar von Eggebek bis nach Glücksburg, aber die Fahrzeiten haben sich verändert. Nach einer Umfrage unter den Fahrgästen wurde die Abfahrt des Busses von 7.25 Uhr auf 7.15 Uhr verlegt. „Das ist für mich durchaus passend. Eine Abfahrt vor sieben Uhr kam für mich nicht in Frage, da ich meinen Sohn noch in die Kita bringen muss, und die öffnet erst um 7 Uhr.“ Ein eigenes Auto kann sie sich nicht leisten.

Zum 1. Mai kam der Fahrplanwechsel – mit der Einschränkung, dass der Bus um 7.15 Uhr nicht in den Ferien fährt. Bei der bisherigen Abfahrt um 7.25 Uhr sei das der Fall gewesen. Wedding müsste in den Ferien also auf die Verbindung um 6.45 Uhr oder 7.45 Uhr ausweichen. Beide Abfahrtszeiten sind für sie jedoch nicht machbar. „Wenn ich mit dem frühen Bus fahren würde, dann hat der Kindergarten noch geschlossen, mit dem späteren Bus komme ich zu spät zur Arbeit“, erläutert die Tarperin ihr Dilemma. Die Angestellte habe bei der Stadt zwar Gleitzeit, müsste so aber regelmäßig eine Stunde nacharbeiten. „Ich kann das Busunternehmen ja verstehen, dass es in den Ferien eine geringere Nachfrage sieht. Aber das ist nicht der Fall. Auch viele andere Arbeitnehmer, ältere Menschen und Flüchtlinge nutzen den Bus, um nach Flensburg zu kommen.“ Die Schüler würden nur einen Teil der Passagiere ausmachen. Gerade auf dem Dorf sei es für viele Menschen wichtig, dass sie mit dem Öffentlichen Nahverkehr pünktlich zur Arbeit kommen können. „Oft ist die Bahn, wie in diesem Fall, keine Alternative, und es gibt kein anderes Unternehmen, das diese Strecke bedient.“

Wedding hat sich mit ihrem Problem bereits an das Busunternehmen gewandt. „Zunächst telefonisch, da konnte mir aber niemand helfen. Dann habe ich ein Schreiben verfasst.“ Die Antwort von Gorzelniaski ließ nicht lange auf sich warten. Unter anderem heißt es: „Leider finden diese Entscheidungen nicht bei jedem Fahrgast Zuspruch, da der Öffentliche Personennahverkehr kein Individualverkehr ist.“ Julia Andersen, zuständig für die Disposition bei Gorzelniaski, erklärt die geänderten Fahrzeiten in den Ferien auf Nachfrage so: „Für die Ferienzeit haben wir einen Stundentakt geschaffen, so wie es der regionale Nahverkehrsplan vorsieht. Mit dem Fahrplanwechsel musste ein gleichbleibender Stundentakt durchgesetzt werden.“ Der Bus um 7.15 Uhr sei ein zusätzliches Angebot im Halbstundentakt. „Die Fahrgastzahlen sind in den Ferien rückläufig, daher gehen wir davon aus, dass die Abfahrt der Busse im Stundentakt ausreichend ist“, sagt sie. Dennoch hat sie Verständnis für das Anliegen von Wedding. Die Beschwerde der 29-Jährigen ist ihr in Erinnerung geblieben: „Sie befindet sich in einer schwierigen Position, das verstehen wir. Wir sind ein kundenorientiertes Unternehmen und nehmen Beschwerden ernst“, versichert sie. Bisher sei Wedding jedoch die Einzige, die sich über die Änderung in den Ferien beklagt hat. „Wir behalten das Problem im Hinterkopf und nehmen es für die weitere Planung des Fahrplans auf“, verspricht sie.

Für Finja Wedding, die sich inzwischen für die ersten zwei Wochen der Sommerferien eine Mitfahrgelegenheit organisiert hat, bleibt die Verschiebung der Abfahrtszeit dennoch ein Problem. „Ich weiß noch nicht, wie ich den Rest der Ferien pünktlich nach Flensburg kommen soll“, sagt sie.

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erstellt am 01.Aug.2016 | 11:56 Uhr

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