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Schleswiger Nachrichten

02. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Schleswig : Betten für Ghana stecken im Bauhof fest

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit einem halben Jahr versucht ein Schleswiger Ehepaar, ausrangierte Möbel aus dem Helios-Klinikum an ein afrikanisches Krankenhaus zu liefern.

Seit einem halben Jahr stehen 24 gebrauchte Krankenhaus-Betten aus dem Helios-Klinikum in einem Lagerraum im alten Bauhof am Holmer Noorweg. Eigentlich sollten sie längst nach Afrika verschifft sein. So hatten es sich Edeltraud Benecke (68) und ihr Mann Henry Mau (78) vorgestellt. Das Ehepaar unterstützt schon seit vielen Jahren ein Krankenhaus in Ghana, das sich zu großen Teilen über Spenden finanziert. Die Patienten im Siloam-Hospital, so erzählt es Edeltraut Benecke, sind „die Ärmsten der Armen“. Bislang liegen sie auf Betten, die vor 40 Jahren im Elmshorner Krankenhaus aussortiert wurden. „Und die waren natürlich damals schon nicht mehr im allerneuesten Zustand“, sagt die Schleswigerin, die auch schon mit Stofftaschen-Nähaktionen für Ghana für Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Aber jetzt musste sie erfahren, dass es deutlich schwieriger ist, Betten nach Afrika zu schicken als Stoffreste. 3000 Euro kostet allein der Container. Mit weiteren 3000 Euro rechnet sie für die Einfuhr-Formalitäten. Auf Nachfrage bestätigt sie, dass es dabei nicht nur um offizielle Zollgebühren geht, sondern, „wohl auch um Schmiergeld“. Eigentlich, räumt sie ein, sollte man sich nicht darauf einlassen, Geld an korrupte Beamte in Ghana zu zahlen. „Aber ich sehe keine andere Möglichkeit“, meint sie. Pro Bett wären es 250 Euro. Lohnt sich das überhaupt? Benecke und Mau meinen: Ja! Neue Krankenhausbetten direkt vor Ort zu kaufen, da sind sie sich sicher, sei unmöglich. „Es gibt sie einfach nicht. Die Patienten liegen auf Holzbetten und haben höchstens eine Wolldecke.“ Zusätzlich zu den Krankenhausbetten samt Beistelltischen möchte sie deshalb auch Bettwäsche liefern – gespendet vom Diako-Krankenhaus in Flensburg. Von dort kommt auch ein Brutkasten für Frühgeburten. Susan Kusi, die Leiterin des Siloam-Hospitals, war vor einiger Zeit persönlich in Flensburg. Die Gynäkologin hat lange in Deutschland gelebt und zuletzt als Oberärztin in Hamburg gearbeitet. Mit ihrem Einkommen half sie, das Krankenhaus in Ghana zu finanzieren, das ihre Eltern 1977 gegründet hatten. Nach dem Tod ihrer Mutter gab Susan Kusi ihre Stelle in Deutschland auf, um das Krankenhaus in Ghana zu leiten. Zu den Schwerpunkten der 44-Betten-Klinik zählen neben Allgemeinmedizin, Chirurgie und der Behandlung von Tropenkrankheiten auch Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Seit acht Jahren sind wir von der nationalen Kran kenversicherung anerkannt“, sagt Susan Kusi, „aber diese zahlt zeitweise monatelang kein Geld, deshalb sind wir weiterhin auf Spenden angewiesen.“

Von den 6000 Euro, die Edeltraud Benecke und Henry Mau benötigen, um die Betten nach Ghana zu liefern, haben sie rund 2500 Euro zusammen. Das Geld stammt größtenteils aus ihrer eigenen Tasche, aber auch die Diako hat signalisiert, 500 Euro beizusteuern.

„Wenn wir ein Verein wären, hätten wir ganz andere Möglichkeiten, Zuschüsse einzuwerben“, sagt Benecke. Dennoch möchte sie lieber so unkompliziert wie möglich die Hilfsaktion als reine Privatinitiative zu einem guten Ende führen. Sie hofft, dass sich Sponsoren bei ihr unter Tel. 0  46  21/5  28  72 melden.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 07:49 Uhr

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