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Schleswiger Nachrichten

30. Juli 2016 | 18:49 Uhr

Schleswig : Betrugs-Masche: Der Trick mit dem Lotteriegewinn

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein 70-jähriger Schleswiger will 24.000 Euro an dubiosen Empfänger überweisen – Bankmitarbeiter und Polizei können ihn nur mit Mühe davon abhalten.

Eigentlich war es ein Routine-Vorgang, den Nicole Hanke vor einigen Tagen zu bearbeiten hatte. Auf ihrem Schreibtisch in der Commerzbank-Filiale in der Poststraße lag ein Auftrag für eine Auslandsüberweisung in die Türkei. Anders als Sepa-Lastschriften innerhalb der Europäischen Union geht so etwas noch immer nicht vollautomatisch. Wolfgang Friedrichsen (Name geändert) wollte 24.000 Euro anweisen – mit Hilfe des auf weltweiten Geldverkehr spezialisierten Unternehmens Western Union.

Nicole Hanke kam die Sache etwas seltsam vor. Warum wollte der Kunde – ein etwa 70 Jahre alter Mann aus dem Schleswiger Umland – plötzlich so viel Geld an einen unbekannten Empfänger in einem fremden Land zahlen? Sie besprach sich mit Filialleiter Carsten Wehr, und der beschloss, sicherheitshalber bei Wolfgang Friedrichsen anzurufen und nachzufragen.

Der Mann am anderen Ende der Leitung wirkte sehr entschlossen, berichtet Wehr. Er erzählte dem Filialleiter von einem Lotteriegewinn ihn Höhe von 150.000 Euro und dass er nun in Vorleistung treten müsse, um an das Geld zu kommen. Für Wehr war sofort klar: Der Kunde war einem Betrüger aufgesessen. Das hielt Friedrichsen aber für völlig ausgeschlossen. Es stellte sich heraus, dass dies schon sein zweiter Auslandstransfer war. Er hatte kurz zuvor schon einmal von einem Konto bei einer anderen Bank dieselbe Summe überwiesen.

Wer regelmäßig E-Mails liest, ist an dubiose Zahlungsaufforderungen wie diese gewöhnt – und löscht sie meist ungeöffnet. Wolfgang Friedrichsen aber hatte keine E-Mail bekommen, sondern einen Telefonanruf von einer Hamburger Festnetznummer. Eine freundliche Stimme hatte ihm dort von dem Lotteriegewinn erzählt und die Europäische Zentralbank (EZB) in Wiesbaden als Partner für die Überweisung genannt.

Auch mit dem Hinweis, dass die EZB nicht in Wiesbaden sitze, sondern in Frankfurt, gelang es Carsten Wehr nicht, den Kunden misstrauisch zu machen. „Dabei war er keineswegs ein verwirrter alter Mann“, sagt der Filialleiter. „Er ist ein absolut klar denkender Mensch, der aber anscheinend unbedingt diesen Lotteriegewinn haben wollte.“

Was war nun zu tun? Kundenwünsche sind auszuführen. Es gelang Wehr, den Mann vorher zu einem persönlichen Gespräch in die Filiale zu bitten. In der Zwischenzeit rief er einen Bekannten bei der Polizei an, und der alarmierte seine Kollegen vom Betrugsdezernat. Als Friedrichsen drei Tage später in die Bankfiliale kam, waren scheinbar zufällig schon zwei Beamte in Zivil vor Ort.

Nachdem Wehr wiederum vergeblich auf seinen Kunden eingeredet hatte, brachte er ihn mit den Polizisten ins Gespräch. Die zeigten ihm Unterlagen über ähnliche Fälle in der jüngeren Vergangenheit, in denen vermeintliche Lotteriegewinner Anzeige erstattet hatten. Jetzt erst war Wolfgang Friedrichsen bereit zu glauben, dass er Betrügern auf den Leim gegangen war. „Aber selbst wir hatten Mühe, ihn zu überzeugen“, erklärt Polizeisprecherin Franziska Jurga.

Doch als die Beamten es geschafft hatten, berichtete Friedrichsen noch weitere Details zu dem mysteriösen Anruf aus Hamburg: Der Mann am anderen Ende der Leitung habe sich als Mitarbeiter einer Justizbehörde ausgegeben und von einem Ermittlungsverfahren gegen ihn – Friedrichsen – berichtet, weil er das Geld für die Lotterieteilnahme noch nicht gezahlt habe.

„Wir sind auf Hinweise von aufmerksamen Bankangestellten dringend angewiesen“, sagt Polizeisprecherin Jurga. Sie geht von einer hohen Dunkelziffer aus, weil sich manche Geschädigte aus Scham nicht bei der Polizei meldeten. Die Suche nach den Tätern gestaltet sich schwierig.

Die Hamburger Telefonnummer, die in diesem Fall angezeigt wurde, dürfte wohl nicht so leicht zu ihnen führen. „Die Nummern lassen sich leider durch technische Hilfsmittel manipulieren“, sagt Jurga. „Wir haben sogar schon erlebt, dass die Nummer des Polizeireviers in Niebüll angezeigt wurde.“ Auch die Nummer, von der aus Wolfgang Friedrichsen annahm, angerufen worden zu sein, gehört tatsächlich zu einer Behörde.

Jurga rät bei ähnlichen Telefonanrufen grundsätzlich zur Skepsis. „Derartige Vorfälle sollte man mit Verwandten oder Nachbarn besprechen und sich nicht davor scheuen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.“

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erstellt am 25.Jan.2016 | 07:41 Uhr

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