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Schleswiger Nachrichten

22. Januar 2017 | 11:09 Uhr

Moderner Schloss-Anbau : Bauausschuss: Viel Zustimmung für den Gottorf-Plan

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Streit um gläsernen Anbau: Museums-Chefs stellen Modernisierungs-Konzept für das Schloss im Bauausschuss vor.

Der „Masterplan 2025“ zur Modernisierung der Schleswiger Schlossinsel ist gestern bei den Mitgliedern des städtischen Bauausschusses durchweg auf Zustimmung gestoßen. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Helge Lehmkuhl (CDU) sprach von einem „großen Wurf nicht nur für Schleswig, sondern für die ganze Region“, Rainer Wittek (SSW) von einem „zukunftsweisenden Konzept“. Und Stephan Dose (SPD) bekundete, dass „etwas mehr Modernität Gottorf nicht schaden kann“ und dass er persönlich auch den gläsernen Anbau gut finde. Lediglich Steffen Hempel von den Grünen machte deutlich, dass die Architektur des Winkel-Anbaus nicht seinen Geschmack treffe. Gleichwohl stellte er klar, dass auch seine Fraktion den Masterplan als „große Chance für Schleswig“ betrachte.

Professor Claus von Carnap-Bornheim, Leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, und Gottorfs kaufmännischer Geschäftsführer Guido Wendt hatten vermutlich mit mehr Gegenwind gerechnet, als sie sich gestern Richtung Rathaus aufmachten. Schließlich hatten zahlreiche Bürger in Leserbriefen in unserer Zeitung ihren Unmut über das 31,2 Millionen Euro schwere Vorhaben kundgetan. Im Mittelpunkt der Kritik steht der gläserne Anbau an den historischen Ostflügel des Schlosses. Doch die meisten der etwa 50 Zuhörer im Ständesaal quittierten die Ausführungen der Museums-Chefs mit Zustimmung.

Carnap-Bornheim und Wendt legten gemeinsam mit Architekt Philip Norman Peterson vom Züricher Büro Holzer/Kobler dar, dass ein Erweiterungsbau erforderlich sei, um den Museumsbesuchern in Zukunft eine bessere Orientierung zu ermöglichen. Vom großzügigen Foyer aus sollen dann die Rundgänge starten, die es in den verwinkelten Gängen des Schlosses bislang nicht gibt. Carnap-Bornheim erläuterte, dass der Anbau der Schlüssel dafür sei, um den Masterplan umzusetzen und das Landesmuseum attraktiver und zeitgemäßer zu gestalten. Dabei stellten die Referenten klar, dass die Pläne mit dem Denkmalschutz abgestimmt seien und die barocke Südfassade unangetastet bleibe. Auch werde es mit dem Erweiterungsbau als neuem Zentrum der Schlossinsel eine bessere Anbindung an die Stadt geben.

„Ich glaube, dass dieser Anbau eine Sensation für Schleswig wird“, meinte Ina von Samson-Himmelstjerna, die Priörin des St.-Johannis-Klosters. Alt-Bürgermeister Klaus Nielsky sprach von einem „Projekt, das eine große Chance bietet – und das die Stadt nichts kostet“. Die 31,2 Millionen Euro werden je zur Hälfte vom Bund und vom Land gestellt.

Allerdings gab es auch kritische Töne, etwa vom Schleswiger Ulrich Thormann. Der „Glaspalast“ sei sehr fragwürdig, sagte er. In den seltensten Fällen gelinge es, Alt und Neu behutsam zusammenzufügen. Und Elke Petersenn sagte, sie würde auch in Zukunft gerne durch den Haupteingang in den Innenhof des Schlosses gehen können. Dies werde künftig nur noch dann möglich sein, wenn etwa Veranstaltungen im Hirschsaal stattfinden, entgegnete Carnap-Bornheim. Wendt ergänzte, dass man sich mit der Gestaltung des Eingangsbereichs sehr intensiv auseinandergesetzt habe. Aber den Ticketverkauf in den bisherigen Haupteingang zu verlegen, sei aus baulichen Gründen nicht möglich.

Die Schloss-Herren wollen mit einer Info-Kampagne auch die breite Öffentlichkeit von ihrem Projekt überzeugen. So werde in Kürze die Homepage www. masterplan-gottorf.de freigeschaltet. Auch soll in einem Container auf der Schlossinsel eine kleine Ausstellung zum Masterplan gezeigt werden. Dann werde es auch genauere Visualisierungen geben, kündigte Wendt an. Die bisher gezeigten Animationen seien noch keineswegs ausgereift. „Wir befinden uns noch in Planungsphase 1 – der Grundlagenermittlung.“

Die städtischen Gremien haben beim Masterplan übrigens nur bedingtes Mitspracherecht, da es sich um sogenanntes Sonderbauvorhaben handelt. So muss die Stadt nur das „gemeindliche Einvernehmen“ erteilen.

Die frühere Bürgervorsteherin Anke Carstens-Richter hat keine Zweifel mehr, dass es sich um ein „absolut überzeugendes Konzept“ handele. Aber eine Frage beschäftigte sie gestern doch ganz besonders, sozusagen eine Hausfrauenfrage, wie sie betonte: „Wie soll denn das Glas später gereinigt werden?“ Das, so Architekt Peterson, sei noch nicht geklärt. Aber dies könne durch Maschinen geschehen oder durch Menschen, die aufs Dach klettern. Auch gebe es Glas, das schon von sich aus viel Dreck abhalte.

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erstellt am 01.Dez.2016 | 07:09 Uhr

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