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Schleswiger Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:41 Uhr

Bürger-Projekt : Bekommt Sterup einen Windpark?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Bürger-Projekt in Grünholz erfordert eine Investition von rund 4,5 Millionen Euro. Die Gemeindevertretung stimmt am Dienstag ab.

Grünholz | Voll des Lobes für die Bürgerinitiative zur Wiederansiedlung eines Einkaufsmarktes in der 1400-Seelen-Gemeinde war Bürgermeister Wolfgang Rupp anlässlich der jüngsten Einwohnerversammlung in Grünholz. „Dass die Bürger inzwischen über 50.000 Euro für die Modernisierung des Laden-Inventars gespendet haben, zeigt den großen Zusammenhalt in unserem Dorf“, betonte das kommunale Oberhaupt. Es könnte ein solch erfolgreiches Gemeinschaftswerk auch bezüglich der Windkraft-Planung zwischen Osterholm und Atzbüll zu Stande kommen, ergänzte er.

Der Experte Arne Möbest vom Planungsbüro „ee-Nord“ hatte allerdings bei der Vorstellung des Vor-Konzepts einen schweren Stand, denn seine Ausführungen wurden immer wieder von kritischen Bürgerstimmen aus dem betroffenen Gebiet unterbrochen. Möbest nannte erstmals die Namen der drei Initiatoren des Vorhabens: den Steruper Unternehmer Herbert Petzel sowie die Landeigentümer Karl Peters und Peter Cordsen. Wenn deren Blütenträume reifen sollten, springt dabei ein Großprojekt mit einer Investitionssumme von rund 4,5 Millionen Euro heraus – für drei bis fünf Windmühlen, deren Rotoren in einer Höhe von 150 Metern Energie erzeugen.

Petzel betonte: Ein solcher Windpark werde nur verwirklicht, wenn ausschließlich Einheimische ihre Gelder investieren und somit als Kommanditisten (Gesellschafter mit einer Kapitaleinlage) gewonnen werden. Möbest fügte hinzu, der Plan für den Osterholmer Bürgerwindpark erfordere, dass Gemeinde, Bürger, Landeigentümer und die Amtsverwaltung Geltinger Bucht „in einem Boot sitzen“ und ein Einvernehmen mit der Landesplanungsbehörde, den Ministerien und der Kreisverwaltung hergestellt werde.

Die Kritiker bezweifelten unter anderem, dass die Initiatoren und Projektplaner die Millionensumme ohne fremde Geldgeber aufbringen könnten. Aber auch andere Vorbehalte wurden deutlich, so in Bezug auf den drohenden Wertverlust von Wohnhäusern in Windparknähe und negative Auswirkungen auf die Natur und das Landschaftsbild. Arne Möbest sagte zu Befürchtungen über die für Anwohner schädlichen Rotorengeräusche: „Ich kenne keinen Fall, bei dem jemand deswegen krank geworden ist.“ Für die Kommune sei wohl kein üppiger Zuwachs an Gewerbesteuer zu erwarten, erklärte der „neutrale“ Verwaltungschef Gerd Aloe, zumal das meiste Geld als Umlage nach Kiel abgegeben werden müsse.

Wie geht es weiter? Auf der nächsten Sitzung der Steruper Gemeindevertretung am morgigen Dienstag ab 19.30 Uhr im Gasthaus Grünholz will Bürgermeister Wolfgang Rupp über folgenden Beschlussvorschlag abstimmen lassen: „Für das Gemeindegebiet wird dem Windenergieausbau in Form eines Bürgerwindparks grundsätzlich zugestimmt.“ Zur Erläuterung heißt es in der Vorlage: „Auf Gemeindewunsch hin wird die ermittelte Windpotenzialfläche zwischen Osterholm und Atzbüll als künftiges Vorranggebiet vorgeschlagen. Es ist ausdrücklicher Wunsch der Gemeinde, dieses im weiteren Abwägungsprozess der Regionalplanung des Landes Schleswig-Holstein positiv zu berücksichtigen.“ Kommt es zur Zustimmung, steht den Mandatsträgern vermutlich Ungemach seitens der Gegner bevor.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 09:56 Uhr

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