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Schleswiger Nachrichten

04. Dezember 2016 | 19:20 Uhr

Schlechte Weizen-Ernte : Bauer Struve aus Nübel: „Man sollte nicht immer meckern“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf dem Hof von Jörg Struve in Nübel steht die Ernte von Weizen und Mais bevor. Sie wird unterdurchschnittlich ausfallen.

Der kühle und verregnete Sommer macht nicht nur den Urlaubern zu schaffen. Als hätten sie nicht genug Probleme mit der Milchkrise und über zwei Jahre auch mit den Schweinepreisen, müssen sich die Bauern im Kreis jetzt auch noch Sorgen über die Getreideernte machen. Aber trotz Nässe und zu wenig Sonne will Landwirt Jörg Struve aus Nübel nicht klagen. „Klar waren die Ernten von Raps und Gerste in diesem Jahr unterdurchschnittlich, aber die vergangenen Jahre waren dafür auch überwiegend sehr gut. Man sollte nicht immer meckern, sondern die Ergebnisse auch im Zusammenhang sehen.“

Der 36-Jährige betreibt den Hof in der Nähe von Schleswig seit zehn Jahren eigenverantwortlich. Zusammen mit seiner Frau, seinen Eltern, fünf Festangestellten und Teilzeitkräften betreibt er eine Schweinehaltung und bewirtschaftet rund 400 Hektar Land, auf denen Gerste, Raps, Weizen, Roggen, Mais und Rüben angebaut werden. Mais und Rüben werden verkauft, alles andere wird in einen Kreislauf eingespeist, den Struve ein „geschlossenes System“ nennt: Das Getreide wird auf dem Hof zur Herstellung von Schweinefutter verwendet. „Das macht mich nicht unabhängig, aber es ist ein recht stabiles System mit mehreren Standbeinen.“ Struve ist auf diese Weise wesentlich weniger anfällig gegenüber Krisen als beispielsweise spezialisierte Milchbauern, bei denen eine Diversifizierung deutlich schwieriger oder gar nicht möglich ist.

Mit von der Partie, wenn es um den Hof geht, ist auch immer der landwirtschaftliche Unternehmensberater Joachim Hülsen. „Ohne ihn geht hier gar nichts“, sagt der quirlige Landwirt, der sich ganz offensichtlich nicht allein auf Gefühl, Erfahrung und eingefahrene Wege verlassen will: Vier Augen sehen mehr als zwei. Und Anregungen von Außen sind mir immer willkommen“, sagt der Landwirt.

Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die inzwischen abgeschlossene Rapsernte in diesem Jahr die schlechteste der vergangenen zwanzig Jahre war.

Joachim Hülsen führt das unter anderem auf die ungünstige Witterung zurück – aber auch auf die Tatsache, dass im Herbst das Saatgut nicht mehr mit Insektiziden gegen tierische Schädlinge gebeizt werden darf. Hinzu kommt in diesem Jahr ein erhöhter Krankheitsdruck und ein sehr später Befall durch die Kohlschotenmücke, deren Larven Giftstoffe ausscheiden, die zum vorzeitigen Aufplatzen der Schoten führen. Und da auch der Preis derzeit etwa vier Prozent unter dem des Vorjahres liegt, kommt unter dem Strich nur die Hälfte des Geldes gegenüber dem Vorjahr heraus. Unter derartigen Bedingungen ist ein kostendeckender Anbau von Raps in diesem Jahr nicht möglich. Hülsen geht davon aus, dass der Raps sich in unseren Breiten auf einigen Betrieben auf dem Rückzug befindet.

Anders sieht es bei der Gerste aus. Die Erträge liegen mit 82 Doppelzentner pro Hektar um 14 Prozent unter dem Fünf-Jahresschnitt und 25 Prozent unter dem des Vorjahres. Die Gründe sind ähnlich wie bei den anderen Feldfrüchten: Ein nasser Herbst, ein nasses und zu kaltes Frühjahr und zu wenig Sonne haben für eine relativ schlechte Qualität gesorgt. Nicht gerade ein Grund zur Freude, doch das sieht Struve gelassen: „Wir haben bei Gerste in den letzten Jahren auch einige sehr gute Ergebnisse gehabt. Das gleicht sich langfristig dann aus.“

Ab Montag steht in Nübel, wenn das Wetter denn mitspielt, die Weizenernte an. „Mit dem Termin sind wir noch im Soll. Aber es sollte jetzt auch ganz gern losgehen“, sagt Struve, denn je länger Regenwetter die Ernte hinauszögert, desto schlechter wird die Qualität. „Zurzeit ist noch alles im Lot: Der Weizen hat noch Brotqualität und wir haben noch weit überwiegend stehende Bestände.“ Das könnte sich weiterem Regenwetter jedoch schnell ändern. Dann leidet nicht nur die Qualität, die Halme könnten auch von Gewicht der Nässe niedergedrückt werden, was die Erntebedingungen dann deutlich verschlechtern würde.

Jörg Struve sieht der nächsten Ernteperiode und auch der Zukunft der Landwirtschaft gelassen entgegen: „Jeder Landwirt kann seinen eigenen Weg finden – und dabei kommt es nicht unbedingt auf die Größe des Hofes an.“

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erstellt am 11.Aug.2016 | 15:15 Uhr

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