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Schleswiger Nachrichten

10. Dezember 2016 | 09:49 Uhr

Medienangebote speziell für Asylbewerber : Bücherboxen als Integrationshilfe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswig profitiert von einer landesweiten Initiative von Büchereizentrale und Flüchtlingsrat.

Es gibt in Schleswig wohl keinen besseren Ort für diesen Termin. Als gestern im Rahmen der landesweiten Aktion „Willkommen in Schleswig-Holstein – Bücher und Spiele speziell für Flüchtlinge“ zwei prall gefüllte Medien-Kisten übergeben wurden, trafen sich alle Beteiligten in der Königstraße 6. Denn dort, in einer kleinen Wohnung am ZOB, hat die Flüchtlingshilfe Haddeby-Schleswig seit wenigen Wochen ihr festes Zuhause. Ein Ort, der längst zur zentralen Drehscheibe für alle rund 180 ehrenamtlichen Helfer aus der Stadt und dem Umland geworden ist.

Das betont auch Jutta Just, die eines der bekanntesten Gesichter der Flüchtlingshilfe ist. Sie nahm gestern stellvertretend für ihre vielen Mitstreiter die beiden Kisten entgegen. Überbringer waren Ursula Nielsen, die Leiterin der Stadtbücherei, und Helge Schütze als Vertreter der Nospa. Denn das Projekt ist auf Initiative der Büchereizentrale Schleswig-Holstein und des Flüchtlingsrates entstanden, die Sparkassen im Land übernehmen die Finanzierung von 110  000 Euro.

63 öffentliche Bibliotheken in ganz Schleswig-Holstein sind nun mit den Boxen versorgt worden, die gefüllt sind mit rund 50 Büchern und Spielen speziell für Flüchtlinge. Neben klassischen Wörterbüchern und Sprach-Lernheften (auch mit Audiodateien) sind auch Bücher aus den Bereichen deutsche Geschichte oder Landeskunde dabei. Eine Einführung in die Demokratie gehört ebenfalls dazu. Gleichzeitig können sich aber auch Flüchtlingslotsen etwa über die arabische Sprache schlau machen. Dabei gibt es jeweils Angebote sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Das wiederum gilt auch für die verschiedenen Spiele, die in den Boxen liegen, darunter zum Beispiel ein Deutschland-Memory. „Auf die Büchereien kommt durch die Vielzahl von Flüchtlingen eine große Herausforderung zu. Das merken wir auch hier in Schleswig. Die Nachfrage nach Medien, die sich mit Deutschland und der deutschen Sprache beschäftigen, ist groß“, erklärte Nielsen.

Die beiden Boxen, die ab sofort in der Flüchtlingsarbeit eingesetzt werden können, wird man allerdings nicht in der Bücherei finden, „sondern natürlich dort, wo die Asylbewerber hinkommen“, erklärte Jutta Just. Das kann sowohl das neue Büro in der Königstraße sein als auch andere Orte, wo Flüchtlinge und ihre Lotsen regelmäßig zusammentreffen, zum Beispiel in den verschiedenen Gemeindehäusern der evangelischen Kirche.

Wo sich das vielseitige Lernmaterial jeweils befindet, das wird man künftig auch von den Flüchtlingshelfern am ZOB erfahren. Denn das Büro ist an fünf Tagen pro Woche geöffnet (siehe Infokasten). Mit Barbara El Hawari, selbst Flüchtlingslotsin, konnte nun sogar eine 450-Euro-Kraft engagiert werden, die dort 28 Stunden im Monat im Einsatz ist und einen Großteil der Arbeit koordiniert. Die Kosten dafür teilen sich, ebenso wie bei der Finanzierung der Räumlichkeiten, die Stadt Schleswig, das Amt Haddeby und die evangelischen Kirchengemeinden.

Neben der Beratung von Lotsen und Flüchtlingen (2015 wurden alleine in Schleswig 355 Menschen untergebracht) zu den Themen Sprache, Arbeit und Freizeitgestaltung soll künftig auch ein Psychologe regelmäßig vor Ort sein, wie Jutta Just erklärte. Dieser solle dann nicht nur traumatisierten Frauen, Männern und Kindern zur Verfügung stehen, sondern auch den ehrenamtlichen Helfern, „wenn es mal nicht so läuft, wie man sich das erhofft hat.“ Insgesamt sei man auf einem guten Weg, was die Koordination und Vernetzung der Flüchtlingshilfe vor Ort angehe. „Aber wir brauchen noch mehr Helfer.“

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erstellt am 14.Jan.2016 | 07:18 Uhr

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