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Hochbetrieb im Hühnerhof : „Braune Eier sind doch viel schöner“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Wir halten keine weißen Hühner, weil die weißen Eier nur zu Ostern gefragt sind, das lohnt sich einfach nicht“, sagt Hühnerbauer Frank Jessen.

Mit bemalten Eiern haben Julia und Frank Jessen nichts am Hut. „Die hier sehen doch viel schöner aus“, sagt der Chef mit Blick auf die Paletten mit braunen Eiern, die sich im Hofladen der Familie stapeln. Bunte Eier erwarten die Kunden hier auch nicht – nur beste Qualität. Und weil die schon seit vielen Jahren regelmäßig geliefert wird, gibt es auch keine Klagen darüber, dass nicht einmal in der Osterzeit weiße Eier zum Selbstfärben im Angebot sind. „Wir halten keine weißen Hühner, weil die weißen Eier nur zu Ostern gefragt sind. Das lohnt sich einfach nicht.“

Kurz vor dem Osterfest herrscht auf dem Hof und im Laden der Familie Jessen direkt an der Nordstraße Hochbetrieb – im Laden, im Umgang mit den Hühnern und auch auf den Koppeln. „Wir verkaufen fast doppelt so viele Eier wie sonst“, schätzt Frank Jessen. Der größte Teil wird an die Frischemärkte vor allem in Flensburg geliefert, der Rest geht im eigenen Hofladen über den Tresen. Hier gibt es auch frische Hähnchen aus der eigenen Schlachterei, zudem Spargel, Gemüse und Kartoffeln, die von Kollegen aus der nächsten Umgebung stammen.

„Wir sind ein echter Familienbetrieb“, sagt Frank Jessen. Neben seiner Frau arbeitet auch der älteste Sohn Jes Johannes mit, der den Hof einmal übernehmen will, auch der jüngere Sohn und die Tochter helfen. Darüber hinaus gibt es zwei landwirtschaftliche Mitarbeiter, eine Angestellte im Laden und eine zum Sortieren und Verpacken der Eier.

Julia und Frank Jessen leiten den Betrieb gemeinsam – und sie sind sich auch über die besondere Art und Weise einig. „Ökologie und Nachhaltigkeit sind für uns Herzensangelegenheit“, sagt die Chefin, die allerdings Wert auf die Aussage legt, dass sie keine Bio-Bauern sind. „Bio ist eine Schublade. Und wir wollen uns nicht einengen lassen“, sagt Julia Jessen bestimmt. „Wenn der Einsatz eines Pflanzenschutzmittels sinnvoll ist, dann benutzen wir es auch“, ergänzt ihr Mann.

Die ökologische Ausrichtung macht sich auf dem Hof in mehrfacher Hinsicht bemerkbar. Der Freilandstall für 5500 Hühner ist 2003 für seine vielen innovativen Ideen vom Land Schleswig-Holstein und der Nordelbischen Ev.Luth. Kirche für beispielhafte Tierhaltung ausgezeichnet worden. Und auch die 7500 Tiere in dem Bodenhaltungsstall haben es nicht schlechter. Die Böden des Betriebs in Oxbüll haben seit mehr als zehn Jahren keinen Pflug gesehen: „Sie werden dadurch sehr effizient, schonend und mit niedrigen Nährstoffverlusten beackert. Dafür ist auch eine umfangreiche Fruchtfolge notwendig“, erklärt Frank Jessen.

Nachhaltigkeit und Werbung zugleich sind die kurzen Wege, die die Produkte des Hofes zurücklegen: Eier und Hühner werden nur im Raum Flensburg und im Hofladen verkauft – und dort haben die Kunden den Vorteil, die Hühner bei der Anfahrt mit eigenen Augen zu sehen, deren Eier sie anschließend kaufen. „Das kommt natürlich gut an“, sagt Frank Jessen. Dass sie von der Geflügelpest verschont wurden – dafür ist das Ehepaar einfach nur dankbar.

Ein mittelfristiges Ziel der Familie ist es, einen geschlossenen Kreislauf zu schaffen, indem sie neben Haltung, Schlachtung und Verkauf auch noch das Futter für ihre Hühner selbst anbauen. „Dafür sind allerdings hohe Investitionen für Silo, Trocknung und Mischtechnik nötig. Aber wir arbeiten dran.“

Während nebenan im Laden die Türglocke im Minutentakt läutet, beantworten Julia und Frank Jessen die Frage nach der Arbeitsbelastung. Beide lächeln. Ja, es gebe schon sehr viel zu tun. „Aber was gibt es besseres, als mit der ganzen Familie zusammen etwas zu tun, was man für richtig und sinnvoll hält?“, fragt Julia Jessen. Eine Antwort darauf erwartet sie nicht.

Im Laden läutet derweil die Türglocke im Minutentakt. Die Kunden kaufen ihre Ostereier, auch wenn sie braun sind. Yvonne Kubsch ist aus Ringsberg gekommen. Ostern kommt Besuch, für den will sie Eier aus dem Hofladen mit Lachs und Kaviar füllen. Während der Feiertage gönnt sich auch Familie Jessen nach dem vorösterlichen Trubel ein wenig mehr Ruhe. Und was kommt dann auf den Tisch? „Eier natürlich, viele Eier“, grinst Frank Jessen.

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erstellt am 15.Apr.2017 | 18:37 Uhr

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