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Schleswiger Nachrichten

25. September 2016 | 10:48 Uhr

Schloss Gottorf : Barockgarten wird zum Skulpturenpark

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kulturring der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft übergibt eine Bronzeplastik an die Landesmuseen.

Auch wenn ihr der große Sonnenhut einen dunklen Schatten ins Gesicht warf, war es doch unschwer zu erkennen, wie sehr sich Kirsten Baumann freute. Die Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte hatte gestern Nachmittag auch allen Grund dazu. Schließlich konnte sie ein besonders wertvolles Geschenk entgegen nehmen: die Skulptur „Daphne I“ des bekannten Bildhauers Wieland Förster.

Der Kulturring der Studien- und Fördergesellschaft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft hatte das Werk kürzlich erworben. Jetzt konnte dessen Vorsitzender Martin Kayenburg es offiziell in die Hände von Kirsten Baumann weiterreichen. „Wir freuen uns, den Landesmuseen heute diese Plastik übergeben zu können. Damit findet eine wichtige Arbeit eines der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit einen würdigen Präsentationsort“, sagte der ehemalige Landtagspräsident.

Tatsächlich hat die Skulptur einen ganz besonderen Platz bekommen. Sie flankiert ab sofort eine der breiten Steintreppen, die sich den Barockgarten hinaufziehen. „Deshalb ist diese Plastik ein ganz besonderes Geschenk. Denn wir können mit ihr diesen tollen Garten noch weiter attraktivieren“, sagte Baumann. Die „Daphne“ sei dabei nur der Anfang einer kleinen Reihe. Insgesamt sollen künftig vier versetzt voneinander aufgestellte Plastiken von unten bis oben den Treppenaufgang schmücken. Als zweite Figur wird demnächst der „Phönix“ von Manfred Sihle-Wissel, der zurzeit noch am Herkulesteich steht, hinzukommen. Auch die verschiedenen Terrassen des Barockgartens sollen – als Anbindung zum Skulpturenpark auf der Schlossinsel – eines Tages von einigen Plastiken gesäumt sein. Dies sei das Ergebnis eines Ideenwettbewerbes, zu dem die Landesmuseen aufgerufen hatten. „Ursprünglich standen in dieser Anlage rund 150 Skulpturen. Aber diese Marke streben wir nicht mehr an. Es werden am Ende deutlich weniger sein“, betonte Baumann. Denn: „Jedes Werk soll für sich betrachtet werden.“

Den Anfang hat nun also die „Daphne“ von Wieland Förster gemacht. Dass der 1930 geborene Künstler, der unter anderem das bekannte Ehrenmal in Dresden erschaffen hat, eines seiner Hauptwerke nach Schleswig abgibt, hat eine Vorgeschichte. Anlässlich des diesjährigen Internationalen Museumstages wurde Förster, am Rande des Landmarktes, auf Schloss Gottorf mit dem von Günther Fielmann gestifteten Baumkunstpreis 2016 ausgezeichnet. Im Nachgang kam es nun zum Kauf der Plastik, für die der Kulturring laut Kayenburg „einen mittleren fünfstelligen Betrag“ ausgegeben hat.

Dafür steht nun der Erstguss der bereits 1986 erschaffenen Plastik in Schleswig, wie Thomas Gädeke, der Leiter der graphischen Sammlung auf Schloss Gottorf, in seinen einführenden Worten zu Künstler und Kunstwerk betonte. Förster, der inzwischen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitet, habe lange darunter gelitten, dass Künstler sich in der DDR dem Sozialistischen Realismus unterwerfen mussten. Er hätte aber einen eigenen Weg gefunden, diese Zwänge zu umgehen. „Auch die ,Daphne‘ hat er auf eine sehr moderne Art umgesetzt.“

Das Thema des Werkes stammt aus der griechischen Mythologie: Daphne, eine jungfräuliche Jägerin, entzieht sich auf ganz geschickte Weise den Zudringlichkeiten des Gottes Apollon – indem sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Förster hat sich dazu entschieden, die schöne Frau mitten in dieser Metamorphose zu zeigen. So erklärt sich auch die etwas eigenwillig daherkommende Erscheinung der Bronzefigur.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 07:09 Uhr

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