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Pläne für einen „Event Bahnhof“ : Bahnhofs-Streit in Schleswig: „Zur Not jeden Tag die Polizei schicken“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Schleswiger Bauausschuss fordert hartes Durchgreifen gegen den Bahnhofs-Investor – und kritisiert Bürgermeister Arthur Christiansen für seine Kompromissbereitschaft

Schleswig | Der Ausschuss-Vorsitzende Stephan Dose (SPD) sprach von einem „unglaublichen Vorgang“, sein Stellvertreter Helge Lehmkuhl (CDU) von einem „Skandal sondergleichen“. Die Posse um den Schleswiger Bahnhof stand zwar nicht auf der Tagesordnung der Bauausschuss-Sitzung. Er war dennoch das bestimmende Thema. Dabei waren sich alle Ausschuss-Mitglieder, die sich zu Wort meldeten, einig, wen sie in der Rolle des Bösewichts sehen: Den Investor aus dem Breisgau, der seinen Umbau des Bahnhofsgebäudes zu einem „Event-Bahnhof“ fortgesetzt hatte, obwohl das Bauamt im Oktober einen Baustopp verhängt hatte.

Allerdings bekam auch Bürgermeister Arthur Christiansen, der sich krankheitsbedingt hatte entschuldigen lassen, sein Fett weg. Dessen Handschlag mit dem Investor vor laufender Fernsehkamera sei ein Fehler gewesen. Beide hatten sich vor zwei Wochen darauf verständigt, im seit Monaten schwelenden Streit um die Baugenehmigung den „Reset-Knopf“ zu drücken.

Die Stadt hatte bereits im Oktober einen Baustopp verhängt. Diesen hatte der Investor ignoriert. Als die Bauarbeiten auch nach dem Bürgermeister-Handschlag weitergingen, ließ die Stadtverwaltung in der vergangenen Woche Teile des Bahnhofs-Gebäudes versiegeln. Dass der Investor diese Siegel – wiederum vor laufender Kamera – sofort wieder entfernte – brachte Helge Lehmkuhl besonders auf die Palme. „Dieser Herr kokettiert in der Öffentlichkeit damit, dass er sich nicht an Gesetze hält – und auf Facebook wird sein Rechtsbruch auch noch als Heldentat gefeiert.“

Während in sozialen Netzwerken – und auch in den Leserbriefspalten der Schleswiger Nachrichten – zuletzt überwiegend dem Bauamt die Schuld an der verfahrenen Situation zugeschrieben wurde, nahmen die Ausschuss-Mitglieder die Verwaltung ausdrücklich in Schutz. Ein Fehlverhalten im Bauamt, sagte Dose, könne er nicht erkennen. Sein Fraktionskollege Fabian Bellinghausen sagte, er sei von Nachbarn und Arbeitskollegen angesprochen worden, die nicht verstünden, warum die Stadt „wegen ein bisschen Denkmalschutz“ einem Bauherrn Steine in den Weg lege, der Schleswig voranbringen wolle. „Da müssen wir deutlich machen, dass es hier nicht um Denkmalschutz geht, sondern um die Statik“, sagte er. „Man stelle sich vor, da hopsen bei der Eröffnungsparty mit Micaela Schäfer 200 Leute rum und dann stürzt die Decke ein.“

Das Bauamt hatte sich vor einer Woche unter anderem deshalb entschlossen, Teile der Baustelle zu versiegeln, weil der Bauherr auf eine Holzbalkenanlage im obersten Geschoss eine Stahlbetondecke eingezogen habe. Der Investor selbst erklärt hingegen, es habe sich lediglich um einen Estrichboden gehandelt. „Und in den Räumen, die versiegelt wurden, haben wir gar nichts gemacht.“ Außerdem pocht er darauf, dass für das Bauvorhaben nicht die Stadt Schleswig, sondern ausschließlich das Eisenbahnbundesamt (EBA) zuständig sei, weil es sich um eine „gewidmete Bahnfläche“ handele.

Dies sieht man beim EBA in Bonn allerdings nicht so. Ein Behördensprecher sagte auf sh:z-Nachfrage, es bestünden „keine Bedenken gegen das bauaufsichtliche Einschreiten der Stadt Schleswig“. Dies habe man der Stadt vor der Versiegelung auch bestätigt. Das EBA wäre nur dann zuständig, wenn „bahnbetrieblich genutzte Anlagenteile“ betroffen seien. Dafür gebe es aber bislang keinen Hinweis, es sei auch diesbezüglich kein Antrag eingegangen, entsprechend habe das EBA nichts geprüft und nichts genehmigt.

Aber wie geht es nun weiter? Nach Angaben von Bauamtsleiterin Manja Havenstein sind aus verschlossenen Räumen im Bahnhof weiterhin Geräusche zu hören, die nach Bauarbeiten klingen. Zur Not, meinte Stephan Dose, müsse man eben „jeden Tag die Polizei schicken“, um den Baustopp durchzusetzen. Auf die Frage, warum die Stadt die Fortsetzung der Bauarbeiten so lange Zeit geduldet habe, sagte Havenstein: „Wir hatten zwischenzeitlich eine Anweisung, kein Verwaltungshandeln mehr vorzunehmen.“ Diese Anweisung hatte der Bürgermeister nach seinem Handschlag mit dem Investor ausgegeben – aber später wieder kassiert.

Baustopp, Gleissperrung: Ärger auch in Preetz

Das Gebäude in Schleswig ist nicht der einzige Bahnhof, den der Investor aus dem Breisgau gekauft hat – und es ist auch nicht der einzige Bahnhof, in dem er Ärger mit dem örtlichen Bauamt hat. Wer sich die Berichterstattung der Preetzer Lokalpresse aus den vergangenen Jahren anschaut, dem fallen die Parallelen zum Fall Schleswig sofort ins Auge. Ende 2015 verhängte der Bürgermeister auch hier einen Baustopp, weil er wegen nicht genehmigter Bauarbeiten eine Sicherheitsgefahr sah. Zwischenzeitlich ließ die Bundespolizei den Bahnsteig an Gleis 1 sperren, weil die Gefahr bestanden haben soll, dass eine Außenwand absackt, an der die Bahnsteigüberdachung befestigt ist. Die Bahn musste deshalb auch ihr Reisezentrum für mehrere Wochen schließen. Zu einer neuerlichen Eskalation kam es im vergangenen September, als der Investor den Durchgang zum Fahrrad-Unterstand absperrte.

Zu den Vorgängen möchte man sich im Preetzer Rathaus derzeit nicht detailliert äußern, weil man sich mit dem Investor noch „in einem laufenden Verfahren“ befinde. Allerdings anerkennt man in der Kleinstadt nahe Kiel, dass der neue Eigentümer den Bahnhof zu einem echten Schmuckstück gemacht habe, nachdem die Bahn AG ihn über Jahre vernachlässigte.

 
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erstellt am 09.Mär.2017 | 07:36 Uhr

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