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Schleswiger Nachrichten

09. Dezember 2016 | 01:06 Uhr

Schleswig : BBZ-Internat lässt weiter auf sich warten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Kreispolitik ist verärgert. Nicht nur dass sich der Neubau des Internats am Berufsbildungszentrum verzögert, er wird auch deutlich teurer als erwartet.

Es war schon einmal die Rede davon, das neue Internat am Berufsbildungszentrum (BBZ) im Sommer 2017 beziehen zu wollen. Doch dieser Wunsch rückt in immer weitere Ferne. Gab es bisher schon Verzögerungen, weil man auf grünes Licht aus Kiel für eine Förderung der Modernisierungsarbeiten warten musste, so verzögert sich der Bautermin nun erneut. Der Antrag des Kreises wurde nicht berücksichtigt, weil der Fördertopf bereits leer war („überzeichnet“). Nicht nur das ärgerte die Mitglieder des Kulturausschusses des Kreistags, sondern auch die Steigerung der prognostizierten Kosten um eine halbe Million Euro.

War in der Machbarkeitsstudie noch von 3,35 Millionen Euro die Rede, soll der Internatsbau nach eingehender Prüfung nun 3,86 Millionen Euro kosten. Zu der Kostensteigerung kommt es unter anderem, weil die Gründung des Neubauteils aufgrund des hohen Grundwasserspiegels mit allein 110  000 Euro kostspieliger wird als gedacht. Ganz neu war diese Information nicht, allerdings nutzte die Politik die Gelegenheit, das grundsätzliche Prozedere zu hinterfragen, schließlich sei nicht sicher, dass das Projekt nicht noch teurer werde, hieß es von einigen Politikern.

FDP-Fraktionschef Carsten-Peter Brodersen erinnerte daran, dass der Kreis als Konsolidierungshilfen-Empfänger ohnehin kaum mehr finanziellen Spielraum für Investitionen hat. Er kritisierte zudem die Vorarbeiten der Architekten, die den Entwurf für den Internats-Neubau gefertigt hatten. „Wie können die um 500  000 Euro daneben liegen? Hier bedarf es einer Erklärung.“ Auch CDU-Finanzexperte Momme Thiesen schwante nichts Gutes: „Die 3,8 Millionen Euro sind sicher nicht das Ende der Fahnenstange. Wie kriegen wir da den Deckel drauf?“

Sein Fraktionskollege Thorsten Siebert sieht ein grundsätzliches Problem: „Für mich ist es schwer, den Arm zu heben bei einer Machbarkeitsstudie, wenn es später finanzielle Abweichungen von 20 bis 30 Prozent gibt.“ Durch eine solche Entwicklung würden doch die gefassten politischen Beschlüsse in Frage gestellt.

Das jedoch wollten die Bildungspolitiker nicht. Beim Grundsatzbeschluss, das aus der Zeit gefallene Internat am BBZ (Mehrbettzimmer, Möbel aus Bundeswehrbeständen) zu modernisieren und somit einen Beitrag zur Zukunftssicherung für die Einrichtung zu leisten, bleibt es. Der Förderantrag an das Land – dabei geht es um maximal 750  000 Euro – soll im kommenden Jahr erneut gestellt werden. Damit rückt ein möglicher Baubeginn am Schleswiger Eisteich um ein weiteres Jahr nach hinten – voraussichtlich auf das zweite Quartal 2018.

Auf die Wichtigkeit eines zeitgemäßen Internats hatte BBZ-Geschäftsführer Hans Hermann Henken in der Vergangenheit immer wieder hingewiesen. Andererseits würden ganze Ausbildungsgänge in Frage gestellt. Nun legte er nach: Immer weniger Auszubildende zum Sport- und Fitnesskaufmann sowie zu Justizfachangestellten aus Schleswig-Holstein würden in Hamburg aufgenommen, um die bestehenden Kapazitätsengpässe hierzulande aufzufangen, so Henken.

Dieses Verfahren geht zudem auf eine zeitlich befristete Sondergenehmigung des Bildungsministeriums zurück. Deshalb sei das Internat für die Unterbringung von Auszubildenden wichtig. Denn nur mit ausreichenden Quartieren lassen sich beide Ausbildungsgänge für Schüler aus Schleswig-Holstein dauerhaft aufrechterhalten.

Dass die ersten Berechnungen aus der Machbarkeitsstudie noch ungenau sind, sei nicht ungewöhnlich, erläuterte indes Petra Janmieling, Hochbauexpertin des Servicebetriebs des Kreises. „Eine gewisse Toleranz gibt es immer.“ Tatsächlich lässt die für Hochbauprojekte geltende Norm (DIN 276) im frühen Planungsstadium Abweichungen von 40 Prozent nach oben oder unten zu. In weiteren Planungsschritten reduziert sich die Unsicherheit auf nur noch zehn Prozent – in Elbphilharmonie-Zeiten keine tröstliche Vorgabe.

Letztlich wurde der Kämmerer bei nur einer Enthaltung angewiesen, 4,2 Millionen Euro für das Projekt in den Haushalt 2017 einzuarbeiten – die prognostizierten 3,86 Millionen plus eine Reserve für weitere mögliche Abweichungen.

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erstellt am 25.Nov.2016 | 07:45 Uhr

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