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Schleswiger Nachrichten

06. Dezember 2016 | 15:12 Uhr

Schleswig : Bauamtsleiterin gibt entnervt auf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Britta Gutknecht hält Teilzeitmodell für gescheitert – auch der Bürgermeister stellt die Doppelspitze in Frage.

Zwei Frauen teilen sich die Leitung des städtischen Bauamtes – dieses Schleswiger Modell des Job-Sharings galt landesweit als einzigartig. Doch jetzt scheint es an den Realitäten gescheitert zu sein. Britta Gutknecht, eine der beiden Leiterinnen des Fachbereichs Bau, hat einen Auflösungsvertrag unterschrieben und wird die Stadtverwaltung nach zwei Jahren Ende Dezember verlassen. „Ich habe festgestellt, dass ich in dieser Position nicht nur halbtags arbeiten kann. Das Ganze reibt mich total auf“, erklärte die 42-Jährige gestern. Damit verbleibt ab sofort nur noch ihre Kollegin Manja Havenstein (38) an der Spitze der Behörde, denn Gutknecht feiert noch ihren restlichen Urlaub sowie Überstunden ab und ist somit bereits nicht mehr im Dienst. Unklar ist, ob damit das von ihr verantwortete Projekt der Innenstadtsanierung ins Stocken gerät.

Das Modell der geteilten Führung habe sich als schwierig herausgestellt, so Gutknecht. Die viele Arbeit sei bei jeweils 19,25 Wochenstunden und diversen Abendterminen kaum zu schaffen und mit ihrem Privatleben nicht mehr vereinbar gewesen, sagte die Mutter einer Tochter im Kindergartenalter, die mit ihrer Familie in Flensburg lebt. Immer öfter habe sie Arbeit mit nach Hause nehmen müssen. „Und Frau Havenstein und ich hatten im Alltag kaum Zeit, uns abzustimmen.“

Persönlich habe sie sich mit ihrer Chef-Kollegin immer gut verstanden. Jedoch pflegten beide einen unterschiedlichen Führungsstil. „Ich kann mir schon vorstellen, dass das bei den Mitarbeitern zu Irritationen geführt hat“, räumte Gutknecht ein. Dennoch sei sie überrascht gewesen, als Bürgermeister Arthur Christiansen sie bei einer Sitzung Mitte November mit der Aussage konfrontiert habe, dass es im Bauamt brodele. Persönlich habe ihr kein Mitarbeiter ein negatives Feedback gegeben. Manja Havenstein wollte sich gestern auf SN-Anfrage nicht äußern.

Britta Gutknecht hat laut Rathaus-Mitteilung „viele für Schleswig richtungsweisende Projekte“ wie die Innenstadtsanierung, den Kauf der Hertie-Immobilie oder die Gestaltungssatzung für die Altstadt und den Holm vorangebracht. Wer ihre Nachfolge antreten wird, ist unklar. Stattdessen stellt Bürgermeister Christiansen das Job-Sharing-Modell in Frage: „Es hat sich herausgestellt, dass es nicht einfach war, das Teilzeitmodell für eine so anspruchsvolle Tätigkeit, wie Frau Gutknecht sie geleistet hat, anzuwenden. Daher muss jetzt darüber nachgedacht und beraten werden, wie und ob eine Fortsetzung des Modells sinnvoll ist“, teilte er mit. Dabei war es Christiansen, der das Modell der Doppelspitze einst vehement gegen die Bedenken aus der Politik verteidigt hatte. Der Hauptausschuss, der über Personalien auf Fachbereichsleiterebene entscheidet, hat den Bürgermeister aufgefordert, Vorschläge zu unterbreiten, wie das Bauamt künftig effizienter geführt werden kann.

Der stellvertretende Bauausschussvorsitzende Helge Lehmkuhl betonte, dass die Zusammenarbeit mit Britta Gutknecht „gut und vertrauensvoll“ gewesen sei. Dennoch habe er das Modell der geteilten Führung stets sehr kritisch gesehen. Der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Stephan Dose meinte, es sei „bedauerlich, dass es offenbar nicht funktioniert hat“.

Britta Gutknecht selbst glaubt, dass das Modell funktioniert hätte, wenn man die beiden halben Stellen – wie von ihr und ihrer Kollegin gewünscht – auf jeweils 60 Prozent aufgestockt hätte. Das aber hatte die Politik im Juli 2015 abgelehnt. Die Stadt verlasse sie aber keineswegs im Gram, versicherte Gutknecht. „Ich drücke ganz doll die Daumen, dass Schleswig durch mein Lieblingsprojekt – die Innenstadtsanierung – aufgewertet wird.“

 

 



 

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erstellt am 30.Nov.2016 | 06:57 Uhr

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