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Schleswiger Nachrichten

05. Dezember 2016 | 03:28 Uhr

Schuby : Biogas aus Rüben – zweiter Versuch

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Biogas nur aus Rüben – das ist in Deutschland einzigartig. Das Unternehmen Niersberger investiert 8,5 Millionen Euro in die Mega-Biogasanlage in Schuby.

In wenigen Wochen wissen die Verantwortlichen, ob sie mit der Mega-Biogasanlage in Schuby auf dem richtigen Weg sind. Dann wird die Anlage nach mehrjährigem Stillstand hochgefahren und soll endlich die Erfolgsgeschichte schreiben, an der der ursprüngliche Projektentwickler – die inzwischen insolvente Firma Hofkontor aus Büdelsdorf (ehemals Eggebek) – schon kurz nach dem Start gescheitert war. Technische Probleme bei der Rübenaufbereitung und die finanzielle Abhängigkeit von wankelmütigen Partnern setzten dem Versuch, erstmals eine große Biogasanlage nur mit Rüben zu füttern und Bioethanol zu erzeugen, Anfang 2013 ein jähes Ende. Mit der Firma Niersberger aus Erlangen fand Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber allerdings einen Käufer, der diese Probleme als Herausforderung einstufte und nicht nur internationales Knowhow aus dem Anlagenbau, sondern auch die notwendige Kapitalausstattung mitbrachte, um dem Megaprojekt neues Leben einzuhauchen. Jetzt präsentierte das Unternehmen seine Pläne der Öffentlichkeit.

Der Fortschritt ist weithin sichtbar. Die ohnehin riesige Biogasanlage wächst weiter – nicht nur um weitere Gebäude, sondern auch in die Höhe. Zwei neue Fermenter überragen die bisherigen Gärtanks, eine neue Rübenaufbereitungsanlage wartet bereits auf die ersten Rüben und eine Wasseraufbereitungsanlage soll die Umweltbelastung spürbar senken. Insgesamt 8,5 Millionen Euro investiert Niersberger nach Angaben von Geschäftsführer René Fabian in die Biogasanlage, in die Hofkontor und Flensburger Stadtwerke bereits zwölf Millionen Euro gesteckt hatten.

„Wir haben nicht den Hang, vor großen Herausforderungen zu scheuen“, erklärte Fabian jetzt bei einer Infoveranstaltung, zu der die Schubyer auf die Baustelle eingeladen waren. Und er gab zu, dass seine Firma „nicht gleich Feuer und Flamme“ gewesen sei, als die Anlage angeboten wurde. Es galt viele technische und kaufmännische Fragen zu lösen, betonte er, doch dann habe man sich für das Engagement entschieden. Und das sei nicht zuletzt auch der Offenheit geschuldet, mit der die Vertreter des Unternehmens in Schuby aufgenommen worden seien. „Ohne diese Offenheit hätten wir das Projekt nicht umgesetzt“, gab Fabian unumwunden zu.

Unabdingbar für einen reibungslosen Betrieb der Anlage ist neben der funktionierenden Rübenaufbereitung die Zusammenarbeit mit den Erzeugern. Diese zu organisieren, sei eine der Hauptaufgaben des Projektmanagements vor Ort gewesen, betonte Fabian. Tatsächlich werden Landwirte in einem Umkreis von 15 bis 35 Kilometern um Schuby sowie die Nordzucker AG den Rohstoff für die Anlage liefern, die nach Angaben Fabians aufgrund ihrer Spezialisierung allein auf Rüben noch immer viele Skeptiker auf den Plan ruft. „Gleichzeitig gibt es aber auch viele Interessenten, nicht nur in Deutschland, die darauf schauen und an der Technik interessiert sind“, sagte er.

Bis zu 100  000 Tonnen Rüben sollen in Schuby verarbeitet und zu Biomethan-Gas verarbeitet werden. Nach Angaben des Unternehmens liegt das jährliche Einspeisepotenzial bei 90 Millionen Kilowattstunden. Das entspreche der Stromversorgung von mehr als 41  000 Menschen. Tatsächlich soll das in Schuby produzierte Gas mit dem Bio-Label an Betreiber von Blockheizkraftwerken (BHKW) vermarktet werden, in erster Linie an kommunale Versorgungsbetriebe. Dafür hat die Bioenergie Schuby GmbH, die als Niersberger-Tochter die Anlage betreibt, das Unternehmen BMP Greengas aus München als Partner gewonnen. Deren Vertreter Johannes Klaus zeigte sich beeindruckt von dem Schuby-Projekt. „Eine vergleichbare Anlage finden Sie in ganz Deutschland nicht.“ 

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erstellt am 30.Aug.2016 | 07:24 Uhr

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