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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 16:33 Uhr

Bürgerinitiative auf Abwegen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Was ist bloß in die Bürgerinitiative „Gegen CO2- Endlager“ gefahren? Vor zwei Tagen veröffentlichte sie eine Mitteilung auf ihrer Homepage und verteilte sie an die Medien, in der sie Reinhard Gast von der Erschließungsfirma Central Anglia als Hochstapler bezeichnet. Man kann von dessen Idee, unter Angeln nach Erdöl zu suchen, ja halten, was man will. Im Kampf gegen das Vorhaben auf persönlicher Ebene zu schießen, zeugt aber nicht von gutem Stil. Die Bürgerinitiative (BI) verbreitet, Gast habe sich gegenüber der Öffentlichkeit „als Professor wegen seiner angeblichen Dozententätigkeit an der TU Clausthal“ ausgegeben, und das sei gleich in zweierlei Hinsicht falsch, Zitat: „Dieser vorgeblichen, aus unserer Sicht völlig unglaubwürdigen Professur wurde von Seiten der Bürgerinitiativen unverzüglich nachgegangen mit dem Ergebnis, dass er dort kein Dozent ist.“ Die TU Clausthal kenne ihn nicht, und die Landesregierung Hessen habe nach eigener Aussage nie einen Reinhard Gast zum Professor ernannt. Überschrift also: „Antragsteller für die Erdölförderung ein Hochstapler?“ Bei einer so klaren Einschätzung hätte man sich die Fragezeichen eigentlich sparen können. Oder trauen die CO2- Gegner ihrer eigenen Courage plötzlich nicht mehr? Frei nach dem Motto: Wir hauen eine Behauptung raus, und wenn sie doch widerlegt werden sollte, haben wir ja gar nichts getan, außer eine Frage zu stellen.

Wie wenig an den Vorwürfen dran ist, lässt sich schnell recherchieren. Reinhard Gast war belegbar als Dozent an der TU Clausthal tätig. Im Sommersemester 2006 etwa hatte er einen Lehrauftrag, Thema: „Siliziklastika“. Eine weitere Lehrtätigkeit übte er übrigens 2015 an der TU Bergakademie Freiberg aus. Und: Der Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, ernannte Dr. Reinhard Gast – wenn man denn der Ernennungsurkunde glauben darf – am 28. Februar 2013 zum Honorarprofessor. Gast ist zwar kein Ehrenprofessor (h.c.), eine Würde, die bundesweit höchst selten verliehen wird, durfte den Titel Professor allerdings guten Gewissens führen, als er ein halbes Jahr später vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags auftrat. Jener Sitzung, bei der der Verfasser der Presseinformation, BI-Vorsitzender Reinhard Knof, offenbar so einiges durcheinander gebracht hat. Tatsächlich wird hier versucht, einen Menschen zu diskreditieren. Damit tut sich die Bürgerinitiative keinen Gefallen. Nach ihrem erfolgreichen Kampf gegen die CO2-Verpressung vor einigen Jahren ist sie auf dem besten Wege, ihr gutes Image nachhaltig zu verspielen.

Die Initiative „Angeliter bohren nach“ hat sich übrigens ausdrücklich von den Äußerungen Knofs distanziert. „Wir haben moralisch und ethisch einen hohen Anspruch an uns, immer allen gegenüber möglichst fair und respektvoll zu bleiben“, teilen die Sprecherinnen Uta Bergfeld und Ingrid Lohstöter mit. Ein Anspruch, der auch den CO2-Gegnern gut zu Gesicht stünde.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 12:44 Uhr

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